Versicherungsvertrieb
Der neue Herr Kaiser

Den schnittigen Vertriebler Kaiser aus dem Vorabendprogramm gibt es nicht mehr. Versicherungsvermittler heute kämpfen gegen schlechtes Image, Digitalisierung und auch immer mehr Regulierung. Eine Branche im Umbruch?
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Düsseldorf, Nürnberg„Hallo, Herr Kaiser!“ – Diese einfachen Worte haben sich bei Deutschen ins Gedächtnis gebrannt. Fast 40 Jahre lang verkörperte Kaiser den Versicherungsvertreter der Hamburg Mannheimer. Schnittiger Anzug, vertrauenswürdiges Lächeln, so gab er sich in zahlreichen Werbespots. Kaiser, der immer zur Stelle war, Kaiser, den jeder kannte. Irgendwann 2009 lief der letzte Spot im Vorabendprogramm. Im Fernsehen gibt es den Kaiser nicht mehr. Und im wahren Leben? Da scheint es, als müsste sich der Berufsstand der Versicherungsvermittler gerade neu erfinden. Einiges deutet darauf hin, dass die Branche vor einer merklichen Umwälzung steht.

Von allen Seiten prasselt es derzeit auf die Vermittler ein. Der Kampf gegen das ramponierte Image ist dabei nur ein vergleichsweise kleines Problem. Was jetzt erschwerend hinzukommt, ist die geballte Regulierung, die die Europäische Union, aber auch Berlin den Vermittlern neuerdings aufbürdet. Konkret machen den Vertrieblern die europäische Vermittlerrichtlinie IMD II, die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente MiFID II und das Lebensversicherungsreformgesetz das Leben schwer. Dazu kommt der Übergang ins digitale Zeitalter. Künftig, das sehen Kunden und Versicherer ähnlich, werden immer mehr Menschen ihre Policen online abschließen.

Dass Vermittler derzeit vielleicht mehr denn je unter Druck stehen, haben zuletzt bereits verschiedene Fachmedien erkannt. Journalist Herbert Fromme, der die Branche kennt wie seine Westentasche, karikiert in seinem Newsletter den Vermittler als Don Quijote im Kampf gegen Windmühlen. Das Onlinemagazin „Versicherungswirtschaft heute“ sieht mittlerweile den „Herbst der Versicherungsvermittler“ gekommen. Der Vermittlerberuf sei „schon mal einfacher“ gewesen, heißt es da.

Schließlich kommt erschwerend hinzu, dass offenbar die wenigsten Makler über die „aktuellen gesetzlichen und brancheninternen Entwicklungen im Versicherungsvertrieb“ Bescheid wissen. Teils hätten die Vermittler von Richtlinien noch nicht einmal gehört, heißt es in einer aktuellen Umfrage des Markforschungsunternehmens „Heute und Morgen“ und des Versicherungsinstituts VERS Leipzig.

Wie relevant die Frage nach der Zukunft des Berufsstands Versicherungsvermittler auch für die gut 240.000 in Deutschland tätigen Vertriebler selbst ist, ist einmal mehr in dieser Woche deutlich geworden. Auf den Nordbayerischen Versicherungstag war auch Michael Heinz, Vorstand des Bundesverbandes deutscher Versicherungskaufleute (BVK), geladen.

Mit rund 32.000 Mitgliedern ist es die größte Interessenvertretung der Branche in der Bundesrepublik. Und Heinz nutzte seine Chance, aufs Neue zu poltern – gegen „ideologisch verbrämten Parlamentarier“ und „unqualifizierte Verbraucherschützer“, die dem Berufsstand mit Auflagen das Leben schwer machten, die in Heinz‘ Augen „wenig zielführend“ seien.

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