Versicherungen
Autoversicherungen werden teurer

Kurz vor dem Wechseltermin Ende November erhöhen viele Versicherer die Prämien für ihre neuen Tarife. Damit ist die jahrelange Abwärtsspirale bei den Beiträgen erstmal gestoppt. Trotzdem kann ein Wechsel des Versicherers sinnvoll sein. Was die neuen Tarife den Kunden bringen.
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DÜSSELDORF. Die Kunden in der Autoversicherung gelten bei den Versicherern als wenig treu. Drei bis vier Millionen von ihnen wechseln jedes Jahr ihren Anbieter, die Quote ist so hoch wie bei keiner anderen Policenart. Der Hauptgrund für den Wechsel ist ebenso profan wie motivierend: Kunden können bei einem neuen Anbieter häufig einen guten Teil der Prämie sparen.

In den vergangenen Jahren wurden die Prämien der KFZ-Policen mit schöner Regelmäßigkeit günstiger. Besonders im Spätherbst legten sich die Gesellschaften ins Zeug: Bis zum 30. November kann ein Großteil der Versicherten den Vertrag bei der alten Gesellschaft kündigen. Aber dieses Jahr ist alles anders. "Erstmals seit Jahren erhöhen die meisten Gesellschaften ihre Prämien", sagt Ivana Höltring, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Nafi. Exklusiv für Handelsblatt.com untersuchte die Versicherungsexpertin die neuen Tarife der Autoversicherer. "Auch wenn einige Direktanbieter die Prämien senken ist der Preiskampf erstmal gestoppt", lautet Höltrings Fazit. Und: "Die Leistungen verbessern sich bei den neuen Tarifen auch in diesem Jahr".

Die Nafi-Studie errechnete für jeden Tarif Durchschnittsprämien für bis zu 20 000 Risiken. In der Haftpflicht verteuerten sich demnach 109 Tarife im Vergleich zum Vorjahr, 30 wurden günstiger. In der Vollkasko mit Haftpflicht verteuerten sich 148 Tarife, 81 wurden günstiger, bei Teilkaskopolicen lag die Quote bei 167 zu 40. "Die Prämienerhöhung betrifft die gesamte Branche", sagt Höltring. Direktanbieter machen ebenso mit wie Gesellschaften mit klassischer Vertriebsstruktur, günstige Basistarife sind ebenso betroffen wie leistungsstarke Premiumtarife. Besonders hoch fällt die Teuerung in der Vollkasko aus: Knapp 40 Tarife verteuern sich um mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Ende der Preisschlacht wird von den Versicherern heiß ersehnt. "Das heutige Prämienniveau liegt ungefähr auf dem zu Beginn der achtziger Jahre", sagte Robert Pohlhausen Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung schon im Sommer: "Der Kunde darf natürlich nicht erwarten, dass sich diese Entwicklung dauerhaft fortsetzen wird".

Trotz des Anstieges kann weiterhin ein Wechsel des Anbieters sinnvoll sein. "Immer noch differieren die Prämien je nach Tarif und Gesellschaft um mehr als das Dreifache", sagt Höltring. Ein Tarifvergleich sei in den meisten Fällen für den Kunden lukrativ.

Altverträge haben zudem häufig schlechtere Leistungen. "Auch in diesem Jahr geht der Trend klar zu deutlich leitungsstärkeren Policen", sagt Höltring. Besonders positiv: In der Haftpflicht bieten inzwischen alle Tarife für Personenschäden eine Deckungssumme von acht Millionen Euro an, mehr als 20 Prozent der Anbieter sogar 10 bis 15 Millionen Euro. Bei Sachschäden liegt die Grenze in 92 Prozent der Policen bei bis zu 100 Millionen Euro. Vor einigen Jahren lag der übliche Wert noch bei fünf Millionen Euro und 50 Millionen Euro. Ebenso erfreulich: Nur noch knapp 15 Prozent der Policen decken einen Umweltschaden nicht automatisch ab.

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