Privatpatienten
Vorsicht, neue Provisionsjäger in der PKV!

Die Beiträge in der Privaten Krankenversicherung (PKV) steigen. Für clevere Verkäufer ist das wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Denn unzufriedene Kunden lassen sich leichter zum Wechsel verführen. Und zahlen dann drauf.
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DüsseldorfAlle Jahre wieder steigen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung. Die neun Millionen Privatpatienten sind davon allerdings sehr unterschiedlich betroffen. Manche zahlen nur ein paar Euro mehr, einige Neukunden kommen sogar im nächsten Jahr günstiger weg. Andere werden dagegen kräftig zur Kasse gebeten.

Wer die Geprellten mit satten Einsparungen im Jahr lockt, hat gute Chancen, schnell Geld zu verdienen. Verkaufsorientierte PKV-Vermittler sowie eine neue Gruppe cleverer Makler und Berater haben sich daher genau auf diese PKV-Verlierer spezialisiert: Privatpatienten, deren Beiträge zuletzt stark gestiegen sind und die deutlich weniger für die Krankenversicherung ausgeben wollen.

„Viele unseriöse Berater nutzen diese Situation leider oftmals zu ihren Gunsten schamlos aus“, warnt etwa Gerd Güssler, Geschäftsführer der Freiburger KVpro.de GmbH. Viele Verkäufer raten so Jahr für Jahr direkt zum Versichererwechsel, weil dies hohe Provisionen für sie garantiert. Die extrem hohe Zahl brancheninterner Wechsler bestätigt dies.

Daneben etabliert sich eine zweite Sparvariante: der Tarifwechsel innerhalb des einmal gewählten Versicherers. Für Verkäufer, die das schnelle Geld suchen, ist das kein Geschäft. Hier agieren eher jene, die mal gerne mit dem Versicherer streiten. Auch ihre Einnahmen können fürstlich sein. Schließlich bemisst sich das Honorar häufig an der Ersparnis, die sie für ihre Kunden herausholen.

Der Haken dabei: Größtmögliche Einsparungen sind im einen wie im anderen Fall oft nicht die optimale Lösung. Denn häufig sei damit verbunden, dass die einbezahlten Prämien oder Altersrückstellungen sowie wertvolle erworbene Rechte für immer verloren seien, warnt Güssler. Zudem bleibt so gut wie immer unklar, wie lange die neue Prämie günstig sein wird.

Wie sollen sich unzufriedene Privatpatienten nun verhalten? Branchenexperten halten dafür eine Reihe von Ratschlägen bereit. Dazu gehört vor allem: Versicherte müssen den richtigen Berater finden – einen, der in ihrem Interesse handelt. Dabei sollten sie auch lernen, gut klingende Offerten erst einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Dazu einige Beispiele, die als Warnung dienen können.

Kommentare zu " Privatpatienten: Vorsicht, neue Provisionsjäger in der PKV!"

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  • PKV Versicherter sucht nach Möglichkeit einer Krankenversicherung analog EU Einwanderer ( nicht mehr und nicht weniger).
    Grund: Die zu erwartende Rente steht in keinem Verhältnis zum PKV Beitrag.
    Biete: Prozentuale Versicherungsbeitragserhöhung in Höhe der
    Prozentualen Rentensteigerung.
    Erwarte: eine Grundversorgung ohne jeglichen Schnick Schnack.
    Verzichte: Auf jegliche Versprechungen hinsichtlich Altersrückstellungen, bezahlbare Tarife im Rentenalter.
    Argumente: Gesundheitsversorgung ist eine Momentaufnahme. Den einen trifft es mehr den einen weniger. Spekulationen hinsichtlich Zukunft und Lebenserwartung gepaart mit falschen und nicht kalkulierbaren Einnahmequellen wie in der PKV, sind keine Grundlage einer ehrlichen, planbaren, verlässlichen Gesundheitsversorgung.
    Anmerkung: Sollten 90% der Krankenversicherten (GKV) laut der PKV Verfechter in dem schlechteren System versichert sein, so muss das ganze Gesundheitssystem auf den Prüfstand.
    Ansonsten muss man doch die Frage stellen, warum man für 10% PKV Versicherte extra Regelungen aufstellt.
    Logische Konsequenz: Will man beide Systeme, und keinem auf die Füsse treten, dann muss man den Wettbewerb endlich eröffnen und jedem den Zugang gewähren.
    Hauptproblem: Kann beim besten Willen nicht feststellen, dass die PKV Versuche anstellt Versicherte ehrlich zu informieren, und ihr Kostenproblem in den Griff bekommen will.
    Etwas weniger in Angebot und Versprechen wäre im Endeffekt viel mehr.

  • Und da ist er wieder, der Stimmungsmacher vom HB...

    Ja klar, die GKV bietet Leistungen die bei der PKV nicht vorhanden sind. Und überhaupt ist die GKV das einzig Wahre, hier ist alles prima. Träumen Sie weiter...

  • @CorneliaFaller,
    wo bitte ist die PKV besser als die GKV.
    Erstens bietet die GKV Leistungen an, die bei der PKV nicht vorhanden sind, oder teuer bezahlt werden müssen.
    Ich verstehe nicht warum die lieben Verfechter der PKV nicht einsehen wollen, dass die PKV im Vergleich zur GKV nicht mithalten kann, und die Versicherten immer mehr zur Kasse bittet, um überteuerte Zusagen für Ärztehonorare etc. leisten zu können.
    Wo bitte hat die PKV eine Daseinsberechtigung als Krankenkasse.
    Am schlimmsten finde ich, dass man ein Konzept am leben erhält, welches nur dazu dient Gewinne zu maximieren ohne jeglichen Mehrwert gegenüber der GKV.
    Paradox ist auch, dass man unter bestimmten Voraussetzungen zu einem solchen System verpflichtet wird, ob man will oder nicht.
    PKV geht eigentlich nur als Zusatzversicherung, nicht aber
    als extra Bestimmung für Beamte, Verdiener über der Pflichtgrenze, Versicherte über 55 Jahre.
    Das ganze verstößt gegen Menschenrechte, Gleichberechtigung.

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