Versicherungen
Wenn wirklich gar nichts mehr geht

Der private Schutz vor Berufsunfähigkeit ist ein Muss. Doch eine Studie zeigt: Ein großer Teil der Anträge und Leistungsfälle wird abgelehnt. Wann Versicherer ihre Kunden im Stich lassen und welche Policen etwas taugen.
  • 40

DüsseldorfSie sind der Kummerkasten für Versicherte. Versicherungsberater und Verbraucherschützer leben davon, Versicherten bei ihren Problemen mit den Gesellschaften zu helfen. Oft geht es um ernste Themen: Versicherer weigern sich, die fünfstellige Krankenhausrechnung zu zahlen, Invalide ringen mit dem Versicherer um ihre Berufsunfähigkeitsrenten. Bei schwerer Krankheit geht es fast immer auch um einen möglichen Abstieg ins soziale Abseits.

Jetzt dürfen auch die Berater einmal ihr Herz ausschütten. Das Bundesjustizministerium fragte Verbrauchervertreter, was sich ändern müsste, damit Versicherer ihre Kunden im Leistungsfall nicht mehr hängen lassen. Stimmen aus dem Verbraucherlager raunen, kritische Fernseh- und Presseberichte, unter anderen auch von Handelsblatt Online, könnten bei Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Betroffenheit geweckt haben.

Politische Unterstützung wäre dringend geboten. Denn Probleme bei Berufsunfähigkeitspolicen sind schon lange bekannt. Kundenvertreter bemängeln etwa, dass Interessenten, die schwer erkrankt sind, gar keinen ausreichenden Versicherungsschutz vereinbaren können.

Viele Anträge werden falsch ausgefüllt, vor allem Gesundheitsfragen stimmen nicht. „Nach meiner Erfahrung sind die Angaben der Versicherten in 70 Prozent der bestehenden Berufsunfähigkeits-Policen fehlerhaft“, sagt etwa Versicherungsberaterin Angela Baumeister aus Kaarst „In jedem dritten Fall könnte das im Ernstfall eine Ablehnung der Leistungen rechtfertigen, wenn die Gesellschaft prüfen würde“.

Auch Tricksereien der Gesellschaften bei der Fallbearbeitung sorgen häufig für Aufsehen in Funk und Fernsehen. „Als fair würde ich keinen Versicherer bezeichnen“, erklärte etwa Rechtsanwältin Beatrix Hüller im Interview mit Handelsblatt Online. Insider berichten davon, dass Gesellschaften pauschal Leistungsanträge ablehnen, jahrelang auf Zeit spielen oder pedantisch die Paragraphen reiten.

Eine aktuelle Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) zeigt jetzt ein differenzierteres Bild. Berufsunfähigkeit wird ein immer größeres Problem. Die Zahl der anerkannten Leistungsfälle stieg in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent auf aktuell 42.000. Insgesamt sind rund 1,5 Millionen Deutsche berufsunfähig, die wenigsten haben einen privaten Schutz.

Nicht alle können aber eine Police für den wichtigen Schutz ergattern. Laut M&M erhält jeder vierte Kunde nicht die mit seinem Vermittler besprochene Wunsch-Police. Die Quote ist alarmierend, weil die Kundenberater in der Regel schon vorher aussieben. Insgesamt liegt die Ablehnungsquote liegt bei mehr als vier Prozent. Leistungsausschlüsse müssen mehr als elf Prozent der Kunden erdulden. Ein Versicherer schließt etwa bestimmte psychische Erkrankungen aus. Andere zahlen nur, wenn der Kunde in keinem anderen Job arbeiten kann oder der Arzt eine Berufsunfähigkeit gleich für mehrere Jahre diagnostiziert.

Seite 1:

Wenn wirklich gar nichts mehr geht

Seite 2:

Welche Policen etwas taugen

Kommentare zu " Versicherungen: Wenn wirklich gar nichts mehr geht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Scheuschel
    .
    WIE PEINLICH WAR DAS DENN?
    .
    .
    Ich muss mir den Bauch vor Lachkrämpfen halten... Sie sind Komiker nicht wahr? SUPER(!)

  • @Kommissar
    .
    "OK, darf der von Ihnen bezeichnete VERLIERER dann mal höflich fragen, welchen Weg Ihrer Meinung jemand beschreiten soll, der sich gegen das Risiko einer Berufsunfähigkeit versichern möchte?"
    .
    Ganz einfach er soll eine EU/BU-Absicherung bei einem ausgezeichneten Versicherer mit Erfahrung in dieser Sparte wählen.
    .
    .
    "Ich habe diverse Fälle erlebt, wo jemand einen Leistungsausschluss bekommen hat, sich anschließend an den betreffenden Arzt gewendet hat und selbst dieser (sicherlich medinzinisch kein Laie) konnte nicht nachvollziehen, warum die betreffende Behandlung gleich eine Ausschlussklausel der Versicherung nach sich zog."
    .
    DER ARZT IST NICHT DER FACHMANN FÜR DIE RISIKOBEWERTUNG UND VERFÜGT AUCH NICHT ÜBER DIE MEDIZ. WISSENSCHAFTl. ERKENNTNISSE DER RISIKOBEWERTUNG! ER IST UND BLEIBT ARZT! Warum wollen Sie den Mann/Frau umkonvertieren?

    "Hier wird über angeblich provisionsgeile Vermittler hergezogen, ist ja im Moment im Trend und ach so herrlich einfach, aber konkrete Lösungsvorschläge: Mangelware!!!"
    .
    DAMIT IST DER VORWURF S GUT WIE BESTÄTIGT! Nicht gemerkt?
    .
    .
    Ich glaube Sie werden auch mit meinen Ausführungen nichts anfangen können, weil es in der fachlichen Tiefe mangelt... Outen Sie sich was ist Ihr konkreter Berufsstand (ggf. VG)???... Mir schwant Böses... sorry!

  • @Schauschal
    .
    Das stimmt nur bedingt nach neuem Recht! Wann war die Willenserklärung denn konkret? Denn wenn altes Recht greift, sind es nach wie vor 30 Jahre (oh oh oh da wird es peinlich für Sie nicht wahr?)
    .
    Wer keine juristische Bildung besitzt, sollte sich daher nicht aus dem RECHTsfenster lehnen... ohne am Ende wie ein begossener Pudel dem breiten Gelächter ausgesetzt zu sehen...
    .
    Vorweg: Ja, es war mir ein Vergnügen(!)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%