Tages- und Festgeld
Bei welchen Banken sich Sparen noch lohnt

Immer mehr Banken zahlen keinen Zins mehr für Einlagen. Vor allem Volksbanken und Sparkassen knausern. Doch es lassen sich auch noch Geldinstitute finden, bei denen eine Eins vor dem Komma steht.
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Reich werden Sparer schon lange nicht mehr, wenn sie ihr Geld auf Konten parken. Bei etlichen Geldhäusern gibt es aber inzwischen gar keinen Zins mehr fürs Ersparte – der Zinssatz für Tages- oder Festgeld liegt dort bei 0,0 Prozent. „Immer mehr Banken und Sparkassen zahlen nichts mehr“, sagt Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung, die Konditionen von Tages- und Festgeld beobachtet. Und einige Anbieter verzichten angesichts der Minizinsen gleich ganz auf die Offerte. „Nicht wenige Finanzhäuser haben sogar ihr Tages- und Festgeldangebot eingestellt“, sagt Herbst. Der Grund: die EZB.

Banken sind auf Kundeneinlagen weniger angewiesen und sparen sich den Aufwand. Schließlich bekommen sie genug billiges Geld über die Europäische Zentralbank, die mit ihrem Anleihekaufprogramm Milliarden Euro in den Markt pumpt. Zudem können die Banken, die mit der Kreditvergabe weniger verdienen, ihren Kunden kaum mehr attraktive Konditionen bieten. Anleger sollten daher besonders genau auf die Offerten achten – es gibt noch immer große Unterschiede. So lassen sich durchaus Institute finden, in deren Zinstabelle zumindest eine Eins vor dem Komma steht.

Auffällig im Vergleich der Tages- und Festgeldzinsen: Am geizigsten sind Sparkassen und Volksbanken, wie Herbst feststellt. „Diese Institute haben besonders viele Kunden, die sich nicht bewegen, wenn sich die Zinsen ändern“, begründet sie. So stehen in der FMH-Zinsübersicht besonders viele dieser Regionalinstitute ganz unten. Sie zahlen fürs Tagesgeld gerade einmal 0,05 bis hin zu 0,01 Prozent. Das ist weit unterdurchschnittlich: Im Mittel bekommen Anleger noch 0,48 Prozent für das täglich verfügbare Tagesgeld, 0,39 Prozent gibt es durchschnittlich für Festgeld über ein Jahr. 

Einige Institute haben ihr Angebot an Festgeldern ganz eingestellt. Dazu zählen die genossenschaftliche Münchener Bank, die VW Bank und – seit längerem – die Postbank. Auch die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) und ihre Onlinebank 1822direkt bieten kein kurzfristiges Festgeld mehr an. Die Fraspa erklärt, es gebe derzeit kaum Anreize, sich länger zu binden. Viele Sparer gehen davon aus, dass die Zinsen vorerst niedrig bleiben. Kunden fragten nur in sehr geringem Maße eine langfristige Anlage zu diesen extrem niedrigen Zinsen nach.

Andere Häuser, darunter große Sparkassen, geben auf Tagesgeld für hohe Summen wie ab 250 000 Euro nichts mehr. Die genossenschaftliche Skatbank verlangt ab 500 000 Euro sogar 0,25 Prozent Strafzinsen, wenn ein Kunde insgesamt drei Millionen Euro Einlagen hält.

Zu den Anbietern, die noch deutlich mehr Zinsen für Tagesgeld geben, gehört die PSD Hessen-Thüringen. Sie ‎bietet neuen Kunden aus der Region 1,25 Prozent, Bestandskunden immerhin 0,75 Prozent. Marktführer ING Diba wiederum zahlt ein Prozent für Neukunden und 0,6 Prozent für die mehr als sechs Millionen Bestandskunden. „Wir haben den Zins auch gesenkt, aber noch genug Spielraum“, sagt ein Sprecher. Die Kostenstruktur ermögliche, überdurchschnittlich viel zu zahlen. Anders als Sparkassen und Volksbanken kommt ING Diba ohne Filialen aus, Null- oder gar Negativzinsen sind aktuell kein Thema.

Anleger sollten also schauen, wo sie ihr Kapital real, also nach Abzug der Inflation von derzeit 0,3 Prozent, erhalten können. Generell sollten Anleger aber nicht zu viel Geld parken, denn langfristig kann man mit solchen Renditen kein Vermögen aufbauen. Wichtig ist zudem, auf den teilweise eingeschränkten Einlagenschutz zu achten und nie mehr als die garantierte Summe anzulegen. Auch enthalten viele Topangebote Beschränkungen. So gilt der Spitzenzins beim Tagesgeld der PSD nur für neue Kunden, bis 31. August und für Anlagesummen bis 25 000 Euro.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Eine Volkswirtschaft, bei der die Wirtschaftsteilnehmer durch die Zentralplaner aus Politik und Notenbanken zwangsentspart werden sollen, ist bereits so gut wie tot. Wir sehen also wandelnde Zombie-Volkswirtschaften.
    Grandios gescheitert ist man sowieso mit dem (angeblichen) Ziel, durch die Zinssenkungen die Wirtschaftsteilnehmer zu mehr Konsum und Investitionen zu zwingen. Es geht hier um den Versuch, die natürliche Zeitpräferenz ( = Präferenz von Konsumenten, Konsum in der Gegenwart gegenüber künftigem Konsum vorzuziehen) zwangsweise weiter zu erhöhen. Dabei gibt es sehr gute Gründe, weshalb Unternehmen etwa Kapitalrücklagen bilden, um später zu investieren, und erst recht normale Sparer (Rückstellungen für Krankheit, Alter, Reparaturen usw.).
    Das Scheitern sieht man u.a. deutlich an der Geldumlaufgeschwindigkeit: statt - was in diesem Falle eigentlich logisch wäre - anzusteigen, ist die Geldumlaufgeschwindigkeit nämlich massiv eingebrochen (Daten für die USA):
    https://research.stlouisfed.org/fred2/series/M2V
    Und in welchen Anlagen steckt das Geld von Riesterrenten, Bausparverträgen, Rentenversicherungen großteils drin? U.a. in Staatsanleihen mit jetzt schon negativer Realrendite. Diese "Sparer" werden die Enteignung also nicht direkt - wie bei Strafzinsen auf Sparguthaben - bemerken, sondern erst, wenn es an die Auszahlung geht. Perfide natürlich, da die Widerstände bei den Betroffenen andernfalls natürlich wesentlich höher wären...

  • Ich habe den schlimmen Verdacht, dass die staaten weltweit ihre Schulden durch negative Zinsen abbezahlen wollen oder gar werden. Und es sieht auch so aus, dass sich Spar-Einlagen immer weniger lohnen werden.

    Vermutlich kommt in Zukunft um Aktien und Trading auch Opa Egon nicht mehr herum.

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