Vermögen
Unsere Superreichen – noch reicher als gedacht

Besonders wohlhabende Menschen reden nicht gerne über ihre Reichtümer. Wie eine EZB-Studie belegt, wird ihr Vermögen deshalb in Untersuchungen systematisch unterschätzt. Das führt zu Problemen.

FrankfurtDie Redewendung „Über Geld spricht man nicht, man hat es“ fasst zusammen, was vielen Statistikern Kopfschmerzen bereitet. Vor allem besonders reiche Menschen reden nicht gerne über ihr Vermögen. Das ist ein wichtiger Grund dafür, weshalb gängige Umfragen das Vermögen des obersten Prozents der Bevölkerung chronisch zu niedrig einschätzen.

Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine aktuelle EZB-Studie (Link zum PDF): „Die Finanzvermögen und realen Vermögensanteile der reichsten ein Prozent sind deutlich höher als Umfragedaten vermuten lassen“, heißt es darin. Das Forschungspapier hat der EZB-Ökonom Philip Vermeulen verfasst.

Es repräsentiert nicht unbedingt die Position der Notenbank. Die Ergebnisse sind jedoch brisant. Sie zeigen die Schwierigkeiten in der Messung des Reichtums der Superreichen und beim Vergleich der Einkommensverteilung in verschiedenen Ländern.

Für solche Untersuchungen werden in der Regel Haushalte befragt. Die daraus abgeleiteten Werte unterscheiden sich aber von den Zahlen, die sich aus den nationalen Statistiken ergeben. Zum einen liegt dies daran, dass vor allem sehr reiche Haushalte solche Umfragen meiden. So hat der reichste deutsche Haushalt in der Umfrage zum Finanz- und Konsumverhalten der privaten Haushalte im Eurosystem ein Vermögen von 76 Millionen Euro – der reichste italienische Haushalt kommt auf 26 Millionen Euro.

In beiden Ländern gibt es jedoch eine beträchtliche Zahl von Milliardären. „Tatsächlich ist der reichste Teil der Bevölkerung in den Umfragen nicht enthalten“, heißt es.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Vermögen häufig zu niedrig angegeben werden. Dies ist vor allem bei Finanzvermögen der Fall. Gerade Superreiche halten besonders viel Finanzvermögen, wie etwa Aktien.

Das Ergebnis zeigt: Bei länderübergreifenden Vergleichen von Einkommensverteilung und Vermögen ist Vorsicht geboten. Die Notenbanken im Eurosystem erheben beispielsweise solche Daten. Im März hat die Bundesbank aktuelle Umfragedaten für Deutschland präsentiert. Dabei zeigte sich, dass die Vermögensungleichheit ist in Deutschland größer ist als in anderen europäischen Ländern – und sich verstärkt.

Nach der Untersuchung, die auf Umfragen basiert, gehört man in Deutschland mit einem Vermögen abzüglich Schulden von 468.000 Euro zu den reichsten zehn Prozent der Haushalte. Das ist fast achtmal so viel wie die 60.000 Euro, die der mittlere Haushalt hat. Im Durchschnitt des Euro-Raums liegt der entsprechende Faktor nur bei fünf. Die obersten zehn Prozent steigerten von 2010 bis 2014 ihren Anteil am Gesamtvermögen von 59,2 auf 59,8 Prozent.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
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