Betriebliche Vorsorge
"Unternehmen müssen notfalls nachlegen"

Die Betriebsrenten sind sicher, sagt Peter Hadasch, Vorstand der Nestlé Pensionskasse, trotz der Finanzkrise. Welche Folgen sie für die Betriebsrenten hat, erklärt er im Interview.

Herr Hadasch, müssen Arbeitnehmer wegen der Finanzkrise um ihre von den Unternehmen zu zahlende Zusatzversorgung zittern?

Nein, anders als in den USA ist der Bestand der Betriebsrenten nicht gefährdet. Nach deutschem Recht sind die eingezahlten Beiträge zu sichern. Unternehmen, die Renten versprochen haben, müssen diese auszahlen. Notfalls müssen sie nachlegen.

Aktiencrash und niedrige Renditen schlagen nicht auf die Betriebsrenten durch?

Nur auf den nicht garantierten Teil. Wie stark das sein wird, hängt davon ab, wie gut eine Kasse in den kommenden Jahren ist.

Immer mehr Unternehmen, darunter auch Nestlé, bieten neuen Mitarbeitern ausschließlich Tarife an, die nur die gezahlten Beiträge garantieren. Nach Inflation wären Verluste möglich.

Theoretisch, aber bei der betrieblichen Altersversorgung reden wir über Anlagezeiträume von 20 bis 30 Jahren. Weniger Garantie bedeutet ein höheres Anlagerisiko für den Arbeitnehmer, aber eben auch größere Chancen. Wir verzichten auf den Garantiezins von derzeit 2,25 Prozent, um uns dafür mehr Freiheit bei der Anlage zu nehmen und höhere Renditen zu erzielen.

Wie sieht diese größere Freiheit aus?

Wir nutzen bei Nestlé die zulässige Höchstquote für Aktien von einem Drittel fast voll aus. Dadurch waren wir bisher in der Lage, trotz unattraktiver Anleiherenditen unsere Zielmarke von mindestens 3,5 Prozent pro Jahr zu erreichen. Im vergangenen Jahr lagen wir bei etwa 4,0 Prozent.

Das klingt wenig für ein vergleichsweise gutes Aktienjahr, zumal dann, wenn Sie in schlechten Börsenphasen mit Verlusten rechnen müssen.

Das Crashjahr 2002 war das bisher einzige, in dem wir die 3,5 Prozent Rendite verfehlt haben. Davon haben Betriebsrentner aber wenig gemerkt, weil wir in den guten Jahren davor Reserven angesammelt hatten. Seit 1999 liegt die durchschnittliche Verzinsung bei 4,5 Prozent pro Jahr.

Welche Lehren haben Sie aus dem Platzen der Aktienblase gezogen?

Pensionskassen waren zu optimistisch. Einige haben sich übernommen und dürfen jetzt nicht mehr in Aktien investieren, weil es ihnen die Finanzaufsicht wegen der zu dünnen Eigenkapitaldecke untersagt. Anders als 2002 nehmen wir jetzt schneller Gewinne mit und reduzieren nach einer längeren Hausse die Aktienquote.

Sind Aktien Ihr Hauptproblem?

Nein. Mehr Sorgen machen die schwierigen Rentenmärkte. Zu 60 bis 70 Prozent liegen Zinspapiere in den Portfolios. Anleihen bringen über Jahre nur Renditen unter vier Prozent. Die Anlageziele sind in den kommenden Jahren schwer zu erreichen.

Welche Ziele?

Wir wollen einen Inflationsausgleich von zwei Prozent pro Jahr plus etwa einen Prozentpunkt, um die steigende Lebenserwartung der Betriebsrentner aufzufangen. Mit noch mal zwei Prozent Überschuss sind wir bei fünf Prozent jährlich.

Ist die Versuchung nicht groß, die Performance durch verbriefte Kreditpapiere aufzuhübschen?

Kaum ein betriebliches Versorgungswerk hat sich direkt am Subprime-Markt beteiligt, und wenn, dann nur sehr bescheiden. Wenn solche Krisenpapiere tatsächlich ins Portfolio gelangt sind, dann indirekt, über extern gemanagte Spezialfonds.

Kann ich sehen, wie viel verbriefte Kredite mein Versorgungswerk gekauft hat?

Sie sehen nur den Wert der Fondsanteile, aber nicht, was in den Fonds ist.

Also tickt im Anlagetopf der Pensionskassen eine Zeitbombe?

Nein. Bei der Nestlé Pensionskasse etwa machen verbriefte Kredite wie beispielsweise Asset Backed Securities nur etwa 3,0 bis 3,5 Prozent des Portfolios aus. Anders als Banken müssen Pensionskassen die Papiere nicht schnell zu Geld machen. Stattdessen können sie warten bis der Markt wieder funktioniert.

Hadasch, 55, ist Vorstand der Pensionskasse von Nestlé Deutschland, welche die Pensionen von 17 000 Beschäftigten managt, und Chef des Verbandes deutscher Firmenpensionskassen, zu dem auch Philips, Unilever und Hoechst gehören.

Das Gespräch führte Martin Gerth, Wirtschaftswoche.

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