Allianz-Vorstand
„Wir rechnen mit einer Lebenserwartung von 102 Jahren“

Warum sollen Lebenspolicen mit einem Garantiezins von 1,75 Prozent attraktiv sein? Sind Provisionen für Vermittler der richtige Weg? Allianz-Vorstandsmitglied Alf Neumann stellt sich der Kritik an seinen Produkten.
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Herr Neumann, warum verlieren die Kunden das Interesse an der Kapitalbildenden Lebensversicherung?
Das ist nicht so. Die Lebensversicherung ist attraktiv, auch weiterhin. Sie ist das einzige Angebot für Altersvorsorge, das Sicherheit und Risikoabsicherung für lange Zeiträume mit attraktiven Renditen verbindet.

Warum sinkt die Zahl an Neuabschlüssen?
Die Beitragseinnahmen sind in den vergangenen zehn Jahren um jährlich drei Prozent gestiegen. Aktuell hat sich das Wachstum verlangsamt, weil die Gleichstellung von laufenden Beiträgen und Einmalbeiträgen 2005 zu einer Art Sonderkonjunktur geführt hatte. Bei der Allianz Leben stiegen die Beitragseinnahmen in den vergangenen zehn Jahren sogar um jährlich fast sechs Prozent.

Ein Abschluss ist aber wegen den niedrigen Renditen kaum attraktiv.
Niedrige Zinsen betreffen auch alle anderen Marktteilnehmer wie etwa die Banken. Mit einem Garantiezins von 1,75 Prozent ist unser Produkt weiterhin attraktiv, zumal die Kunden über die Überschussbeteiligung deutlich mehr bekommen. Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bringen hingegen aktuell auch nur 1,2 Prozent.

Der Garantiezins gilt nicht für die gesamten Beiträge, ein großer Teil geht für Vermittlerprovisionen und Verwaltungskosten drauf.
Wir weisen die Kosten bei jedem Neuabschluss transparent als Gesamtquote aus. Bei Rentenpolicen mindern diese Kosten die Rendite um rund einen Prozentpunkt.  Wir bieten dem Kunden damit einen gut verständlichen Ausweis der Kosten – einschließlich der Abschlusskosten.

Einzelne Posten interessieren die Kunden vielleicht schon. Was verdient eigentlich ein Vermittler, wenn er eine Lebenspolice der Allianz verkauft?
Wir weisen unseren Kunden die gesamten Abschluss- und Vertriebskosten aus, das sind 1.200 Euro für einen Durchschnittsvertrag mit 30.000 Euro Beitragssumme. Der Betrag wird nicht sofort fällig, sondern über fünf Jahre verteilt. Wie viel der einzelne Vermittler erhält, hängt stark von der Vertriebsstruktur ab.

Kommentare zu " Allianz-Vorstand: „Wir rechnen mit einer Lebenserwartung von 102 Jahren“"

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  • Klare Aussage!

    Wer also glaubt, dass er keine 102 wird, für den lohnt sich die Versicherung nicht.

    Wer glaubt älter als 102 Jahre alt zu werden, dass ist der, der sich Gedanken darüber machen sollte. Natürlich nur dann, wenn die Versicherungen nicht anpassen, wenn das Durchschnittsalter darüber steigt.

    Wird das Durchschnittsalter nicht erreicht, dann streichen die Versicherer das Geld ein. Das ist dann so wie die Bank im Casino.

  • Das ist schon eine Unverfrorenheit, von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 102 Jahren auszugehen. Um 102 zu werden müssen u. a. in erster Linie die Gene und vor allen Dingen ein gutes Einkommen (z. B. wie bei Vorständen) die Voraussetzung sei. Die vielen Übergewichtigen, vor allen Dingen viele Jugendliche, und geringe Einkommen werden überhaupt nicht berücksichtigt. Damit soll nur für die Versicherten die Rendite gedrückt werden. Hoffentlich lassen sich die Leute nicht für dumm verkaufen und über den Tisch ziehen.

  • Es ist keine Polemik, Kapitallebensversicherungen als Betrug am Kunden zu bezeichnen. Das bisschen Transparenz, das seit 2008 geboten wird, wurde vom Gesetzgeber erzwungen. Lasst Zahlen sprechen - am Renditeverlauf wie ihn z.B. KLV-Check berechnet ist eigentlich das ganze Dilemma mit diesem Produkt ersichtlich!

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