Nachgefragt: André Hüsemann
"Ohne private Vorsorge geht es nicht"

André Hüsemann ist Geschäftsführer des Analysehauses SRC Research. Im Interview erklärt er, warum die deutschen Finanzdienstleister automatisch Wahlgewinner sind.

Handelsblatt:Herr Hüsemann, sind deutsche Finanzdienstleister ganz automatisch Wahlgewinner?

Herr Hüsemann:Ich glaube ja. Die immer stärkere Bedeutung der Altersvorsorge ist ein demographischer Megatrend, der auf lange Sicht anhält. Allein bis 2010 wird der Markt für Altersvorsorge um zehn bis 15 Prozent pro Jahr wachsen.

Die letzten Halbjahreszahlen lassen anderes vermuten.

Das war eine logische Delle nach dem starken Schlussgeschäft mit Lebensversicherungen im vergangenen Jahr. Viele Leute sind derzeit auch verunsichert. Spätestens im ersten Halbjahr 2006 dürften die Finanztitel wieder auf Wachstumskurs sein, vielleicht sogar schon im letzten Quartal dieses Jahres: Der Zwang zu Unisex-Tarifen ab 2006 dürfte viele Männer noch vor Jahresende in Riester-Policen locken.

Welche Impulse kann die Wahl für die Branche setzen?

Entscheidend wird, wie offen die neue Regierung kommuniziert, wie schlecht es um die staatliche Rente tatsächlich bestellt sein wird. Binnen 40 Jahren fallen durch die Bevölkerungsstruktur rund vier Millionen Erwerbstätige weg, die in die Rentenkasse einzahlen. Im gleichen Zeitraum wächst die Generation 60-plus um mehr als die Hälfte an. An eine Stärkung der Säulen betrieblicher und privater Altersvorsorge führt daher kein Weg vorbei.

Welche Bereiche profitieren besonders?

Wir rechnen bei der betrieblichen Altersvorsorge mit hohen Zuwachsraten. Und gerade unter den kleinen- und mittelständischen Betrieben ist der Markt noch längst nicht verteilt.

Welche Aktien bieten sich am ehesten an, um vom Markt für Altersvorsorgeprodukte zu profitieren?

AWD hat seinen Vertrieb am besten auf die Zeit der nach Ende des Steuerprivilegs auf Lebensversicherungen eingestellt und schöpft auch die Erfahrung der Auslandstöchter optimal ab. Eine Anlage-Idee ist auch die Postbank, die in Deutschland auf eine über zwölf Millionen starke Kundenbasis zurückgreifen kann. Sie hat die Kontakte, die sich Konkurrenten in diesem Markt erst noch aufbauen müssen, und liefert mit Produkten wie jüngst dem Altersvorsorgekonto neue Impulse.

Gibt es ein pessimistisches Szenario für die Wahl, das der Branche einen Dämpfer versetzen könnte?

Drastische Änderungen oder gar neue Fördermodelle wären eine Katastrophe. Das könnte die derzeit herrschende Verunsicherung über die Chancen von Riester-Policen, der Rürup-Rente oder der betrieblichen Altersvorsorge noch verstärken.

Die Fragen stellte Christian Kirchner.

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