Versicherung
Informierte Patienten kosten weniger

Brustkrebs wird durch Selbstuntersuchung meist schon in einem früheren Stadium entdeckt als vom Arzt. Diese simple, aber durch Studien nachgewiesene Erkenntnis ist einer der Grundpfeiler eines neuen Betreuungsprogramms der Axa Krankenversicherung zum Thema „Brustkrebs“.

KÖLN. Der Krankenversicherer versucht über Broschüren und Telefonberatung, die Kundinnen zu mehr Eigeninitiative zu ermuntern und sie an kompetente Praxen zu vermitteln. Das Problem bei dieser Krankheit: Gerade in Deutschland werden Fälle von Brustkrebs häufig zu spät entdeckt und verlaufen daher tödlich. Andererseits kommt es immer wieder vor, dass ohne ausreichende Voruntersuchung operiert wird und sich dabei herausstellt, dass gar kein Krebs vorliegt. Die Axa hofft, durch ihre Aufklärungsaktion die Fallzahlen in beiden Problemfeldern zu halbieren und so rund 280 000 € pro Jahr einzusparen. „Das kommt allen Seiten zu Gute, dem Versicherer, aber auch den Kundinnen“, sagt Gernot Schlösser, der Chef des Krankenversicherers. Das System befindet sich noch im Aufbau – bisher gibt es bundesweit erst wenige geprüfte Spezialisten für die Mammographie, also die Brustkrebserkennung am Röntgenapparat.

Der Vorstoß des Unternehmens geht in eine ähnliche Richtung wie Bemühungen der Gesetzlichen Krankenversicherung, die Qualität der medizinischen Vorsorge und Betreuung bei Brustkrebs zu verbessern. Zugleich bestätigt die Axa einen Trend: Immer stärker versuchen die privaten Krankenversicherer, ihre Kunden aktiv zu beraten. Eine der ersten Krankheiten, die in solche Beratungsprogramme übernommen wurde, war Diabetes (Zucker). Eine wichtige Rolle spielen auch Asthma und Herz- und Kreislaufkrankheiten. Die Axa möchte als nächstes das Thema Übergewicht und Ernährung angehen. Diese Programme haben stets drei Ziele: Der Versicherer möchte sich damit gegenüber der Konkurrenz profilieren, er will die Gesundheit seiner Kunden verbessern und damit selbst letztlich auch Kosten sparen. Dabei dürften die finanziellen Erfolge in vielen Fällen erst nach einem sehr langen Zeitraum durchschlagen, weil es um die Vermeidung von Spätschäden geht – zum Beispiel Erblindung oder Amputationen bei Zuckerkranken.

Einer der Vorreiter bei dieser Bewegung war auch die DKV. Sie bietet seit 2002 sogar „strukturierte Behandlungsprogramme“ für Kunden mit Diabetes Mellitus und Herzinsuffizienz, bei denen sehr genaue Behandlungsziele – dazu gehört auch das Gewicht – definiert werden. Die Kunden werden von Ärzten betreut, die die DKV vermittelt. Diese sind in der Wahl ihrer Therapie aber frei – die Versicherer wollen auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass sie sich in das Verhältnis zwischen Arzt und Patient einmischen.

Auch die Signal Krankenversicherung bietet Betreuungsprogramme an, zum Beispiel für Diabetiker, Herzkranke und psychisch Erkrankte, seit kurzem auch für Übergewichtige. Das Programm, das im Jahr 2000 gestartet wurde, stößt nach Aussage der Gesellschaft auf „hervorragende Resonanz“. Bei psychischen Erkrankungen etwa sei es durch „gezieltes Behandlungsmanagement“ häufig möglich, die Liegezeiten in Krankenhäusern deutlich abzukürzen. Die Signal beziffert die jährlichen Einsparungen durch das Programm auf 3,8 Mill. €.

Bei der Debeka wird das Thema dagegen zurückhaltender betrachtet. Karl-Josef Maiwald, zuständiger Abteilungsdirektor, meint: „Es ist problematisch, sich als Versicherer in das Arzt-Patienten-Verhältnis einzumischen.“ Außerdem seien Steuerungsprogramme sehr zeitaufwendig und teuer – daher könnten die Kosten leicht die Ersparnisse übertreffen. Die Debeka hat daher kein ständiges Beratungsangebot für die Kunden, wohl aber gezielte Sonderaktionen. Als Beispiel nennt Maiwald die seltene Stoffwechselkrankheit Morbus Gaucher: Hier lassen bis zu 100 000 € pro Jahr bei jedem einzelnen Patienten durch eine genaue Abstimmung der Therapie sparen. Ein anderes Beispiel ist die Parkinson-Krankheit, eine Schüttellähmung. Die Debeka finanziert hier ein Modell, das auf die Anregung eines Arztes zurückgeht. Dabei werden Kranke zu Hause mit einer Videokamera ausgestattet und können sich so in regelmäßigen Abständen den Medizinern zeigen, ohne dafür stationär aufgenommen zu werden – auch das hilft sparen und entlastet den Patienten.

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