Vorsicht bei Billigangeboten
Pflegeversicherung: Auf keinen Fall blenden lassen

Seit 1995 müssen alle Krankenversicherten in die gesetzliche Pflegeversicherung einzahlen.

HB MÜNCHEN. Doch wer tatsächlich pflegebedürftig wird, kommt mit dem Auffangnetz meist nicht weit. Abgesichert ist nur die Grundversorgung: Von Kosten für einen Heimplatz in Höhe von gut 3.000 Euro etwa übernimmt die Pflegekasse höchstens 1.432 Euro. Den Rest müssen die Kranken aus eigener Tasche zahlen. Sind Rente oder Erspartes aufgebraucht, springt die Sozialhilfe ein - und die holt sich das Geld, wenn möglich, von den Kindern wieder.

Wer weder dem Staat noch seiner Familie auf der Tasche liegen will, kann mithilfe einer freiwilligen Pflegezusatzversicherung für den Ernstfall sparen. Inzwischen bieten fast alle privaten Krankenversicherer Absicherungen für den Pflegefall an. Der Schutz vor dem Finanzdesaster im Alter hat seinen Preis: Wer nicht mehr jung ist, muss die Police recht teuer erkaufen. Eine 45-Jährige zahlt im Schnitt 50, 60 Euro im Monat für eine gute Absicherung - dafür kriegt sie bei schwerster Pflegebedürftigkeit monatlich etwa 1.600 Euro heraus. Verlockend klingen da Billigangebote, die seit neustem auf dem Markt sind. „Für zehn Euro im Monat soll man sich schon versichern können“, erläutert Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV).

Er meint jedoch: Auf keinen Fall blenden lassen. Bei Billigofferten sind die Leistungen oft stark eingeschränkt. Beispiel: Die Versicherung zahlt erst, wenn der Kunde als Schwerstkranker in Pflegestufe III ist. Doch nur die wenigsten Kranken werden in der höchsten Stufe eingruppiert. Die Masse der Pflegefälle findet sich in den Stufen I und II. Wer also keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung im Heim braucht, müsste - ausgestattet mit einer Billigpolice - letztendlich doch selbst für die Kosten aufkommen.

„Nicht allein auf die Prämien gucken, sondern unbedingt auch auf die Leistungen“, rät auch Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Wer sich eine Zusatzversicherung zulegen wolle, müsse prüfen, ob es nicht Alternativen gebe, die für einen guten Preis auch schon in den Pflegestufen I oder II einspringe.

„Nicht punktuell absichern“, empfiehlt auch Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Höchstens dann, wenn man sicher gehen kann, dass die Rente für eine Pflege durch Angehörige zu Hause oder für eine ambulante Profi-Pflege ausreicht. Bei einem dicken Finanzpolster tut es dann womöglich auch ein Billigangebot.

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