Gesundheitsreform
Überraschung für Privatversicherte

Auf den ersten Blick ändert sich zum April wenig für privat Krankenversicherte. So dürfen neu verkaufte Policen nur noch eine Selbstbeteiligung von maximal 5 000 Euro enthalten. Spannender für alle Mitglieder wird es zum 1. Juli.

Dann sind die Anbieter verpflichtet, ehemalige Mitglieder, die inzwischen bei gar keiner Kasse mehr Unterschlupf finden, wieder aufzunehmen – und zwar im Standardtarif. Der ist mit Monatsbeiträgen um 250 bis 300 Euro günstig, aber mager ausgestattet. Die Details dazu sind den Versicherungsunternehmen noch ein Rätsel: "Wer kommt überhaupt auf uns zu und wie viele? Und warum waren sie bisher nicht versichert", fragt sich Rolf Bauer, Vorstandschef der Continentale Versicherung. Er gibt potenziellen Heimkehrern zu bedenken: "Vom 1. Januar 2009 an muss der Standardtarif in den dann neuen Basistarif überführt werden, das wird die Beiträge kräftig steigen lassen."

Der Basistarif steht ab 2009 allen bereits privat Versicherten offen und allen wechselwilligen freiwillig gesetzlich Versicherten ebenfalls, die drei Jahre lang mehr als 47 700 Euro pro Jahr verdienen. Auch wenn Versicherungsmathematiker noch rätseln, wie sie den neuen Tarif kalkulieren sollen, ist bereits politisch klar, dass sein Beitrag dem Höchstsatz der gesetzlichen Krankenkassen von rund 500 Euro entsprechen soll. Die Unternehmen fürchten, der staatlich gedeckelte Beitrag trage nicht die Kosten. Daher würden zur Quersubventionierung alle privat Versicherten herangezogen. Die Beiträge steigen dann für alle, sagt Herbert Grohe, Vorstandsmitglied der Debeka-Versicherung: "Wir rechnen mit etwa zehn Prozent mehr. Das ist im Branchenvergleich noch günstig."

Gut aus Sicht der Versicherten: Vom Juli an dürfen sie die Rückstellungen für ihre Altersbeiträge teilweise mitnehmen, wenn sie zur Konkurrenz wechseln. Das dürfte aber auch die Prämien in die Höhe treiben. Diese Rückstellungen bilden die Krankenversicherungen, um Beitragserhöhungen von älteren, maladeren Versicherten möglichst klein zu halten. Bisher blieben diese Reserven vollständig bei der alten Krankenversicherung.

Höhere Beiträge sind auch in Anbetracht der steigenden Gesundheitskosten bei den privaten Kassen unausweichlich. Oft werden Preiserhöhungen kaschiert, indem Anbieter schon bestehende Verträge so ändern, dass sie für die Kunden wie vermeintliche Verbesserungen wirken. "Eine beliebte Taktik", so der Düsseldorfer Fachanwalt für Versicherungen, Heiko Wenzel, "dabei gibt es für Versicherte keine Pflicht, nachträgliche Änderungen zu unterschreiben." Das Problem der Kassen: Immer häufiger entscheiden die Gerichte zugunsten der Kunden im Streit um die Erstattung ihrer Gesundheitskosten. "Kaum ist so ein Urteil gefällt, sitzt schon eine Juristen-Arbeitsgruppe der Kassen daran, diese Forderung mit neuen Vertragsklauseln abzuschmettern", so Wenzel.

Gesetzlich Versicherte, die dennoch wechseln wollen, sollten das gut planen. Grundsätzlich gilt: Der Versicherte muss zunächst drei Jahre mindestens je 47 700 Euro verdient haben. Trotzdem kann er schon früher zu einem Optionstarif bei einer privaten Kasse einsteigen. Für einen geringen Aufpreis im Monat (je nach Anbieter, Alter und Tarif nur ein paar Euro) erkauft er sich damit eine Anwartschaft. Bei den Privaten entscheidet über den Beitrag einzig die Frage: Wie gesund ist man? Darüber muss jeder Aspirant detailliert und wahrheitsgemäß Auskunft geben. Beim Optionstarif ist der Zustand zum Zeitpunkt der Unterschrift entscheidend. Was den Anwärter bis zum Wechsel dann noch heimsucht, ist irrelevant.


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