Versicherung
Riskante Billigpolicen der Krankenversicherer

Privater Krankenschutz ist ab 50 Euro im Monat zu haben, doch die Experten raten von derartigen Verträgen ab. Die Leistungen seien unzureichend und damit gefährde man seine Gesundheit eher, als sie zu versichern.

FrankfurtDer Mann ist 30 Jahre alt, selbstständig und sucht günstigen Krankenschutz. Weniger als 150 Euro würde er gerne bezahlen. Kein Problem, der Vermittler schaut in den Tarifrechner des Datenanbieters Morgen & Morgen und findet Offerten in Hülle und Fülle.

In seinem Fall ist Axa mit 57,74 Euro Beitrag im Monat der Spitzenreiter. Doch auch die kostengünstig arbeitende Huk-Coburg sowie die zu den Genossenschaftsbanken gehörende R+V liegen mit 76,03 Euro und 93,75 Euro noch unter der Schwelle von 100 Euro. Zwischen 100 und 150 Euro bieten Barmenia, Hanse-Merkur, Hallesche, Arag, Central und DKV – oft mit mehreren Vertragsvarianten.

Ein Manager: „Von Billigtarifen hat der Versicherte am Ende nichts.“

Was sich so konkurrenzlos günstig anhört, hat jede Menge Haken. Viele Manager, Berater und Analysten lehnen Billigangebote als riskant ab. Die wichtigsten Gründe: Kunden erhielten Leistungen, die teilweise unter der gesetzlichen Konkurrenz lägen. Sie müssten mit saftigen Beitragssteigerungen rechnen.

Zudem widersprechen diese Offerten dem Luxus-Image, das die Branche gerne pflegt: Für weniger als 150 Euro im Monat liegt ein Privatpatient nicht mehr im Einzelzimmer oder wird vom Chefarzt persönlich behandelt. „Ich halte Billigtarife in der privaten Krankenversicherung für problematisch, weil zu viele Leistungseinschränkungen bestehen. Privater Krankenversicherungsschutz sollte eine entsprechende Wertigkeit haben und die hat eben auch ihren Preis“, sagt daher Reinhold Schulte, der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna Gruppe. Nebenbei ist Schulte auch Chef im Verband der privaten Krankenversicherer (PKV), doch in dieser Funktion verkneift er sich öffentlich solche Sätze.

Weniger Rücksichten auf empfindliche Kollegen muss Klaus Henkel nehmen. „Von Billigtarifen hat der Versicherte am Ende nichts“, schießt der Vorstandschef der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) gegen die Konkurrenz, die solchen Krankenschutz dennoch offensiv propagiert: Die Freude darüber währe nur kurz, denn schon bald setze sich eine Risikospirale in Gang.

Wenn die Kunden im Billigtarif älter und öfter krank würden, ergäben sich Beitragssteigerungen, die wieder durch einen neuen Billigtarif aufgefangen werden müssten. Nicht alle Versicherte könnten dann jedoch in den neuen, abermals günstigeren Tarif wechseln. Die Beitragsfalle schnappt dann zu.

Seite 1:

Riskante Billigpolicen der Krankenversicherer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%