Niedrigzinsen
Lebensversicherer fordern Hilfe vom Staat

Die deutschen Lebensversicherer ächzen unter den Niedrigzinsen. Jetzt soll der Staat die Not lindern. Einschlägige Branchenvertreter fordern, dass Versicherer für Garantieversprechen künftig weniger zurücklegen müssen.
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DüsseldorfSie ächzen unter der Niedrigzinspolitik der EZB. Darum soll den deutschen Lebensversicherern jetzt der Staat helfen. Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgegebene Kurs gefährde auf Dauer „die gesamte Vorsorgekultur und -struktur in Deutschland“, warnte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland. Es gebe Gesprächsbedarf mit der Politik, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Konkret verlangt er Erleichterungen beim Aufbau eines Sicherheitspuffers – der sogenannten Zinszusatzreserve.

Ein „so dramatischer Abstieg des Zinsniveaus“ – also eine so hohe Belastung der Versicherer durch die Zinszusatzreserve – sei bei Einführung nicht absehbar gewesen sei, sagte Erdland. Daher müsse jetzt nachgesteuert werden. Mit seinem Vorstoß ist der GDV-Chef nicht der erste. Auch die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hatte auf ihrer Mitgliederversammlung Ende April eine Änderung der Regeln bei der Zinszusatzreserve gefordert. Die Dosierung sei zu hoch gewählt, sagte Vorstandsmitglied Johannes Lörper.

2011 hatte die Finanzaufsicht Bafin den Lebensversicherern auferlegt, zusätzliches Geld zu reservieren, um künftig fällig werdende Garantieversprechen auch im Niedrigzinsumfeld erfüllen zu können. Je niedriger das allgemeine Zinsniveau fällt, umso mehr müssen Versicherer zurückstellen. Sie nehmen die Mittel für den Puffer aus den laufenden Erträgen, oder sie verkaufen hochverzinste Wertpapiere. In der Konsequenz führt das zu einer schrumpfenden Überschussbeteiligung für die Kunden.

An der Sinnhaftigkeit der Zinszusatzreserve per se zweifelt indessen kaum einer. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Versicherer auf den Liquiditätspuffer zurückgreifen müssen. Laut dem Analysehaus Morgen & Morgen werden die Gesellschaften mit ihrer Kapitalanlage 2015 nur noch leicht mehr verdienen können (3,15 Prozent) als das, was sie im Branchendurchschnitt an Garantieleistungen stemmen müssen (2,8 Prozent). Vor allem bei Versicherern mit einem hohen Altbestand an Lebenpolicen könnten die laufenden Erträge bald nicht mehr ausreichen, um die Garantieversprechen zu erfüllen.

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Kommentare zu " Niedrigzinsen : Lebensversicherer fordern Hilfe vom Staat"

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  • "Die deutschen Lebensversicherer ächzen unter den Niedrigzinsen."

    Das stimmt doch gar nicht!

    Es sind die Lebensversicherten, die unter den Niedrigzinsen ächzen! Sie sparen an, dann wurden ihnen die Einnahmen gegen Null gestellt, dann wurden ihnen die Verwaltungskosten (u.a. für die dicken Bonizahlungen der Vorstände) und anschließend auch noch die Dividendengarantie für die Aktionäre in Rechnung gestellt. Klagen kann ein Versicherter zwar dagegen, aber kein Richter gibt ihm Recht.

    Das kann ein deutscher Richter aber auch nicht. Er hat darf lediglich prüfen, ob die BAFin Einsicht in den Geschäftsplan der Versicherung hatte. Dann endet sein Prüfungsrecht. Geholfen wird einem Versicherten damit aber nicht.

    Die BAFin übt nach eigenem Verständnis die Versicherungsaufsicht und keinen Verbraucherschutz aus. Das wären zwei konkurrierende Ziele und hätte bereits im letzten Jahr zur Schließung diverser Versicherungen führen müssen, weil sie eindeutig in die Tasche der Lebensversicherten griffen, als sie ihr Gesetz, das Lebensversicherungsreformgesetz, durch den Bundestag, den Bundesrat brachten und letztlich auch die Unterschrift beim Pensionsberechtigten Bundespräsidenten Gauck einholten.

    Betrogen wurde und wird ganz offensichtlich der, der dem Staat im Alter nicht auf der Tasche liegen will.

  • 3% Zinsen versprochen und 0,3% zinsen gezahlt, und keinem ist das aufgefallen. und das machen die gesellschaften schon seit 2000 gell? gehalt um 50% kürzen, aber nach Hilfe rufen? hahahaha

  • den politikern die macht über das geld zu geben war der fehler im system, der uns jetzt auf die beine fällt. die exorbitante staatsverschuldiung die wir diesen günstlingen zu verdanken haben kann nur durch die enteignung der sparer erfolgen. so einfach ist dies. politiker werden ihre fetten überpensionen vom steuerzahler garantiert. aus diesem grunde brauchen sie auch nicht vorzusorgen.alleine bei der erhöhung des zinses um 2% kostet dies den steuerzahler ca. € 50 milliarden pro jahr. der finanzminsiter mit seiner schwarzen null ist ein schaumschläger. dieses kunststück kann er uns nur vorgaukeln in dem er die sparer enteignet. bürokraten, beamte und politker haben diesen staat an die wand gefahren und suchen jetzt ganz krampfhaft einen ausweg die schuld irgendwen in die schuhe zu schieben um vom eigenen versagen abzulenken.

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