Sicherung eines lebenslangen Einkommens ist für die Anbieter ein Wettbewerbsvorteil
Lebensversicherung erhält neue Chance

"Altersvorsorge ist Rente" - mit diesem Leitmotiv bietet das neue Alterseinkünftegesetz den Lebensversicherern neue Chancen in einem vielversprechenden Zukunftsmarkt. Die Branche wird die neuen Rahmenbedingungen nutzen, um sich noch stärker auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren - die Versicherung laufender Einkommen im Alter, für die Hinterbliebenen, bei Berufsunfähigkeit und im Pflegefall.

Altern in Würde und ohne finanzielle Sorgen - das ist ein Wunsch, den sich jeder erfüllen möchte. Dass der Staat diese Sicherheit künftig immer weniger bieten kann, haben die Bürger inzwischen erkannt. Wie Umfragen belegen, wissen die Menschen in Deutschland sehr genau, dass sie die Sicherung ihres Lebensstandards in der Zukunft gezielter finanziell vorbereiten müssen. Darauf hat der Gesetzgeber reagiert: Mit dem seit Januar gültigen Alterseinkünftegesetz (AEG) tritt die private Vorsorge zum ersten Mal gleichberechtigt neben die staatliche Absicherung.

Das AEG markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Rentenreformen. Es senkt das Niveau der Renten ein weiteres Mal und leitet den Übergang zur nachgelagerten Besteuerung der Einkommen im Alter ein. Weil Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung und in die private Basisvorsorge Schritt für Schritt von der Steuer freigestellt werden, steht mehr Geld für die private Altersvorsorge zur Verfügung. Der Staat fördert künftig vor allem die Vorsorgeformen, die das Langlebigkeitsrisiko absichern. Diese veränderten Rahmenbedingungen bieten den Lebensversicherern ein erhebliches Zukunftspotential. Denn nur sie können ein lebenslanges Einkommen garantieren. Die Rente, die nie ausgeht - das ist die Kernkompetenz der privaten Rentenversicherung. Sie schützt davor, im Alter ohne ausreichend Geld dazustehen.

Entscheidend für den Erfolg der Lebensversicherer wird eine hohe Qualität der Kundenberatung sein. Denn beim AEG greifen Rentenreform und Steuerreform ineinander. Damit sind die Anforderungen an die Beratung deutlich gestiegen. Der Berater muss beurteilen können, ob die Riester-Rente, die Basisrente, die Privatrente oder - was der Regelfall sein dürfte - eine Kombination dieser Produkte am besten zum Bedarf des Kunden passen. Die besondere Herausforderung für den Berater besteht darin, im Gespräch mit den Kunden deutlich zu machen, dass eine Altersvorsorge mit diesen Produkten sehr einfach funktioniert, auch wenn die damit verbundenen steuerlichen Regelungen nach dem ersten Eindruck recht kompliziert anmuten.

Wenn es um Alterssicherung geht, sollte in der Regel zunächst gezielt die Riester-Rente angesprochen werden - für viele dürfte sie die erste Wahl sein. Denn um die volle staatliche Zulage zu bekommen, muss der Kunde selbst nur vergleichsweise geringe Beiträge aufwenden.

Für viele Selbstständige, die generell von der Riester-Förderung ausgeschlossen sind, lohnt sich die neue Basisvorsorge besonders. Je höher der Steuersatz im aktiven Berufsleben und je niedriger die erwartete Steuerbelastung im Ruhestand ist, umso attraktiver wird die nachgelagerte Besteuerung mit der Basisrente. Liegen die Steuersätze voraussichtlich dichter beieinander, ist wiederum die traditionelle private Rentenversicherung empfehlenswert.

Wenn es auf einen besonders individuellen und vielseitig verwendbaren Versicherungsschutz ankommt, ist die private Rentenversicherung ohnehin die richtige Wahl. Sie ist außerdem im Alter nur mit einem geringen Ertragsanteil steuerpflichtig, der durch das Alterseinkünftegesetz sogar noch gesenkt wurde. Bei jeder Beratung aber gilt: Entscheidend ist die persönliche Situation des Einzelnen.

Darüber hinaus halten die Lebensversicherer Produkte zum Aufbau von Altersvorsorgevermögen bereit. Die pauschale Aussage, die Lebensversicherung mit Kapital-auszahlungsoption sei zum Sterben verurteilt, ist falsch. Denn nach zwölf Jahren Laufzeit und einer Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr muss nur die Hälfte der Erträge versteuert werden. Auch Zuzahlungen sind jetzt jederzeit möglich, so dass die "klassische" Lebensversicherung noch flexibler geworden ist. Die Lebensversicherung bleibt damit - ganz abgesehen von der Zinsgarantie - konkurrenzfähig zu anderen Finanzangeboten.

Übersehen wird übrigens häufig, dass der Gesetzgeber neue Freiheiten für die Gestaltung der Kapitallebensversicherung und der privaten Rentenversicherung geschaffen hat. So sind Einmalbeitragsversicherungen nun nicht mehr voll steuerpflichtig. Entfallen sind auch die Vorschriften, nach denen regelmäßige Beitragszahlungen und ein fest definierter Mindesttodesfallschutz erforderlich waren. Auf Dauer wird das Alterseinkünftegesetz die Nachfrage nach Vorsorgeprodukten stimulieren und damit die Marktposition der Lebensversicherer stärken. Im Wettbewerb der Zukunft werden dabei vor allem diejenigen Unternehmen gut abschneiden, die über eine starke Marke, eine nachhaltige Finanzkraft und eine hohe Beratungskompetenz verfügen.

Gerhard Rupprecht ist Vorsitzender des Vorstands der Allianz Lebensversicherungs-AG.

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