Zinstief
Lebensversicherer bitten Bafin um Gnade

Das Zinstief beutelt die Lebensversicherer. Einige Gesellschaften sollen bei der Aufsicht um eine Lockerung der Vorschriften bitten. Für die Kunden soll erst einmal weniger zurückgelegt werden.  
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Die Besorgnis bei den Inhabern der rund 89 Millionen Lebensversicherungsverträge in Deutschland um die Stärke ihrer Gesellschaften im Zinstief wächst. Einige Gesellschaften sollen mit den aktuellen Vorgaben zur Beteiligung der Kunden an den Überschüssen nicht mehr klar kommen.

Angesichts der niedrigen Zinsen fordern einige Lebensversicherungen einem Bericht zufolge Ausnahmen bei den Vorschriften zu Gewinnrücklagen. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, mehr als zehn Gesellschaften hätten bei der Finanzaufsicht Bafin beantragt, dass sie für ihre Kunden weniger vom Gewinn zurücklegen müssen.

Mit der Aussetzung der Vorschriften wollten sich die Unternehmen für eine gewisse Zeit Luft verschaffen. Die Bafin wollte der Zeitung die Zahl nicht bestätigen.

Dem Artikel „Hilferuf der Lebensversicherer“ zufolge sollen die Gesellschaften „deutlich weniger“ als die 75 oder 90 Prozent für ihre Kunden reservieren. Das würde den Gesellschaften Luft verschaffen, sie könnten in späteren Jahren die Gewinntöpfe wieder auffüllen. Vor allem Unternehmen mit schwachen Kapitalerträgen sollen laut SZ betroffen sein.

Während der Verband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärte, für die Kunden von Lebensversicherungen habe ein zeitweiliger Verzicht auf eine Aufstockung der Finanzreserve aus laufenden Erträgen keine negative Folgen, schätzen Verbraucherschützer das anders ein: „Für Kunden bedeutet das im Zweifel, dass sie weniger Geld ausgezahlt bekommen“, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Wehren könnten sie die Versicherten kaum. „Verbraucher mit Lebensversicherungen verlieren durch die vorübergehende Aussetzung der Gewinnzuführung kein Geld“, stellte GDV-Sprecher Christian Ponzel fest. „Die anteiligen Gewinne, die ihnen die betroffenen Versicherungsunternehmen nun nicht gutschreiben können, erhalten sie zu einem späteren Zeitpunkt.“

Verbraucherschützerin Castello setzt dagegen: „Es gibt zwar eine Verordnung darüber, wie die Unternehmen die Kunden an den Gewinnen beteiligen müssen. Wird diese Verordnung aber geändert, müssen Verbraucher das akzeptieren.“ Denn die Gewinnbeteiligung sei nicht Bestandteil der Verträge, sagte Castello.

Einige Lebensversicherer haben angesichts der langen Niedrig-Zinsphase Probleme, die Zuführungen aus den normalen Kapitalerträgen zu verdienen. Die Finanzaufsicht kann auf Antrag der Gesellschaften die Mindestzuführung aussetzen. Die Bundesregierung hatte die Branche 2010 verpflichtet, eine besondere Reserve für die hohen Garantien aufzubauen.

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Sinkende Garantien und Überschüsse

Kommentare zu " Zinstief: Lebensversicherer bitten Bafin um Gnade"

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  • die paar Kröten, die eine Riege von Vorständen und Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzenden einer Versicherungsgesellschaft bekommt, sind im Verhältnis zu den (oftmals dreistelligen) Millionenbeträgen, die in den letzten Jahren durch die EZB-Niedrigzinspolitik verbrannt wurden, von ein Fliegendreck...

  • Stimmt, einen 4%-er Garantievertrag zu kündigen und das Geld dann zu einer Bank zu tragen, das entbehrt nicht einer gewissen Ironie nach den Erfahrungen der vergangenen 5 Jahre ;-)

    Man kann eine LV schon kündigen, vorausgesetzt man möchte das Geld in naher Zukunft auf den Kopf hauen, ist gerade schon in Rente, hat ne Weltreise vor etc...

    Nur dummerweise brauchen die meisten Menschen derzeit aber gerade eine Anlagemöglichkeit, um gerade Geld für das Alter zu sammeln angesichts schrumpfender staatlicher Renten. Da ist man also in einer bestehdenden LV wohl besser bedient.

    Allerdings werde es künftig sowohl Privatanleger auf eigene Faust als auch die LV schwer haben, dicke Brötchen zu backen. Aber woher soll das Ganze auch kommen, wenn das reale Wachstum fehlt im Euro-Raum, da wird künftig eben nur wenig mehr als die Inflationsrate drin sein (und das wird dann noch besteuert - von daher sollte man sich mal Gedanken machen, wie widersinnig derzeit einer Steuer auf Kapitalerträge ist, die es real schlicht nicht gibt!).

  • "Lebensversicherer bitten Bafin um Gnade"

    Die Bafin steckt doch ganz mit drin!!!

    Bei einem wirtschaftlichen Schaden von 100 Milliarden allein in der BRD in jedem Jahr, hat die Bafin bis heute eine Strafe von 10.000,00 Euro ausgesprochen.

    Die Finanzmafia, macht hier in der BRD die Regeln und die Gesetze.

    Alles andere ist eine große Lüge.

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