Lebensversicherung in 2015
Die große Altersvorsorge-Diät

Im kommenden Jahr müssen sich viele Lebensversicherte mit niedrigeren Renditen begnügen. Eine Auswertung zeigt: Die meisten Gesellschaften senken ihre Überschussbeteiligungen. Einige Marktführer preschen vorneweg.
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Viel Gutes hatten die Versicherer ihren Kunden in den vergangenen Tagen nicht zu berichten. „Wir passen die Überschussbeteiligung den weiter fallenden Kapitalmarktzinsen an“, erklärt etwa die HanseMerkur. Der Versicherer senkt seine Überschussbeteiligung im nächsten Jahr um 0,25 Prozentpunkte. Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben, die ihre Überschussbeteiligung um 0,2 Punkte senkt, sieht vor allem das Positive: „Wir setzen ein Zeichen. Eine Rentenversicherung der Allianz lohnt sich.“

Zinssenkungen liegen bei den Lebensversicherern derzeit im Trend. Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online dürften auch im nächsten Jahr die Zinsen bei einem großen Teil der Versicherten sinken. 39 von 43 Versicherern, die bis jetzt ihre Überschussbeteiligung für 2015 veröffentlicht haben, senken ihre Zinsen. Vier Versicherer lassen die Sätze konstant.

Kein Versicherer erhöht die Zinsen für das nächste Jahr. „Diese erste Indikation erlaubt Rückschlüsse auf die Zinssaison 2015 der Versicherer“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. „Der Zinstrend geht nach unten.“

Die Studie deckt – nach Bruttobeiträgen gerechnet – 75 Prozent des Marktes ab. „Im Schnitt liegt die Überschussbeteiligung der Gesellschaften, die bislang gemeldet haben bei 3,19 Prozent, das Minus beträgt 0,18 Punkte“, sagt Geiberger.

Damit setzt sich ein langjähriger Trend sinkender Zinsen fort. Im vergangenen Jahr lag die laufende Verzinsung im Schnitt bei 3,37 Prozent, 2013 noch bei 3,58 Prozent. Vor zehn Jahren konnten sich Versicherte noch über 4,3 Prozent freuen (siehe Tabelle am Ende des Artikels). „Angesichts der Lage an den Finanzmärkten schlagen sich viele Gesellschaften aber noch recht wacker“, sagt Geiberger.

Die Lebensversicherer investieren vor allem in konservative Zinspapiere wie Anleihen oder Pfandbriefen. Die Renditen dieser Finanzprodukte waren in den vergangenen Jahren stark rückläufig. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen liegen aktuell bei 0,6 Prozent per annum. Viele Anleihen, die in der Hochzinsphase vor einigen Jahren abgeschlossen wurden, laufen in der Zukunft aus.

In den Beständen der Gesellschaften befinden sich noch zahlreiche Verträge aus der Hochzinsphase, die mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent ausgestattet sind. Viele Versicherer dürften deshalb schon jetzt ihre Reserven angreifen. „Der Trend der niedrigen Zinsen wird sich fortsetzen“, sagt Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Die Lebensversicherer werden sich sukzessive mit langlaufenden Niedrigzinsanleihen vollpumpen“.

Verbraucherschützer sehen Lebenspolicen auch wegen der sinkenden Renditen kritisch. „Kapitallebensversicherungen empfehlen wir seit Jahren praktisch überhaupt nicht mehr“, sagt Michael Wortberg, Referent Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Vom Abschluss einer Kapitallebensversicherung raten wir vor allem vor dem Hintergrund des niedrigen Garantiezinses und mangels Steuervorteile ab“, sagt Rita Reichard, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Eine Kapitallebensversicherung kann je nach Lebenssituation allenfalls im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung, zum Beispiel als Direktversicherung, sinnvoll sein“.

Kommentare zu " Lebensversicherung in 2015: Die große Altersvorsorge-Diät"

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  • Ja, es ist schon sonderbar was die Kirchen als ihr wichtigstes Anliegen interpretieren.

    Gäbe es wieder einen Martin Luther, die Leute würden ihm in Scharen nachlaufen.

    Der Widerspruch geht nicht um die tatsächliche Religion, sondern um das was die Kirchenfürsten über Jahrhunderte daraus zurecht gebogen haben.

  • Um die tatsächliche Mindestverzinsung nachrechnen zu können, müsste die Versicherung dem Versicherten erst einmal mitteilen, wieviel an Gebühren und sonstigem sie dem Kunden vorher "abknöpft" oder anders formuliert, wieviel von seiner Prämie überhaupt verzinst wird.

  • jaja, die wundersame Einheit von Kirche und Staat.
    Die Kirche stösst sich am Staat und seinen Jüngern gesund; und die Parteien stoßen sich mit ihrer vllt. max. 1 Million Mitgliedern am Staat mit einer dreistelligen Millionensumme im Jahr gesund; plus Gelder von der EU.

    Aber zum Artikel selbst: eine kapitalbildende LV oder Rentenvertrag abschließen? Wenn höchstens eine Risiko-LV; und wenn man schon für die Rente sparen will: dann lieber wie hier schon erwähnt die Aktien der Allianz kaufen; wenn sie denn mal runtergekracht sind.

    Alles andere ist doch nur Quacksalberkram.

    Alles ein Geklüngel bis zum geht nicht mehr.

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