Zukunftssicherung
Magere Zeiten für die Betriebsrente

Auch Versorgungswerke haben Kreditpapiere, die auf faulen US-Hypotheken basieren, in ihren Portfolios. Die Finanzkrise drückt auf die Betriebsrenten. Außerdem belastet die steigende Lebenserwartung. Wie gut Pensionsmanager wirtschaften, wo Einbußen drohen.
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Die fleißig schaffenden Mercedes-Bauer sind offensichtlich besser als ihre Pensionsmanager: Mit einer Umsatzrendite von über neun Prozent verteidigte Mercedes im vergangenen Jahr die Spitzenposition unter den großen deutschen Automobilherstellern. In Sachen Betriebsrente fallen die Schwaben dagegen zurück. Daimlers deutsche Pensionspläne verzinsten sich im vergangenen Jahr nur mit 5,5 Prozent, vier Prozentpunkte schwächer als 2006. Geplant waren eigentlich 7,5 Prozent, aber die habe der Finanzmarkt nicht hergegeben, heißt es in Stuttgart. Auch die kommenden Jahre werden wohl magerer ausfallen. Für 2008 hat Daimler das Anlageziel auf 6,5 Prozent gesenkt. Dass die tatsächlich erwirtschaftet werden, ist aber noch längst nicht ausgemacht.

Die globale Finanzkrise schlägt auf die Pensionsvermögen der deutschen Unternehmen durch. Schrumpfende Anleiherenditen und fallende Aktienkurse werden sich schon bald in den Betriebsrenten widerspiegeln. Hinzu kommt, dass Banken ihre auf faulen US-Hypotheken basierenden Kreditpapiere auch bei Portfoliomanagern von Versorgungswerken abgeladen haben.

Deshalb korrigieren derzeit viele deutsche Unternehmen ihre geplanten Renditen nach unten. Rund 2,5 Millionen Ruheständler und zehn Millionen Beschäftigte in der Privatwirtschaft, die künftig Anspruch auf eine Betriebsrente haben, müssen sich auf niedrigere Zahlungen einstellen. Alle Versorgungswerke zusammen kommen auf einen Kapitalstock von etwa 400 Milliarden Euro. Fiele die Verzinsung in einem Jahr nur um einen halben Prozentpunkt niedriger aus als erwartet, könnten in Zukunft theoretisch zwei Milliarden Euro weniger an Ex-Beschäftigte überwiesen werden.

In der Praxis sanken die Renditen im vergangenen Jahr deutlich stärker, nicht nur bei Daimler. Siemens meldete für 2007 nur noch 5,6 Prozent nach 6,6 Prozent 2006. Bei Unilever (Pensionskasse Berolina) waren es 6,0 statt 8,8 Prozent wie im Vorjahr. Daimler, Siemens und Unilever haben ihre Pensionsgelder in der Vergangenheit allerdings noch überdurchschnittlich gut verwaltet. Im Schnitt schafften deutsche Pensionskassen 2006 nur 4,9 Prozent Rendite. 2007 Jahr dürfte der Durchschnitt Richtung 4,0 Prozent gefallen sein.

Für die künftig zu erwartenden Altersbezüge ist es alles andere als unerheblich, wenn Renditen auch nur um wenige Pünktchen geschmälert werden. Wenn zum Beispiel ein Arbeitgeber über 30 Jahre 100 Euro monatlich für seinen Beschäftigten bei einer Rendite von 5,0 Prozent zurücklegt, dann könnte er aus dem Ersparten über 20 Jahre eine Monatsrente von 533 Euro zahlen. Liegt die Rendite bei lediglich 4,0 Prozent, dann schrumpft die Rente auf 413 Euro. Über 20 Jahre gerechnet wären dies 28 800 Euro weniger.

Die dürftigen Anlageergebnisse schlagen allerdings nicht auf alle Ruheständler gleichermaßen durch. Das System der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland gleicht einem Flickenteppich. Wer abschätzen kann, was er künftig von seinem Arbeitgeber erwarten kann, hat die Chance, rechtzeitig gegenzusteuern, vor allem durch höhere Investitionen in die private Altersvorsorge.

Im Folgenden: die unterschiedlichen Modelle vor und inwiefern Arbeitnehmer und Pensionäre von Negativtrends auf den Kapitalmärkten getroffen werden.

» Überalterung als Problem
Ruheständler kassieren immer länger ihre Altersgelder.

» Beitragssicherung per Zusage
Das Modell wird immer beliebter.

» Garantiezins – große Bandbreite
Viele Anbieter zahlen den Mindestzins, mehr nicht.

» Direktzusagen – Modell auf dem Rückzug Für Arbeitnehmer komfortabel, für Unternehmen eine Belastung.

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