Vermögenswirksame Leitungen
Verschmähtes Geschenk vom Chef

Viele Arbeitnehmer haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen, nutzen sie aber nicht. Dabei können sie damit ganz einfach ein finanzielles Polster aufbauen. Häufig gibt es vom Staat sogar noch Geld dazu.
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DüsseldorfKaum zu glauben: Der Chef verschenkt Geld, und nur die wenigsten nehmen es an. Gemeint sind vermögenswirksame Leistungen (VL), mit denen sich Arbeitnehmer ganz leicht ein finanzielles Polster aufbauen können. Dieses Gehalts-Extra erhalten viele Mitarbeiter von ihren Chefs – Monat für Monat je nach Branche bis zu 40 Euro. Vom Staat gibt es häufig noch eine Zulage.

Doch Schätzungen zufolge nehmen nur rund 60 Prozent der 23 Millionen Berechtigten die vermögenswirksamen Leistungen auch in Anspruch. Ein Fehler, meint Ralf Scherfling. „Wenn der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen zahlt, sollte man sie auch mitnehmen“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW. Denn mit den Jahren läppert sich das Geld in den VL-Verträgen. „Es ist überraschend, wie viele auf das geschenkte Geld verzichten.“

Über die Gründe können Experten nur spekulieren. Viele wissen scheinbar gar nicht, dass sie Anspruch auf den Zuschlag haben, obwohl es ausdrücklich im Tarif- oder Arbeitsvertrag geregelt ist. Banken zahlen ihren Mitarbeitern beispielsweise 40 Euro pro Monat. Beschäftigte in der Eisen- und Stahlindustrie und im Kfz-Gewerbe West erhalten laut Stiftung Warentest 26,59 Euro monatlich. Auch Beamte bekommen vermögenswirksame Leistungen, wenn auch nur 6,65 Euro im Monat.

Die auf den ersten Blick sehr geringen Summen sind wohl ein weiterer Grund, warum viele das Geschenk vom Chef verschmähen. „Einige glauben vielleicht, dass sich das Ganze dann gar nicht lohnt“, so Scherfling. Oft scheuen die potenziellen VL-Sparer aber auch den bürokratischen Aufwand. Der hält sich allerdings in Grenzen: Wer Anspruch auf das Gehalts-Extra hat, der entscheidet sich zuerst für ein passendes Anlageprodukt. Je nach Risikoaversion und persönlicher Lebensplanung stehen Bausparverträge, Banksparpläne und Fondssparpläne zur Auswahl. Ist der Vertrag abgeschlossen, muss nur noch der Arbeitgeber benachrichtigt werden. Der überweist das Geld dann an den Anbieter. Wer die Summe freiwillig erhöhen möchte, kann das übrigens tun.

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Kommentare zu " Vermögenswirksame Leitungen: Verschmähtes Geschenk vom Chef"

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  • Bankmitarbeiter bekommen 40 EUR im Monat geschenkt. Stahlarbeiter immerhin 26,59 EUR pro Monat zusätzlich von ihrem Arbeitgeber.
    Die Beamten bekommen 6,65 EUR im Monat.
    Die Beamten bekommen also 400,20 EUR pro Jahr weniger von ihrem Arbeitgeber als die Bankmitarbeiter.
    Gegenüber den Stahlarbeitern sind es immerhin noch 239,28 EUR weniger pro Jahr!

  • Was sind denn bitte "Vermögenswirksame Leitungen"?

  • Der gute Arbeitnehmer muss aber die kassierten SV-Beiträge und Steuern aus seinem Netto wieder auffüllen. Sprich hat unterm Strich 20,- EUR netto weniger, um in 7 Jahren das ganze verzinst mit 1% :-D wieder zu bekommen....
    Da ist ne Direktversicherung deutlich lukrativer.

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