Euro oder Drachme
„Für Griechenland gibt es nur einen Weg“

Auch wenn viele Politiker das Gegenteil behaupten: In Wahrheit ist ein Ausscheiden aus dem Euro für Athen keine Option. Die Drachme würde kein einziges der griechischen Probleme lösen - aber viele neue schaffen.
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Seit der Verabschiedung des zweiten Rettungspakets zu Griechenland am vergangenen Montag im Bundestag mehren sich in Deutschland wieder die Stimmen, die Griechenland einen Austritt aus der Euro-Zone nahelegen. Begründet wird dieser drastische Vorschlag damit, dass Griechenland wirtschaftlich am Boden läge und die Chancen, sich zu regenerieren und wettbewerbsfähig zu werden, außerhalb des Euro-Raums größer seien.

So richtig die Diagnose über den wirtschaftlichen Zustand des Landes ist, so fragwürdig ist der Therapievorschlag. Es stimmt: Griechenland musste in Folge der rigiden Sparanstrengungen über die letzten drei Jahre hinweg einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von insgesamt fast 15 Prozent aushalten. Und für das Jahr 2012 wird erneut eine wirtschaftliche Schrumpfung um weitere knappe fünf Prozent prognostiziert. Schlimmer geht es kaum noch, zumal diese Entwicklung die Reduzierung der griechischen Staatsschuldenquote erheblich erschwert.

Schaut man sich die beiden steinigen Wege – mit dem Euro und ohne den Euro – näher an, vor deren Wahl Griechenland aktuell steht, so wird dennoch deutlich, dass der Weg mit dem Euro derzeit der bessere sein dürfte. Denn Griechenland hat nicht in erster Linie ein Kostenproblem, sondern ein Strukturproblem. Die Drachme würde aber nur ersteres lösen, der Euro kann bei der Lösung des zweiten Problems viel besser helfen.

Stichwort aktuelle nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit: Griechenland produziert derzeit kaum Industriegüter oder Dienstleistungen, die international wettbewerbsfähig sind. In erster Linie sorgt der Tourismus für Einnahmen aus dem Ausland. Die Tourismusindustrie stand zuletzt gar nicht so schlecht da (siehe auch Karl Brenke im DIW-Wochenbericht 5/2012). Weitere Wachstumschancen dürften allerdings – so Brenke – in diesem Segment nicht zu groß sein. Eine Rückkehr zur Drachme würde somit kaum mehr Wachstumspotentiale freisetzen als der Verbleib im Euro.

Viel wichtiger ist jedoch zunächst die Verbesserung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit. Griechenland zeichnet sich durch viele geschlossene Märkte aus. Die Troika, bestehend aus Europäischer Union, IWF und Europäischer Zentralbank, dringt nun darauf, Märkte aufzubrechen und dadurch wirtschaftliche Dynamik zu entfachen. Ein Beispiel: Der griechische Staat hat in den 1970er Jahren eine fixe Anzahl von Lastwagen-Lizenzen vergeben, die seitdem nicht erhöht wurden. Weil die Wirtschaft aber stark gewachsen ist, herrscht heute ein Mangel an Transportleistung. Die Speditionen können hohe Preise verlangen. Würde man nun die Zahl der Lkw-Lizenzen substantiell erhöhen, sänken auf dem freier werdenden Markt die Preise. Denn neue Speditionen könnten in den Markt eintreten. Mehr Waren würden günstiger und schneller transportiert - ein potentieller Faktor unter vielen um die griechische Wirtschaft wettbewerbsintensiver zu machen und zugleich für neues Wirtschaftswachstum innerhalb Griechenlands zu sorgen.

Und es gibt neben diesem Markt eine Vielzahl weiterer geschlossener Märkte mit ähnlichem Wachstumspotential, wenn sie geöffnet würden. Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum blieben die Märkte wahrscheinlich weiter geschlossen. Das Wachstumspotential ginge verloren. Ein Verbleib im Euro-Raum erlaubt dagegen der Troika, die Reformkräfte in Griechenland bei der Öffnung dieser Märkte zu unterstützen und Griechenland somit wettbewerbsfähiger zu machen.

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  • Man hat lediglich auf das Verantwortungsbewusstsein und die Glaubwuerdigkeit der Griechen vertraut, dieses eigenverantwortlich umzusetzen. "Umso mehr besteht jetzt, in der aktuellen Krise, die Chance für einen solchen Wandel. Dies geht aber nur dann, wenn Griechenland im Euro-Raum verbleibt, wenn die Troika den notwendigen Druck gegen die Beharrungskräfte in Griechenland aufrecht erhält und die Umsetzung aller Reformen überwacht, aktiv unterstützt und mit Investitionsprogrammen begleitet." - Ist die EU und der Euroraum ein Resozialisierungsprogramm fuer unfaehige und erpresserische Staaten oder ein Wirtschaftsverbund und eine Wertegemeinschaft? Wer fortgesetzt Vertraege bricht und seine Solidarpartner erpresst und beleidigt, hat sich entschieden seinen Weg alleine zu gehen. "Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum ist zu befürchten, dass sich die Reformkräfte in Griechenland nicht durchsetzen können und viele Reformbemühungen zum Erliegen kommen." - Von welchen Reformkraeften schreiben Sie hier? Samaras/ ND, der Reformverhinderer der letzten 4 Jahre und Koalitionsverweigerer 2er Wahlen? Venizelos/ PASOK, der 2 Stunden nach Einigung auf das 11,5 Mill. "Reformpaket" seine "unter Protest" gegebene Zustimmung zu demselben publizierte? Es wurden im Juki 2012 6.000 neue Beamte eingestellt, in Athen. Im Kontext der bestehenden Vertraege haetten dafuer im Gegenzug 60.000 entlassen werden muessen. Bitte, es ist unertraeglich taeglich weitere Versuche der Verdrehung von Realitaeten in Hellas zu lesen. Wir sind doch nicht dumm. Die Tatsachen sprechen fuer sich selbst. ich habe dort ueber 10 Jahre ein Unternehmen gefuehrt, investiert und Steuern gezahlt. Es wird sich nichts, gar nichts, aendern bis ein Zusammenbruch des Systems dieses Land zu einem voelligen Nuaufbau der Gesellschaft und des Staaatswesens zwingt. Durchaus realistische und intelligente Griechen geben mir diesbzgl Recht. Dieser Staat hat sich und seine Bevoelkerung in jeder Hinsicht zugrunde gerichtet.

  • Anonymer Benutzer: Hans: Machen Sie nicht den gleichen Fehler wie die Europäer 2002: Die wollten mit dem Euro als Gemeinschaftswährung eine politische Union erzwingen und Sie sehen ja: Das hat in einer Katastrophe gendet. Eine Währungsunion zwischen Griechenland und der Türkei wünscht den Griechen nicht mal ihr schlimmster Feind, wenn er die griechisch-türkische Geschichte kennt.

  • Die billige Staatsfinanzierung durch den Euro hat die Verkrustungen in Griechenland verstärkt.Reformen müssen von innen kommen und können extern nur flankiert werden. Anpassungsdruck und -chancen sind mit einer eigenen Währung direkter spürbar. Forderungen und Verpflichtungen (Bestände) sollten in Euro belassen und ggfs.im Rahmen von Gläubiger-/Schuldnerverhandlungen geregelt werden. Neue Verträge und laufende Lohn-, Gehalts-, Renten- und Mietenzahlungen sollten zu einem anzukündigendem Zeitpunkt auf eine neue Währung umgestellt werden, z.B. im Verhältnis 1:1. Für diese Währung wird sich sofort ein Marktkurs einstellen. Externe Anpassungshilfen und damit verbundener Anpassungsdruck schließt das nicht aus. Der Euro selbst wird aber entlastet.

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