Gastbeitrag
„Der Einzug in den Bundestag ist alternativlos“

Streit ist angesichts der historischen Chance, die sich den Piraten bietet, kleinkariert und wenig visionär. Die gegenseitigen Beschimpfungen müssen aufhören, dann klappt das auch mit dem Einzug  in den Bundestag.
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Die Piratenpartei ist in einer aktuellen Forsa-Umfrage bei 10 Prozent. In  Berlin. Beim selben Institut ist sie im Bund bei 5 Prozent. Nach dem Hype Anfang des Jahres, bei dem wir zwischenzeitlich bei 13 Prozent bundesweit gesehen wurden, wird jetzt immer wieder die Frage gestellt, was passieren muss, damit die Partei den Einzug in den Bundestag schafft. Nun, die Beantwortung der Frage ist eigentlich ganz einfach: Wahlkampf machen, Menschen überzeugen, über 5 Prozent der Zweitstimmen kommen. Aber in der Frage schwingt ja etwas anderes mit, ich soll ja hier nicht schreiben, dass wir, um eine Wahl gewinnen zu können, die Wahl gewinnen müssen. Es geht um die Kommentierung eines Zustands. Vielleicht ist die Beantwortung der Frage Teil des Problems, diese permanente Nabelschau. Statt sich mit den Inhalten der Piraten auseinander zu setzen, geht es um Personal und deren Befindlichkeiten.

In meiner Subjektiven Wahrnehmung hat sich allerdings nichts am Zustand der Partei verändert. Der einzige Unterschied ist, dass wir jetzt eine Medienaufmerksamkeit haben, die wir vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September 2011 nicht hatten. Das können wir als Partei finden wie wir wollen, aber wir sollten es zur Kenntnis nehmen. Zur Kenntnis kann aber auch genommen werden, dass das Antragsbuch für unseren Bundesparteitag in Bochum 1455 Seiten hat.  Alleine das Inhaltsverzeichnis ist 40 Seiten stark. Es werden alle Politikbereiche abgedeckt. Bringt eine Partei, die sich nur mit sich selbst beschäftigt so etwas zustande? Ich denke nicht.

Es benötigt im Grunde genommen nur einen Beleuchtungswechsel, um die Partei in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Wo sich in den vergangenen Wochen Wenige Online oder direkt über die Medien stritten, haben deutlich mehr Piraten ihre Zeit damit verbracht, den Bundesparteitag in Bochum inhaltlich wie organisatorisch vorzubereiten. Es wurden bundesweit alleine acht Antragskonferenzen durchgeführt, mindestens vier weitere wird es noch geben. Vergangenes Wochenende gab sich der Landesverband Niedersachsen ein umfangreiches Wahlprogramm für die Landtagswahl. Konstruktiv, ohne Querelen.

In den vier Landesparlamenten wird gearbeitet. 10 Prozent in Berlin gegen den Bundestrend haben etwas damit zu tun, das wir in Berlin Akzente setzen. In der Innenpolitik, beim Thema Nachvollziehbarkeit von Politik und Verwaltung, bei der Aufklärung des Flughafenskandals. Der SPD-geführte Bezirk Berlin-Mitte führt jetzt Liquid-Feedback zur Bürgerbeteiligung ein. Vor einem Jahr wäre so etwas noch nicht denkbar gewesen.

Piraten, die in der Öffentlichkeit stehen müssen sich also die Frage stellen, was sie kommunizieren möchten. Ob man mitteilen möchte, dass gestritten oder gearbeitet wird. Auch ich könnte jeden Tag zum Hörer greifen und jemandem in den Block diktieren, dass ich XY doof finde, weil ... Aber: Es bringt nichts. Es überschattet die gute inhaltliche Arbeit. Es ist nicht souverän. Es ist auch angesichts der historischen Chance, die sich uns bietet, ein bisschen kleinkariert und wenig visionär. Niemand von uns wurde in ein Amt oder Mandat gewählt, um der Öffentlichkeit mitzuteilen, mit wem man nicht zusammen arbeiten kann.

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  • Die steht für gar nichts diese Kinderpartei.
    Das sind noch dümmere Bubis als bei der FDP

  • Man liest hier von geplanten Massnahmen und Forderungen der Piraten.

    Die Kernfrage ist aber für mich: Für welche WERTE steht diese Partei?

  • Die etablierten Parteien kümmern sich nicht um den einzelnen Menschen - von Korruption mal abgesehen. Sie verwalten und entwickeln das Land nach mehr oder weniger durchdachten und zusammenpassenden statistischen Szenarien, in denen das Einzelschicksal keine Rolle spielt.

    Die Piraten stellen den einzelnen Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Das haben die Grünen auch mal gemacht, ist aber schon eine Weile her. Der verlullte Normalbürger versteht das nicht. Der fixiert sich nur auf sich selbst und betrachtet den Staat als Versicherungskonzern für sein Lebensnest. Eine Partei, die sich Individuen kümmert, wird deshalb als feindlich wahrgenommen, und entsprechend verimaged.

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