Mitgliederansturm
Der unglaubliche Erfolg der Techniker Krankenkasse

Mehr als 130 Krankenkassen versichern hierzulande rund 70 Millionen Menschen. Viele schrumpfen sich gesund. Doch einem Institut rennen Wechselwillige die Türen ein. Was die Techniker Krankenkasse anders macht.
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DüsseldorfViele Ärzte sind mit den Krankenkassen unzufrieden. Denn mit Privatpatienten verdienen sie wesentlich besser und schneller Geld als mit Kassenkunden. Doch leider gibt es in Deutschland nur rund neun Millionen Vollversicherte in der privaten Krankenversicherung (PKV), während 70 Millionen Menschen gesetzlich versichert sind.

Deshalb würden die Ärzte die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) am liebsten kräftig umbauen. Wie? Das diskutieren sie gerade auf dem Ärztetag. Eine unter den gut 130 Krankenkassen steht bei aller Kritik jedoch auch hier außen vor, weil sie selbst unter Medizinern ziemlich gut angesehen ist: Die Techniker Krankenkasse (TK).

Und das liegt nicht nur am neuen TK-Chef Jens Baas, der die Mediziner mit Blick auf den Ärztetag umgarnt. Er will sich dafür einsetzen, dass die GKV ihre Leistungen besser als heute vergütet. Gutes Geld für Ärzte und gute Leistungen für Kunden, lautet die Zielvorgabe. Passt das zusammen in Zeiten, die künftig eher durch Sparen als durch Ausgeben gekennzeichnet sein dürften?

Die Menschen im Lande jedenfalls trauen der TK solch einen Spagat offenbar zu. Ausdruck dafür ist eine Mitgliederentwicklung, die viele inzwischen als Phänomen bezeichnen. Mehr als 840.000 neue Kunden hat die Techniker Krankenkasse in den vergangenen zweieinhalb Jahren gewonnen. Eine Traumzahl.

"Wenn unsere Kasse nicht schon Techniker Krankenkasse hieße, müssten wir genau diesen Namen erfinden“, kommentiert Baas gegenüber Handelsblatt Online das Wachstum. „Der Name steht für unsere Tugenden: Verlässlichkeit, Korrektheit und Lösungsorientierung."

Ein solches Sendungsbewusstsein legen nicht alle Kassenchefs an den Tag. Die anderen 133 Krankenkassen im Lande treten dagegen seit Jahren eher auf der Stelle. Viele müssen sich gesund schrumpfen. Auch die private Konkurrenz, die sich als die bessere Alternative für gut verdienende Angestellte fühlt, staunt über die Hamburger. Mehr noch: Der Run auf die zweitgrößte deutsche Krankenkasse scheint ungebremst weiter zu gehen.

Bald dürfte die TK sogar die traditionelle Nummer eins unter den Krankenkassen, die Barmer GEK, überholen. Derzeit betreut die TK 8,4 Millionen Kunden. Bei der Barmer sind es gut 8,6 Millionen. Der Abstand ist zuletzt stetig geschrumpft, weil die Barmer nur relativ wenige Neukunden gewinnt. Die beiden Tanker in der GKV sind alleine fast so stark wie die knapp 50 privaten Krankenversicherer zusammen.

Kommentare zu " Mitgliederansturm: Der unglaubliche Erfolg der Techniker Krankenkasse"

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  • Endlich mal ein Artikel, der widergibt, was mir meine Ärzte schon immer über die TK erzählt haben!!! Der Brachenkenner ist bestimmt ein Mitarbeiter einer anderen Krankenkasse...

  • Ist das noch Journalismus oder schon Schleichwerbung?? Wieviel hat die TK aus ihrem "bescheidenen Werbebudget" für diese unreflektierte Lobeshymne gezahlt? Richtig ist: Die TK profitiert seit Jahren davon, rechtzeitig ihre Hausaufgaben in punkto Marke und Image gemacht zu haben. Ansonsten wird dort auch nur mit Wasser gekocht. (Branchenkenner)

  • @Humanist,
    und was wäre nach ihrer Auffassung die richtige Krankenversorgung.
    Privat ????? Dann ist doch schwarz-gelb richtig
    Bürgerversicherung???? SPD wählen
    AfD was tun die, hinsichtlich Krankenversicherung.
    Wäre es nicht das wichtigste, dass alle in ein System mit allen Einkünften zahlen sollten. Auch Beamte und Freiberufler.

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