Sichere Geldanlage
Die Shooting-Stars der Finanzkrise

Trotz mieser Konditionen: Das Sparbuch bleibt der Deutschen Liebling. Doch das Tagesgeld hat Plätze gut gemacht. Bausparen wird beliebter, die Beratung ist aber oft schlecht. Die sicheren Anlage-Champions im Vergleich.
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FrankfurtTagesgeld hat einen wahren Siegeszug geschafft. Noch vor gut zehn Jahren nutzten fast nur Unternehmen die Möglichkeit, Geld auf einem Konto einzuzahlen, auf dem es täglich verfügbar ist, aber trotzdem Zinsen bringt. Viel üblicher war es, sein Geld auf ein Sparbuch zu legen, wo es fest verzinst wird, aber auch nur begrenzt verfügbar ist. Mittlerweile gehört Tagesgeld aber auch in der deutschen Bevölkerung zu den drei häufigsten Geldanlageformen. Im Schnitt hat jeder zweite Deutsche ein Tagesgeldkonto. „Der Trend geht zu Anlageformen mit einem kürzeren Zeithorizont, vor allem zum Tagesgeld“, erklärt Finanzexperte Til Klein von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group.

Allerdings ist der Aufstieg des Tagesgeldes auch dem Mangel an alternativen Anlagemöglichkeiten für Geld geschuldet, meint Kapitalmarktexperte Peter Barkow von der Düsseldorfer Beratungsgesellschaft Barkow Consulting: „Die immensen Zuwächse beim Tagesgeld, vor allem seit Beginn der Finanzkrise Ende 2008, spiegeln im großen Maße die Ratlosigkeit der Anleger wider: Es weiß einfach keiner mehr so recht, wohin mit seinem Geld.“

Seinen Berechnungen zufolge haben die Deutschen seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, der als Auslöser für die Finanzkrise galt, etwa 300 Milliarden Euro zusätzlich auf Tagesgeldkonten geschoben.

Insgesamt lagen dort zuletzt mehr als 750 Milliarden Euro. Dabei sind die Zinsen derzeit mager: Knapp 1,4 Prozent bekommt man im Schnitt für eine Einzahlung über 5000 Euro, wie die Frankfurter Finanzberatung FMH errechnet hat. Manche Banken bieten aber mehr, es gibt aber nur eine Handvoll Anbieter, die über zwei Prozent gehen. Für den Sparer ist das bitter: Damit das Geld nach Abzug aller Kosten, Steuern und der Inflation nicht dahinschmilzt, muss man eine Rendite von etwa vier Prozent erreichen - mit Tagesgeld ist das zurzeit nicht zu machen.

Auf der Suche nach einer sicheren Anlagemöglichkeit mit guten Zinsen hilft selbst Festgeld nicht weiter. Nur wer sein Geld für mindestens fünf Jahre einer Bank überlässt, kann sein Kapital erhalten. Für Festgeld mit kürzerer Laufzeit gibt es momentan meist unter vier Prozent. Dass man aber in einer Phase niedriger Zinsen sein Geld so lange festlegt, sehen viele Finanzexperten und Verbraucherschützer kritisch.

Und selbst wenn man ein gutes Angebot findet, sollte man genau hinschauen. Denn bei hohen Zinsen gibt es oft einen Haken: Man bekommt sie nur als Neukunde, ab einer bestimmten Anlagesumme, zeitlich befristet - oder bei Instituten, die auf anderem Wege nur schwer an Geld kommen, weil andere Marktteilnehmer ihnen misstrauen. Ein Anhaltspunkt ist der Einlagenschutz. Das Geld der Sparer ist in Deutschland bis 100.000 Euro pro Person geschützt. Zusätzlich bürgt für viele Institute ein Sicherungsfonds des jeweiligen Bankenverbands.

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  • Sicher ist die Lebensversicherung eine langfristige Geldanlage. Aber gerade als reine Anlageform kann man auch auf dem Zweitmarkt Policen mit geringerer Restlaufzeit schon ab 2 Jahren erwerben - und erhält dann mit durchschnittlich 4,6% immer noch eine höhere Rendite als beim Tagesgeld.

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