Private Krankenversicherung
Ein Schatz weckt Begehrlichkeiten

Die Politik will mehr Wettbewerb in der privaten Krankenversicherung. Das wäre gut für Privatpatienten. Sie könnten dann über Geld verfügen, das ihnen gehört, an das sie aber nicht rankommen – ihre Altersrückstellungen.
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DüsseldorfDie Summe ist gewaltig. Rund 180 Milliarden Euro haben die neun Millionen Kunden der Privaten Krankenversicherung (PKV) auf der hohen Kante – als Notgroschen fürs Alter. Das sind im Schnitt immerhin 20.000 Euro pro Nase, wobei auf junge Privatpatienten weniger entfällt und auf alte Kunden wesentlich mehr. 

Der Geldberg verzinst sich gut, oft noch mit mindestens 3,5 Prozent pro Jahr. Und er wächst Jahr für Jahr um rund zehn Milliarden Euro – was schon ein ordentlicher Beitrag zur Sparleistung in Deutschland ist. Doch so schön das auch ist: Die Sparer kommen an ihren Schatz nicht ran. Sie wissen in aller Regel nicht einmal, wie viel Geld sie überhaupt im Laufe der Jahre dafür an den Versicherer gezahlt haben. 

Die privaten Krankenversicherer sitzen auf ihrem Schatz – und das soll am besten auch für alle Zeit so bleiben. Denn mit dem Geld wollen sie verhindern, dass die Beiträge zu stark steigen, wenn ihre Kunden alt und krank sind. Doch die Eichhörnchen-Mentalität der Branche hat für Kunden eine Menge Nachteile. 

Langjährige Kunden werden zum Beispiel dadurch an ihren Anbieter gefesselt. Gemeint sind damit Menschen, die vor 2009 Privatpatient wurden. Das ist die Masse der PKV-Kunden. Wenn einer dieser Kunden zu einem anderen Versicherer gehen möchte, kann er seine Alterungsrückstellungen nicht mitnehmen. 

Die Folge eines Wechsels wäre damit: Der Versicherte verlöre nicht nur viel Geld - in der Regel viele Zehntausende Euro. Er müsste bei seinem neuen Versicherer auch direkt höhere Beiträge bezahlen. Schließlich hat er dort ja noch keine Alterungsrückstellungen angespart, mit denen er seine Prämie drücken könnte. 

Das lohnt sich in aller Regel nicht – da bleiben die meisten lieber bei ihrem alten Versicherer, auch wenn sie unzufrieden sind. Der Leidensdruck muss schon sehr groß sein, um den Schritt zu einem anderen Anbieter trotzdem zu wagen. Sinnvoll sei das nicht, finden Verbraucherschützer schon lange. Die Wagenburgmentalität verhindere eine Abstimmung mit den Füßen, mithin also Wettbewerb in der Branche. Inzwischen sind ihre Argumente auch in der Politik angekommen.  

Kommentare zu " Private Krankenversicherung: Ein Schatz weckt Begehrlichkeiten"

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  • So ein Unsinn. Sie haben in der PKV mehr Wahlfreiheit an Tarifen,Leistungen,Gestaltungsmöglichkeiten,Rücklagen fürs Alter als in der GKV und für alle Verträge ab 2009 können Sie die Altersrückstellungen in der PKV zu einer anderen PKV mitnehmen. Für alle Verträge vor 2009 wird man sehen, ob sich eine Lösung finden lässt. Fast immer gibt es auch Möglichkeiten bei der bestehenden Versicherung seinen Versicherungsschutz zu optimieren.

    Das Thema Bürgerzwangsversicherung für Alle ist ja jetzt erstmal vom Tisch.

  • @hermann.12,
    Sie reden von Kommunist. Richtig ist aber auch, dass die PKV eine Diktatur ist. Ich bin der Meinung dass jeder PKV Versicherte eine Wahlmöglichkeit haben muss, kann ich wechseln von einer PKV zur anderen, mit voller Mitnahme der Altersrückstellungen, oder wechsel zur GKV (Bürgerbersicherung) mit voller Mitnahme von Altersrückstellungen.
    Warum ist die Politik und die PKV zu feige, dem Versicherten das Wahlrecht zu geben, ohne diese Diskriminierenden Zwänge von Verdienst und Alter.
    Warum lässt man denn keinen ehrlichen Wettbewerb aufkommen.
    Will man jetzt lebenslang PKV Versicherte zu einem Vertrag zwingen, der unbedingt für Beamte am Leben erhalten werden soll. Hätten wir endlich ein Krankenkassensystem und ein Rentensystem für alle Bürger, bräuchte man nicht immer Sonderfälle für bestimmte Gruppen zu beachten, und Härtefälle für bestimmte Leute aufzubauen.

  • Die 28 Mrd. EUR "Überschüsse" sind bereits der Saldo. Außerdem darf man nicht vergessen, dass dies keine echten Überschüsse sind, denn aktuell wird die GKV vom Steuerzahler mit 14 Mrd. EUR p.a. bezuschusst. Obendrein ist sie von der Steuer befreit (im Gegensatz zur PKV). Würde die GKV in selber Manier wie die PKV den demografischen Wandel in Form von Alterungsrückstellungen einpreisen, so bräuchte sie bereits heute mindestens 1.500 Mrd. EUR (etwa das Doppelte des europäischen Rettungsschirmes). Das verdeutlicht, wie die Politik sehenden Auges die Umlagesysteme gegen die Wand fährt...

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