Missbrauch in der Alpenrepublik
Österreich rettet das Sparbuch

Eigentlich ist Österreich ein Paradies für Anleger - doch plötzlich gibt es Ärger mit dem dort überaus beliebten Sparbuch. Viele Anleger wurden mit zwielichtigen Produkten gelockt. Die Wiener Finanzmarktaufsicht greift nun durch.
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WIEN. Die Banken gelten gemeinhin als stabil, Subprime-Papiere oder andere windige Titel haben nur in minimalem Umfang den Weg in die Depots der Alpenrepublik gefunden. Statt dessen hat das Sparbuch in Österreich große Tradition, so mancher spricht sogar von einer Institution. Die Notenbank in Wien sagt für dieses Jahr eine Sparquote von mehr als zehn Prozent für die österreichischen Haushalte voraus. Ein Spitzenwert im internationalen Vergleich, mit dem allenfalls noch die sparsamen Deutschen mithalten können.

Doch an der Donau gibt es plötzlich Ärger mit der doch eigentlich so beliebten Institution Sparbuch. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) wittert Missbrauch und Schindluder, den findige Anlageexperten in der Alpenrepublik in Sachen Sparbuch inzwischen allzu häufig treiben. „Ein klarer Trend“, wettert FMA-Vorstand Helmut Ettl. Die Finanzkontrolleure sind auf den Plan gerufen, Österreich will das Sparbuch retten.

Die Aufsicht beklagt, dass Anlageprodukte als Sparbuch angeboten würden, die in Wahrheit aber überhaupt keine Sparbücher seien. Aus FMA-Sicht gehören dazu Produkte, die die Verzinsung oder einen Bonus von der Entwicklung eines Wertpapiers oder eines Index abhängig machen – trotzdem aber als Sparbuch verkauft werden. „Das sind Kapitalmarkt-Produkte, aber keine Sparbücher“, sagt Ettl.

Sogar beste Wiener Bankadressen lassen sich zu werbewirksamen Sparbuch-Tricks hinreißen. Die Cerberus-Tochter Bawag legte vor einem wichtigen Fußballturnier ein Sparbuch auf, bei dem auf die Zahl der geschossenen Tore gewettet werden musste. Für die FMA sind das Entwicklungen, denen Einhalt geboten werden muss.

Die Wiener Finanzkontrolleure sehen die Häufung zwielichtiger Sparbuch-Produkte als unmittelbare Folge der Krise. Unter privaten Anlegern habe der Wunsch nach Sicherheit stark zugenommen. Und kein anderes Anlageprodukt biete so viel Sicherheit wie das klassische Sparbuch. Zumal für Sparguthaben auch in Österreich eine Einlagengarantie des Staates bis zu einer Höhe von 100 000 Euro gilt.

Die FMA versteht nun definitiv keinen Spaß mehr bei falschen Sparbüchern. Die windigen Anlageprodukte sind in Österreich nun verboten. Wer sich künftig nicht an die strengen Vorgaben für ein Sparbuch hält, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Wer beim ersten Mal erwischt wird, kommt noch mit 20 000 Euro davon. Im Wiederholungsfalls kann es jedoch unangenehm teuer werden, warnt die Finanzmarktaufsicht Banken und andere Herausgeber von Sparbuch-Produkten. Die FMA will dafür garantieren, dass das Sparbuch in Österreich in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt. Die im internationalen Vergleich recht hohe Sparquote – Ausdruck österreichischen Solidität – darf nicht übermäßig schrumpfen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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