Versicherung gegen Berufsunfähigkeit
Teuer, lückenhaft und undurchsichtig

Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit versprechen viel, leisten aber zu wenig, bemängeln Verbraucherschützer. Sie fordern strengere Vorschriften. Worauf Kunden beim Abschluss einer BU-Police achten müssen.
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FrankfurtSelten sind sich Verbraucherschützer und Versicherungen so einig wie in diesem Punkt: „Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu den wenigen Versicherungen, deren Abschluss wir empfehlen“, sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung - häufig „BU“ abgekürzt - soll einspringen, wenn die versicherte Person wegen einer Krankheit, einer Verletzung oder eines Kräfteverfalls mindestens sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, ihren Beruf auszuüben.

Doch oft bieten die Versicherer nur Verträge mit viel zu kurzer Laufzeit an. Oder die Police ist so teuer, dass sich die Arbeitnehmer den Schutz nicht leisten können. „Mit solchen Offerten stiehlt sich die Versicherungsbranche aus ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung. Wir fordern sie daher dringend zum Umdenken auf!“, schimpft Kleinlein. Viele Absicherungswillige bekämen den wichtigen Schutz gar nicht. Doch auch wer die Hürde der Gesundheitsprüfung genommen habe, werde oft nur lückenhaft geschützt.

Der Bund der Versicherten fordert den Staat daher auf, dafür zu sorgen, dass private Policen ausreichenden Schutz zu bezahlbaren Preisen bieten und transparenter werden. „Es kann nicht sein, dass sich die Versicherer durch immer stärkere Risikoselektion mit BU-Policen eine goldene Nase verdienen, während die echten Risiken weiterhin vom Sozialstaat und der Gemeinschaft der Steuerzahlen geschultert werden müssen", kritisiert Kleinlein. Er fordert eindeutige Kalkulationsgrundlagen und einheitliche Annahmerichtlinien. Außerdem sollte der Gesetzgeber vorschreiben, dass Risikogewinne der Anbieter zu 90 bis 95 Prozent wieder an die Kunden zurückgegeben werden müssen. „Auch damit könnte der derzeitigen Rosinenpickerei am Markt wirkungsvoll Einhalt geboten."

Experten schätzen, dass jeder fünfte Arbeitnehmer vor Erreichen des Rentenalters dauerhaft erwerbsunfähig wird. Besonders körperlich schwer arbeitende Menschen sind gefährdet. Die Chancen, dass ein Gerüstbauer vorzeitig in den Ruhestand gehen muss, stehen sogar fünfzig zu fünfzig.

Unfälle allerdings sind in nur einem Siebtel aller Fälle Ursache für eine Berufsunfähigkeit. Mittlerweile müssen die Versicherungen vor allem wegen psychischer Störungen einspringen. Auch orthopädische Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle kommen oft vor.

Kommentare zu " Versicherung gegen Berufsunfähigkeit: Teuer, lückenhaft und undurchsichtig"

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  • „Mit solchen Offerten stiehlt sich die Versicherungsbranche aus ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung. ...!

    Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass sich schon seit Jahrzehnten die gesamte Unternehmenslandschaft auf Drängen und mit Unterstützung der Politik aus der Verantwortung stiehlt? Ob durch Leiharbeit, Unterbezahlung, Abkehr von der paritätischen Finanzierung der Sozialversicherung und, und, und...

    Und dann liest man in den dämlichen Politikboromtern notorisch die selben Umfragewerte für die Parteien, die das alles durch die Bank mittragen! Wie blöd kann ein Volk überhaupt sein? Aber bei uns hat das ja Tradition - mit Blick auf '33 - oder aber es wird der Wählerschaft bewusst etwas vorgegaukelt, damit sie gar nicht erst in Versuchung kommt sich an echten Wahllternativen (sucht mal im Internet danach) zu beteiligen.

  • Ich habe auch eine Bu abgeschlossen.
    War 17 Monate Berufsunfähig. Jetzt vor Gericht: Versicherung behauptet falsche Angaben emacht zu haben.
    Police erstgekündigt und dann für nichtig erklärt.
    Erste Gerchtverhandlng:Zeugen und Arzt angehört. MirRcht gegeben und wieder aufnahm der Police und einen vergleich.
    Streitwert 17.000€ mitlerweile bei 12000€ und Richter meint 10000€ oder weniger, trotz Bestätigung der richtigkeit meiner Angaben. Jetzt soll Gutachten erstellt werden, 2500€ soll ich in Vorkasse gehen. Habe meinen Job verloren. Was ist das für Rechtsprechung.
    Verzögerungstaktik und mürbemachen und hoffen das das Geld ausgeht.

  • Na super, da beschäftigt man sich mit dem Thema Berufsunfähigkeit mal und erhält von allen Seiten unterschiedliches Feedback. Die meisten Menschen sagen, eine BU Versicherung wäre super wichtig und ohne geht es gar nicht, selbst seriöse Quelle wie WISO vom ZDF ( siehe http://www.berufsunfaehigkeitsversicherung-testsieger.de/bu-sinnvoll ) unterstreichen die Wichtigkeit dieser Versicherung. Doch was nutzt mir das Ganze wenn ich nach 30 Jahren feststellen muss, meine Police zahlt nicht, weil ich als Laie irgenwas übersehen habe? Sowas kanns doch echt nicht sein...Wenn ich mir dann den Kommentar vom "Betroffenen" anschaut wird mir echt schlecht...Da hätte man sich das Geld auch sparen können!

    @Mindestversorgung
    Finde ich eine super Idee! Würde vieles einfacher machen und wäre wohl im Schnitt billiger.

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