Neue Vergleichsrechnung zur Rendite von Vorsorgeprodukten
Riesterförderung schlägt bei hohen Einkommen nur gering durch

Lohnt sich die Riesterrente oder nicht? Dieser Streit ist schon fast zu einer Glaubensfrage geworden. Die Befürworter verweisen auf die staatliche Förderung. Die Kritiker stellen die höheren Kosten und die möglicherweise niedrigere Rendite der Produkte in den Vordergrund.

fw DÜSSELDORF. Klaus Jaeger und Burkhardt Utecht von der Freien Universität Berlin wollten es genau wissen und haben verschiedene Annahmen durchgerechnet. Ihre Schlussfolgerungen: Wenn man davon ausgeht, dass Riesterprodukte einen Prozentpunkt Rendite weniger abwerfen als andere, dann lohnt sich die Riesterrente nur für Bezieher unterdurchschnittlicher Einkommen mit Kindern oder Leute mit durchschnittlichem Einkommen und zwei oder mehr Kindern. Geht man von zwei Prozentpunkten Renditeabstand aus, dann lohnt sich die neue Rente nur für Bezieher unterdurchschnittlicher Einkommen mit zwei oder mehr Kindern. Wer keine Kinder hat oder überdurchschnittlich verdient, hätte mit Herrn Riester also nichts am Hut.

Zum Glück haben die beiden Experten aber auch die Variante mit identischen Renditen für Riesterprodukte und alternative Anlagen durchgerechnet – auch wenn sie diese Annahme für eher unrealistisch halten. Geht man von identischen Renditen aus, dann lohnt sich die Riesterrendite aber für jeden der durchgerechneten Modellfälle.

Damit bleibt es also immer noch bei einer Glaubensfrage, allerdings untermauert durch ein Zahlengerüst. Unstrittig ist, dass Riesterprodukte in der Regel eine etwas höhere Kostenbelastung aufweisen als andere – nicht immer jedoch dürfte sich daraus ein ganzer Prozentpunkt in der Produktrendite errechnen lassen. Sehr fraglich ist hingegen das häufig vorgebrachte Argument, wegen der vom Gesetzgeber verlangten Garantie der eingezahlten Beiträge müssten Riestergelder vorsichtiger angelegt werden und erbrächten daher weniger Rendite. Denn vernünftig vergleichen kann man immer nur die Renditen von Produkten mit ähnlichen Risiken.

Was ergeben also die Berechnungen im Einzelnen, und worauf beruhen Sie? Errechnet wurde jeweils die Rendite nach allen Steuereffekten. Dabei wird für die „Alternativanlage“ unterstellt, dass sie aus versteuertem Einkommen eingezahlt und dafür später unversteuert ausbezahlt wird – wie heute in der Regel die Rentenversicherung. Als durchschnittliches Nettojahresentgelt werden knapp 20 000 Euro unterstellt, als durchschnittliche Rente für den Ruheständler mit 45 Jahren Versicherungsjahren gut 13 000 Euro. Für die Rendite der Riesterprodukte wurde nach Kosten 5 % unterstellt, für die Alternativanlage Werte von 5 bis 7 %. Außerdem wurden Kundentypen definiert: Typ 0 ist Durchschnittsverdiener, Typ 1 bekommt brutto 50 %, Typ 2 dagegen 150 % des Durchschnitts.

Berechnungsbeispiele

Hier ein paar Beispiele für Nachsteuerrenditen, wobei für die alternative Anlage (in Klammern ) auch 5 % Produktrendite ausgewählt wurden: Typ 0 bekommt ohne Kind bei der Riesterrente 4,1 % (3,5 %), Typ 1 dagegen 4,6 % (3,8 %), Typ zwei nur 3,9 % (3,2 %). Mit einem Kind und alleinstehend bekommt Typ 0 auch 4,1 % (3,6 %), Typ 1 aber 5,8 % (3,9 %) und Typ 2 wieder nur 3,9 % (3,2 %). Ein anderer Fall wäre die Familie mit zwei Eltern und zwei ganz kleinen Kindern. Hier errechnen sich 5,3 % (3,9 %) für Typ 0, für Typ 1 sogar 8,9 % (4,5 %) und für Typ 2 noch 4,4 % (3,7 %).

Jaeger weist ergänzend darauf hin, dass die „Förderquoten“ bei der Riesterrente zu hoch aussehen. Denn der Staat zahlt zwar Zuschüsse, aber kassiert dafür bei der Riesterrente hinterher auch die volle Steuer – das schmälert den Fördereffekt erheblich.

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