Festgeld
Null Komma Null fürs Ersparte

Das Zinstief treibt aktuell kuriose Blüten. Die ersten Banken bieten ihren Anlegern schon gar keine Zinsen mehr. Bei welchen Instituten die Kunden Nullkommanichts bekommen und wo es noch auskömmliche Sätze gibt.
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Die Schuldenkrise und die damit verbundene Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank treibt selbst erfahrenen Bankern die Sorgenfalten auf die Stirn. „Wer sich in diesen Zeiten über Wirtschaft und Geldanlage auf dem Laufenden hält, hat gute Chancen, verrückt zu werden“, schreibt etwa der Ex-Dresdner Bank Chef Herbert Walter in einer Kolumne für Handelsblatt Online.

„Tagesgeld, Termingeld, Sparbücher bieten Zinsen, mit denen nicht einmal der Inflationsverlust ausgeglichen wird“, warnt der Banker. „Damit sind wir am Ende eines Jahres unweigerlich ärmer als zwölf Monate zuvor“.

Wie Recht er hat, zeigt ein Blick auf die Konditionen für Festgeld bei den Banken. Diese Woche markiert einen neuen Tiefpunkt in der Misere der Zinssparer. Die ersten Banken überweisen ihren Kunden gar keine Zinsen mehr. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung zahlt die Allianz Bank nur noch einen Zins von 0,01 Prozent für Festgeld mit einer Laufzeit von einem Jahr. Die Frankfurter Sparkasse überweist für Festgeld mit bis zu elf Monaten keinen Zins mehr. Laut FMH hätten andere Banken, darunter die Postbank, bereits ihre Festgeld-Angebote vom Markt genommen.

„Die Suche nach guten Zinsangeboten wird heutzutage immer wichtiger“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Denn es gibt noch Banken, die auch aus Marketinggründen ansprechende Zinsen bieten. Im Schnitt liegen die Sätze für Festgeld bei knapp einem Prozent. In der Spitze bieten Preisbrecher noch bis zu 2,35 Prozent.

Auf der Suche nach den besten Konditionen sollten Anleger aber ihre Risikoneigung prüfen. Die besten Anbieter für Festgeldkonten mit zwölf Monaten Laufzeit unterliegen meist nur der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro, die oft von europäischen Staaten gewährleistet werden.

Was gegen ausländische Anbieter spricht: „Im Ernstfall einer Pleite ist es einfacher, in Deutschland sein Recht einzuklagen“, sagt Annabel Oelmann, die Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wer volle Sicherheit möchte, muss bei der Rendite Abstriche machen. Das gilt auch für unspektakuläre Produkte wie dem Festgeldkonto.

 
Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Festgeld: Null Komma Null fürs Ersparte"

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  • Naja, man hat ja durchaus eine Wahl. Wenn man keine Zinsen bekommt, holt man das Geld eben von der Bank.
    Mit den Geld in Händen lässt man sich dann inspirieren.
    Einfach mal die Bequemlichkeit sein lassen.

  • Bei meinem Riester Bausparvertrag bekomme ich lumpige 0,5% auf das eingezahlte Geld. Wegen der Inflation verliere ich ständig Geld. Wenn ich kündige, sind 1000 Euro Abschlussgebühr futsch und alle Prämien müssen zurückgezahlt werden. Da fühlt man sich doch etwas veräppelt, um es vornehm auszudrücken.

  • Eine Sparer-Lobby ist in Deutschland nicht sichtbar. Nicht einmal die Erhöhung des Sparerpauschbetrages wird nachdrücklich verlangt. Die "Financial repression" geht weiter und vernichtet die angesparte Altersvorsorge. Es wird höchste Zeit für eine aktive Interessenvertretung der Sparer.

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