Bert Rürup im Interview
„Beweisen Sie mir, dass Sie kein Spion sind“

Private Rentenversicherungen werden massiv kritisiert. Von Sparern und Verbraucherschützern. Handelsblatt Online befragte Bert Rürup zu den Vorwürfen, unrealistischen Renditeerwartungen und seiner Rolle beim AWD.
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Handelsblatt: Herr Rürup, eine wichtige Säule der privaten Altersvorsorge trägt Ihren Namen. Fürchten Sie eigentlich um Ihren guten Ruf?
Bert Rürup: Warum sollte ich? Die Rürup-Rente ist vom Prinzip her die modernste Form der Altersvorsorge in unserem Land. Denn sie ist anders als die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Altersversorgung, die berufsständischen Versorgungswerke oder die Riester-Rente universalistisch, das heißt unabhängig von der Art der Erwerbstätigkeit der Menschen. Seit 2005 haben 1,5 Millionen Haushalte einen Vertrag abgeschlossen. Das ist immerhin etwa ein Viertel des Potentials. Und wenn es die Rürup- oder Basis-Rente nicht gäbe, müsste man sie schleunigst erfinden. Es sei denn, man fände es in Ordnung, dass die Selbständigen, wenn nicht als Freiberufler in einem berufsständischen Versorgungswerk abgesichert sind, keine Möglichkeit haben sollen, die alle abhängig Beschäftigten haben - nämlich  aus unversteuertem Einkommen für ihr Alter vorzusorgen . Die Politik hat sich - aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes  mit dem Alterseinkünftegesetz zur nachgelagerten Besteuerung von Altersvorsorgeaufwendungen entschieden. Und das muss natürlich für alle Einkommensteuerpflichtigen gelten.

Verbraucherschützer kritisieren die "Rürup-Rente" scharf. Ein Kritikpunkt ist die minimale Verzinsung. Der im Vergleich mit einem Sparstrumpf steht im Raum.
Eine Versicherung ist keine Kuh, die auf der Erde gemolken werden kann, aber im Himmel frisst. Jeder Anbieter einer kapitalgedeckten Leibrente kann nur die Zinserträge weiter geben, die er mit den angelegten Mittel erwirtschaftet. Insofern schlägt natürlich die derzeitige Niedrigzinsphase auf die Rendite in allen kapitalgedeckten Systeme durch. Es steht aber jedem Sparer frei, um den Preis einer höheren Volatilität Sicherheit gegen Renditechancen zu tauschen. Hohe Renditen und Sicherheit, beides gleichzeitig kann man nicht haben.

Aber brauchen die Sparer überhaupt ein solches Instrument wie die Rürup-Rente?
Wenn es Riester- oder Rürup-Renten nicht gäbe,  wären die Möglichkeiten der Menschen, für das Alter vorzusorgen, bestimmt nicht  besser. Es gibt zweifellos eine ganze Reihe von Gründen,  Riester-  und Rürup-Rentenprodukte zu kritisieren. Der Sparstrumpfvergleich ist aber - vorsichtig formuliert - schräg. Die Rürup-Rente ist wie die Riester-Rente eine Risikoversicherung - gegen das Risiko der Langlebigkeit. Das ist etwas völlig anderes als ein Sparvertrag für einen Auszahlungsplan, bei dem genau dieses Risiko nicht vom Produktanbieter übernommen wird, sondern beim Sparer bleibt.

Das müssen Sie uns genauer erklären.
Bei einem Auszahlungsplan sind die angesparten Mittel irgendwann verbraucht, bei einer Leibrentenversicherung hat man die Gewissheit, die vertraglich vereinbarte Rente zu bekommen, selbst wenn man so alt wie Johannes Heesters werden sollte. Deshalb hat es mich überrascht, dass ein so kompetenter Versicherungsmathematiker wie Axel Kleinlein sich zu dem Sparstrumpfvergleich hergibt, dies umso weniger als er selbst in einem 2011 für die Friedrich Ebert Stiftung erstellten Gutachten zur Riester-Rente zu durchaus beachtlichen Rentenrenditen in der Größenordnung von  3,8 Prozent für Frauen und 3,4 Prozent für Männer gekommen ist - und das bei Lebenserwartungsannahmen, die er als realistisch erachtete. Richtig an der Kritik der Verbraucherschützer ist, dass es zu viele intransparente und teure und zu wenig  transparente und effiziente Produkte gibt. Auf jeden Fall sollte man bei der Auswahl darauf achten, dass die Renditeschmälerung durch alle Kosten über die gesamte Vertragslaufzeit, die Ansparphase und die Auszahlphase, unter einem Prozentpunkt liegt und bei einer Ansparzeit von 25 Jahren die Kosten in dieser Phase nicht mehr als acht Prozent der eingezahlten Prämien ausmachen.  

Kommentare zu " Bert Rürup im Interview: „Beweisen Sie mir, dass Sie kein Spion sind“"

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  • Sie sollten auch § 89 VAG noch berücksichtigen:

    http://www.versicherungsgesetze.de/versicherungsaufsichtsgesetz/0089.htm

    Jetzt läuft es Ihnen auch noch kalt den Rücken hinunter, falls es Ihnen noch nicht bekannt war.

  • Swiss Life gibt selbst die Antwort:

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Swiss-Life-eselt-AWD-um-article7593961.html

  • Ich habe vor 5 Jahren eine Rürup bei der Volksbank abgeschlossen. Bis heute sind von den eingezahlten Beiträgen nur 70% auf dem Konto gutgeschrieben.

    Der rest ging als Gebühren Provisionen etc drauf.

    "Eine Versicherung ist keine Kuh, die auf der Erde gemolken werden kann, aber im Himmel frisst."
    Der Versicherungsnehmer ist aber eine Kuh die man heute Melkt und der man heute versricht morgen zu fressen zu geben, es aber nicht tut!

    denn wer nach Jahren mal das Geld zurück will, pustekuchen.
    Wer etwas vererben will? Pustekuchen!
    Wer kündigt? Verliert alles!
    Beitragsfrei stellen? Die laufenden Gebühren fressen dann das spärliche Guthaben auf!

    Darum sind Lebensversicherungen "Legaler Betrug!"

    Darum sind Lebensversicherungen nur für einen gut! Für die Versicherung und Herrn Rürup mit seinem Kumpel Herrn Maschmeyer.

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