Fast alle Parteien wollen die private Altersvorsorge stärken – Davon profitieren Versicherer, Banken, Fonds und Makler
Finanzbranche setzt auf den Wahleffekt

Wenn am Abend des 18. September die Vorstände und Aktionäre deutscher Versorger, Konsum- oder Solarstromkonzerne gebannt auf die 18-Uhr-Wahlprognose warten, dürfen sich deutsche Finanzdienstleister und deren Anteilseigner bereits zurücklehnen.

HB DÜSSELDORF.Schließlich kann ihnen der Ausgang der Wahl beinahe gleichgültig sein: Durch die schwache Geburtenrate und das künftig drastisch sinkende Rentenniveau kommen die meisten Bürger nicht um eine private Altersvorsorge herum, um ihren Lebensstandard auch nach 65 zu sichern.

Das schlägt sich auch in den Wahlprogrammen nieder: Die Finanzierung des Rentensystems wird eines der zentralen Themen der nächsten Legislaturperiode werden. Am weitesten geht dabei die FDP, die langfristig nur noch eine Basisrente und eine drastische Stärkung der privaten Altersvorsorge vorsieht (siehe „Zur Wahl: gesetzlich oder privat“). Auch die CDU/CSU will die private und betriebliche Altersvorsorge entbürokratisieren und stärken. Für börsennotierte Finanzdienstleister wie AWD, MLP, AMB Generali oder Allianz bedeutet dies auf Sicht mehrerer Jahre Rückenwind für ihr Geschäft.

Noch immer nehmen die Bürger die neu geschaffenen Vorsorgemodelle der privaten und betrieblichen Altersvorsorge eher zögerlich an. Rund 40 Prozent sparen derzeit überhaupt noch nicht zusätzlich für ihre Altersvorsorge. Strategen setzen daher große Hoffnungen auf die vorgezogene Bundestagswahl. „Die jüngsten Quartalszahlen von MLP und AWD zeigen klar, dass die Menschen den Ausgang der Wahl abwarten, bevor sie neue Produkte kaufen“ sagt Olaf Kayser, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz. Vorgezogene Wahlen bedeuten so auch schnellere Entscheidungen.

Langfristig ist der Trend ohnehin klar: „Deutschland hat erheblichen Nachholbedarf, weil die beiden kapitalgedeckten Vorsorgesäulen im Vergleich zur umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung stark unterentwickelt sind“, sagt Stefan Haack, Analyst der NordLB. Im internationalen Vergleich zählt Deutschland zu den Ländern mit den geringsten Anteilen an kapitalfundierter Altersvorsorge.

Das sorgt für Optimismus auf dem Parkett für das künftige Geschäft der Unternehmen . In den vergangenen drei Monaten konnte der Branchenindex für Finanzdienstleister um rund 25 Prozent zulegen, während der Deutsche Aktienindex (Dax) nur um zehn Prozent stieg. „Wir sehen den Finanzbereich unabhängig vom Wahlausgang in jedem Fall als Gewinner. Die Finanztitel profitieren von der wachsenden Notwendigkeit einer privaten Vorsorge. Dies kommt besonders Unternehmen wie AWD und MLP zugute, die sich ausschließlich auf private Versicherungen und Geldanlagen konzentrieren“, sagt Björn Zacher, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. AWD erwirtschaftet mehr als die Hälfte, MLP annähernd 100 Prozent seiner Umsätze in Deutschland. Auch AMB Generali ist über die Aachener und Münchener, den Direktversicherer Cosmos Direkt und die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) stark auf den deutschen Markt fokussiert.

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