Studie des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft
Renten-Rendite tendiert gegen Null

Die Renditen aus der gesetzlichen Rentenversicherung fallen laut einer aktuellen Studie geringer aus als erwartet.

HB BERLIN. Ein großer Teil der künftigen Rentner erhält langfristig real weniger Rentenleistungen, als er zuvor an Beiträgen eingezahlt hat, wie aus der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) hervorgeht. Bisherige Studien, die zwar fallende, aber noch positive Renditen errechneten, legten bei der Wirtschaftsentwicklung amtliche Daten für ein kaum realistisches Schönwetterszenario zu Grunde, sagte Studienautor Meinhard Miegel.

Der Studie zufolge tendieren die Renditen bei der gesetzlichen Rente für alle Beitragszahler langfristig gegen Null. Ledige Männer der Jahrgänge ab 1980 würden mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar reale Verluste erleiden. Miegel betonte, im bestehenden System gebe es keine Therapie, ohne dass die Subventionierung durch Steuer zahlende Dritte wie Selbstständige und Beamte aufgestockt werde. Es führe kein Weg daran vorbei, langfristig auf eine steuerfinanzierte pauschale Grundsicherung zuzusteuern, fügte Studienautorin Stefanie Wahl hinzu.

Auftraggeber der Studie ist das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA). DIA-Sprecher Bernd Katzenstein sagte, die gesetzliche Rentenversicherung habe als System des solidarischen Ausgleichs zwischen Jung und Alt gewiss eine Funktion. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei diese Vorsorgeform aber nicht effektiv.

Bert Rürup, der Vorsitzende des Sozialbeirats der Bundesregierung, sagte: „Die Untersuchungen unabhängiger Institutionen sind bislang regelmäßig zu dem Ergebnis gekommen, dass die Renditen in der gesetzlichen Rentenversicherung auch langfristig positiv sein werden.“ Besonders Frauen und Ehepaare hätten vergleichsweise hohe Renditen zu erwarten. Auch der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), Franz Ruland, und der Präsident der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), Herbert Rische, wiesen die DIA-Berechnungen zurück.

Laut DIA bekämen ledige Rentner des Jahrgangs 1990 für jeden eingezahlten Euro später nur noch 99 Cent zurück. Wer 2040 geboren wird, erhalte als Rentner pro Euro nur noch 89 Cent. Im Jahr 2040 geborene Frauen bekämen später als Rentnerinnen immerhin noch 1,11 Euro für jeden eingezahlten Euro. Damit sei die gesetzliche Rente für die Jüngeren eine Anlageform „ohne Reiz“, bilanzierte DIA-Sprecher Bernd Katzenstein. Ohne private Vorsorge drohe ein „böses Erwachen“.

Das Bundessozialministerium betonte hingegen, die Rendite der Gesetzlichen Rentenversicherung werde auch für künftige Rentner „deutlich positiv“ sein. „Anders lautende Ergebnisse einer Studie des von der Deutschen Bank Gruppe finanzierten Deutschen Instituts für Altersvorsorge sind von spezifischen Interessen geleitet“, hieß es. Unter anderem Leistungen wie Hinterbliebenenrenten seien nicht angemessen berücksichtigt worden.

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