Neues Vermittlergesetz
Wer zu den Gewinnern zählt

Versicherungsvermittler haben ihren Kunden gegenüber eine Reihe von Pflichten zu erfüllen. Dazu gehören Erstinformation, Mitteilung zur Beratungsgrundlage, anlassabhängige Befragung, Beratung und Begründung der Vorschläge sowie Aushändigung einer entsprechenden Dokumentation.

HB BOCHUM. Thorsten Rudnik vom Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV) lobt das Vermittlergesetz, das am 22. Mai in Kraft getreten ist. "Die Zeiten der schnellen Versicherungsgeschäfte für Nebenberufler und Feierabendvermittler sind vorbei. Gewinner des neuen Gesetzes sind die Verbraucher", die ihre Rechte auch einfordern sollten.

Vermittler müssen ihren Kunden beim ersten Geschäftskontakt eine Erstinformation übergeben, zum Beispiel als Visitenkarte. Sie muss neben Name und Adresse Angaben enthalten, ob der Vermittler über eine Gewerbeerlaubnis als Makler oder Vertreter verfügt und wie das überprüft werden kann. Auch eine neutrale Schlichtungsstelle für den Streitfall gehört dazu. Auf eine weitere Pflicht macht Hans-Ludger Sandkühler, Vorsitzender des Instituts der Versicherungsmakler, aufmerksam: "Makler müssen ihrem Rat eine hinreichende Zahl von Marktangeboten zu Grunde legen und einen Vertrag empfehlen, der geeignet ist, die Bedürfnisse des Versicherungsnehmers zu erfüllen. Vertreter müssen in jedem Verkaufsgespräch angeben, auf welcher Grundlage sie beraten, für welche Versicherer sie tätig sind und welche sie ihrem Rat zugrunde legen."

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, aber das Gesetz verlangt vom Vermittler, Fragen zu stellen, um sich über die Wünsche und den Bedarf des Kunden zu orientieren. "Der Kunde muss sich aber nicht zu seinen Vorstellungen über die Altersvorsorge befragen lassen, wenn er nur eine Versicherungsbestätigung für sein neues Auto braucht", betont Sandkühler. Die in jedem Einzelfall erforderliche Befragung und Beratung richtet sich nach dem vom Kunden gesetzten Anlass.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte im Gesetzgebungsverfahren gefordert, eine "Haushaltsanalyse" vorzuschreiben. "Wenn ich einen Neukunden vor mir habe, über dessen Bedarfssituation ich bisher nichts weiß, halte ich das auch für den richtigen Einstieg", so Sandkühler. "Aber aufzwingen lassen muss sich das niemand. Und es macht auch nicht in jeder Beratungssituation Sinn". Deshalb rät er dazu, mit dem Kunden genau zu vereinbaren, welche Leistungen erbracht werden sollen.

Ein wichtiges Qualitätskriterium ist, ob die Versicherungsvorschläge mit Bezug auf die zuvor erfragten Wünsche und den Bedarf des Kunden begründet werden. Hier sollte deutlich werden, welchen Bedarf das angebotene Produkt deckt - und welchen nicht. Makler müssen zudem begründen, warum sie einen bestimmten Versicherer und ein Produkt ausgewählt haben.

"Maßstab ist, ob das Produkt geeignet ist, die Wünsche und den Bedarf des Kunden zu decken", erläutert Sandkühler. Für den einzelnen Kunden wird das leichter nachvollziehbar durch die Dokumentation, die vom Vermittler angefertigt und übergeben werden muss. Sie soll mindestens den Anlass der Verkaufsberatung, erfragte Wünsche und Bedarf sowie die abgegebenen Ratschläge und die Gründe dafür enthalten.

Sandkühler warnt vor einem Verzicht auf Beratung und Dokumentation bei Verbrauchern: "Damit verbaut sich der Kunde die Möglichkeit, bei Falschberatung Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Ohne Dokumentation kann er kaum beweisen, dass Beratungsanlass sowie erfragte Wünsche und Bedürfnisse andere Ratschläge erforderlich gemacht hätten."

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