Nachgerechnet
Riskante Zinsgeschäfte mit Erdwärme

Anleger mögen alternative Energiequellen. Derzeit versucht ein Regensburger Unternehmen, Sparer für Geothermie-Kraftwerke zu begeistern. 7,25 Prozent Zins verspricht die Beteiligung. Doch das ist hochriskant.
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DüsseldorfNach Sonne und Wind klingt auch dieses Thema für Anleger sehr verlockend. Die FG-Geothermie  will  Erdwärme nutzen und so genannte Geothermie-Kraftwerke bauen. Dafür  wirbt sie um Anlegergeld.   50 Millionen Euro will sie einsammeln, bei „unternehmerisch denkenden Anlegern“, die eine „überdurchschnittliche Renditeerwartung“ suchen.  Sie sollen Namensschuldverschreibungen zeichnen und dafür 7,25 Prozent bekommen. Mindestens sieben Jahre liegt das Geld fest.

Geothermie zapft Energie aus der Erde und gilt als besonders zukunftsträchtig. Die staatliche Förderbank KfW finanziert die Nutzung der Erdwärme mit Krediten mit. Der Strom wird per Gesetz zum festen Preis von 25 Cent je Kilowattstunde abgenommen. 7,25 Prozent, dazu noch staatliche Förderung. Im Vergleich zu Festgeld klingt das lukrativ. Nur, mit Festgeld ist diese Anlage leider nicht zu vergleichen.

In vier Schritten lassen sich solche Investments überprüfen:  Erste Frage: In was genau wird hier investiert? Für Geothermie-Kraftwerke muss tief gebohrt werden, steht im Internet, rund 4000 Meter tief. Dort fließt in der Gegend um München heißes Wasser. Es wird mit Pumpen hochgeholt, treibt ein Kraftwerk an und muss über eine zweite Leitung wieder Tausende Meter tief hinunterfließen. Geothermie liefert bisher weniger als ein Prozent des deutschen Stroms, es ist eine ziemlich neue Technologie.

Der Prospekt ist absolute Pflichtlektüre

Wer bei der FG-Geothermie investieren will, bekommt eine Broschüre und ein sehr positives Analystengutachten zugeschickt. Doch um die zweite wichtige Frage nach den Risiken zu beantworten, reicht das nicht. Dafür muss der Anleger den Wertpapier-Prospekt verlangen und ihn von A bis Z durchlesen. Hier erfährt er, dass noch offen ist, was genau mit dem Geld gemacht wird. Es handelt sich um einen sogenannten Blind Pool. Blind vertrauen müssen Anleger hier dem Geschäftsführer, Florian Fritsch, der die Firma erst 2010 gegründet hat. Vor seiner Geschäftsführer-Karriere hat nach dem Handelsblatt vorliegenden Unterlagen Anlageprodukte verkauft.

Kommentare zu " Nachgerechnet: Riskante Zinsgeschäfte mit Erdwärme"

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  • ...der ja nun lt. Handelsregister sang- und klanglos als Geschäftsführer der FG-Gruppe geschasst wurde. Oder wurde er nur aus der Schusslinie genommen, bevor es ihn in den SAM-Strudel zieht? Ich sage ja: Strucki bleibt Strucki, auch wenn er sich einen grünen Umhang überwirft (und einen "CO².neutralen" Porsche-Rennstall (wer bezahlt den wohl?) unterhält. Selten so gelacht!

  • Und zum Thema Kirchweidach:
    Dort sieht es nach vorübergehender Überwindung technischer Probleme nun finanziell zappenduster aus: Der Investor SAM AG aus der Schweiz, der mit 50% an FG beteiligt ist und dessen akquirierte Anlegergelder in K´weidach verbuddelt werden, ist von der Schweizer Finanzaufsicht geschlossen worden. Das Geld ist wohl weg und die Klagen laufen schon. Danke, Handelsblatt, für die Warnung! Übrigens lassen die SAM-Oberen kein gutes Haar an Herrn Fritsch....

  • @ firstfranz

    Mei, ist das mühsam, aber was soll´s:

    1. Dass ein Geothermieexperte wie Sie doch tatsächlich "vergisst", dass das Wasser nach getaner Arbeit wieder Tausende Meter nach unten gepumpt werden muss, und man dafür -je nach Temperatur und BOHRTIEFE (!!!) eine Menge zugekauften (in Bayern meist Atom-)Strom braucht- so was aber auch! Auch dass die Umwandlung der Wärme in elektrische Energie und die Einspeisung in die Fernwärme nicht von Engelein bewältigt wird, sondern von zugekauftem Strom, sollten Sie nicht verschweigen, sonst glaubt man Ihnen garnix mehr. Übrigens: den höchsten mir bekannten Eigenstromverbrauch hat Neustadt-Glewe mit 60-70%.
    2. Gratuliere: Sie haben richtig gerechnet. Punkt für Sie. Einen BWLGrundkurs brauche ich trotzdem ncht (hatte ich schon). Ach- wissen Sie positiv, wieviel Fremdkapital die FG-Geothermie GmbH derzeit hat? Und von wem? Nein? Sehen Sie, da geht es Ihnen wie mir (und dem Handelsblatt). Falls Sie mal eine Bilanz sehen, aus der das hervorgeht, sagen Sie Bescheid.
    3. Meine "Einlassungen" zu Unterhaching bezogen sich auf Ihre Einlassung, in Unterhaching klappe doch die Kraft-Wärme-Kopplung und es werde dort Strom und -nachgelagert- Fernwärme erzeugt. Darauf schrieb ich, dass in U´haching kaum Strom erzeugt wird und nur deshalb genügend Fernwärme übrigbleibt. Danke, dass Sie das nun bestätigt haben. Wir verstehen uns!


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