Keine Haftpflicht
Viele Deutsche riskieren Vermögen

Sie horten unzählige Versicherungspolicen in ihren Ordnern – und sparen doch am falschen Ende. Denn viele Bürger sichern sich ausgerechnet gegen die bedrohlichsten Risiken nicht ab.

FrankfurtFür Morgenmuffel ist der Winter ein Graus: Bereits um sieben Uhr morgens müssen Hausbesitzer auf dem Gehweg Schnee und Eis räumen, so sehen es die meisten Gemeindeordnungen vor. Um diese Zeit noch zu schlafen, kann den finanziellen Ruin bedeuten: Stürzt jemand auf dem Gehweg, muss deswegen ins Krankenhaus oder kann gar als Invalide nicht mehr arbeiten, dann muss der Anwohner zahlen – im schlimmsten Fall bis an sein Lebensende. Das kann in die Millionen gehen.

Eine private Haftpflichtversicherung würde für den Schaden aufkommen, doch rund 30 Prozent aller Haushalte haben laut einer Allensbach-Umfrage eine solche Absicherung nicht. „Viele unterschätzen das Risiko und wissen nicht, dass sie bei so einem Unfall mit allem haften, was sie haben oder in Zukunft erwirtschaften“, sagt Gabriele Zeugner von der Verbraucherzentrale Bremen.

Während über den Sinn und Unsinn von vielen Versicherungen gestritten wird, sind sich die Experten bei der Haftpflicht einig: „Das ist eine der günstigsten und wichtigsten Versicherungen“, sagt Zeugner. Sie kommt nicht nur dann auf, wenn jemand die Vase des Nachbarn kaputt schmeißt oder sich auf die Brille des Kollegen setzt, sondern vor allem bei existenzbedrohenden Fällen mit Personenschäden.

Besonders wichtig ist das im Straßenverkehr: „Die Haftpflichtversicherung ist für Fußgänger und Fahrradfahrer das Pendant zur KFZ-Versicherung“, sagt Manfred Poweleit, Chefredakteur beim Branchendienst Map-Report. Sie springt etwa ein, wenn man als Fußgänger unachtsam auf die Straße läuft und einen Unfall verursacht. „Während die KFZ-Police aber für jeden Autofahrer Pflicht ist, muss man sich um die private Haftpflichtversicherung selber kümmern“, sagt Poweleit.

Für viele Verbraucher sind solche Unfallszenarien aber weit weg. Sie versichern lieber das, was ihnen persönlich wichtig ist – etwa ihre Wohnungseinrichtung. Mehr Deutsche haben eine – eher unwichtige – Hausratversicherung als eine Haftpflichtversicherung. Das liegt nicht nur am Kunden selbst. „Viele Vertreter bieten Haftpflichtversicherungen nicht besonders offensiv an, denn sie verdienen daran nur wenig, müssten das Produkt aber ganz genau mit dem Kunden besprechen“, sagt Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten. Wichtig sind nämlich die Details der Versicherung. Für Tierhalter, bestimmte Sportler oder Vermieter sind etwa gewisse Zusatzleistungen nötig. Eine gute Versicherung erhalten Familien bereits ab 60 Euro im Jahr.

Rudnik empfiehlt allen, die ihre Versicherung bereits vor einigen Jahren abgeschlossen haben, diese zu prüfen. „Viele der Verträge sind nicht mehr zeitgemäß. Die Versicherungsbedingungen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.“ Vor allem bei den Deckungssummen hat sich einiges geändert. „Früher waren Verträge üblich, bei denen die Versicherung für Schäden bis eine Million Mark aufkommt“, sagt Rudnik. Wer einen neuen Vertrag abschließt, sollte mindestens eine Deckungssumme von fünf Millionen Euro vereinbaren.

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