Gastbeitrag
Der Euro bleibt für Deutschland unverzichtbar

Im Streit um den FDP-Mitgliederentscheid geht Ludwig Georg Braun die Schäffler-Fraktion frontal an: Der frühere DIHK-Präsident kritisiert die Gedankenspiele von Hans-Olaf Henkel - und plädiert für die europäische Idee.
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Deutschland profitiert vom europäischen Binnenmarkt wie kein zweites Land: 60 Prozent aller deutschen Exporte gehen in die Länder der Europäischen Union. Deutsche Unternehmen exportierten im Jahr 2010 Waren im Wert von über 700 Milliarden Euro an europäische Nachbarn. Das schafft und sichert Arbeitsplätze – nach einer Schätzung der DIHK 5,5 Millionen in Deutschland, viele davon im Mittelstand.

Der Euro ist eine wesentliche Voraussetzung dieses erfolgreichen europäischen Binnenmarktes. Seit seiner Einführung entfallen für Unternehmen der Ankauf von Fremdwährungen oder die teure Absicherung gegen Wechselkursschwankungen – besonders für kleine und mittlere Unternehmen bedeuten diese gesparten Transaktionskosten handfeste wirtschaftliche Vorteile.

Diese Erfolgsbilanz darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Euro und auch Europa gegenwärtig in einer tiefen Krise stecken. Die Verschuldung hat zwei Ursachen: Die Politik, darunter die rot-grüne Bundesregierung zwischen 2002 und 2005, haben die Schuldengrenzen und Stabilitätskriterien von Maastricht faktisch außer Kraft gesetzt. Zweitens gab es eine falsche Finanzmarktregulierung, die die falschen Anreize gesetzt hat.

Das Krisenmanagement der Bundesregierung zeigt aber erste Erfolge, weil es über kurzfristige Wirkung hinaus auf die Bekämpfung der Ursachen abzielt: Die Einbeziehung des IWF, die Beteiligung der Gläubiger am Schuldenschnitt, die Verhinderung der Eurobonds, der Parlamentsvorbehalt, die Durchsetzung des Prinzips Hilfe nur bei konsequenter Sanierung oder die Vorbereitung einer geordneten Insolvenz von Staaten anstelle unkontrollierbarer Kettenreaktionen sind Ergebnis prinzipientreuer Politik der FDP innerhalb der Koalition. Der deutsche Stabilitätskurs bleibt zwar in Europa umstritten, aber er trägt Früchte: Irland und Portugal konsolidieren sich erfolgreich, während in Griechenland, Italien und Spanien die politische Führung neu auf Konsolidierung ausgerichtet wurde.

Dennoch werden immer wieder vermeintliche Alternativen zu diesem Stabilitätskurs in die Diskussion eingebracht. Je nach politischer Couleur geht es dabei entweder um die Vergemeinschaftung von Schulden in Form von Eurobonds oder um die Spaltung des Euros durch die Einführung eines „Nord-Euros“ oder gar die Rückkehr zur DM. Diese Alternativen sind schlecht für Deutschland und Europa. Warum?

Eurobonds sind gemeinsame Anleihen der Länder der Eurozone. Während sich Deutschland derzeit vergleichsweise günstige Kredite mit einer geringen Verzinsung an den Kapitalmärkten besorgen kann, zahlen die von der Eurokrise betroffenen Länder wie Griechenland ein Mehrfaches. Bei der Ausgabe von Eurobonds verbessern sich die Zinsen für die Krisenländer, weil Deutschlands Kreditwürdigkeit mit eingerechnet würde. Aber das wäre in etwa so, als würde eine Bank einem Handwerker, der kurz vor der Insolvenz steht, Geld zum selben Zinssatz leihen wie einem gesunden, mit Eigenkapital voll ausgestatteten Betrieb

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Ich kann über die Position von Hans-Olaf Henkel nur entsetzt sein

Kommentare zu " Gastbeitrag: Der Euro bleibt für Deutschland unverzichtbar"

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  • Gut die Exportwirtschaft profitiert vom Euro; wie wäre es dann mit einer Sonderabgabe der Exportwirtschaft zur Finanzierung der Rettungsschirme, von denen ich als Privatmann auch indirekt über die Exportstützung nichts habe,zu deren Finanzierung aber alle herangezogen werden, nsbesondere aber durch die Weginflationierung der Staatsschulden durch die EZBStaatsschuldenfinanzierung,die ungehemmt weiterläuft.

  • Herrn Braun ist in Vielem zuzustimmen. Aber auch er macht den Fehler, die Exportfixiertheit ohne jede Perspektive zu preisen. Natürlich hat uns der Export in den europäischen Binnenmarkt geholfen. Doch mit der von Merkel & Co. eingeschlagenen Politik wird das nicht weiter gelingen. Wenn nämölich alle um uns herum sparen, kauft niemand mehr unsere Waren. Eine Austeritätspolitik, wie sie sich Deutschland vorstellt kann in den Ländern keine Wachstum und in finanzielle Mittel generieren, um im Ausland einzukaufen. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Länder geraten immer tiefer in die Verschuldung. Denn die bisher aufgetürmten Rettungsschirme verringern ja keineswegs die Schulden, sondern bedienen die Zinszahlungen an die Gläubigerbanken. Das groteske daran ist, dass die Steuerzahler der Eurostaaten das finanzieren. Insofern ist das Ganze eine fortgesetzte Umverteilung der Lohneinkommen hin zu den Kapitaleignern. Solange dieser Teufelskreis nicht beendet wird, ist an ein Ende der Finanz- und Bankenkrise nicht zu denken. Und was Herrn Henkel betrifft, ist dem objektiven Betrachter längst klar, dass seine Gedanken unter Ökonomen nichts anderes als ideologischer Fallout sind. Ohne jede intellektuelle Substanz.

  • Sehr geehrter Herr Professor Braun: Ihr Statement ist in sich widersprüchlich und zeugt von einem furchtbaren Scheuklappendenken, wie es für die Euro-Fanatiker leider typisch ist. Man kann nicht gleichzeitig überzeugter Anhänger der Marktwirtschaft sein und allen Ernstes noch mehr von DIESEM Europa der Bürokraten als Lösung der Schuldenkrise fordern, und dann auch noch in das hohle Lied von der Merkel´schen Alternativlosigkeit einstimmen! Dieser Weg der angeblichen Euro-Rettung ist verhängnsivoll, weil ökonomisch unsinnig und politisch gefährlich - es wird schlicht nicht funktionieren. Und als überzeugter Europäer sollten Sie endlich zur Kenntnis nehmen, dass man das viel beschworene gemeinsame Haus nicht auf ein Fundament aus Betrug und Vertragsbruch stellen kann. Es ist schlicht undemokratisch, den Bürgern, die immer skeptisch gegenüber der Aufgabe der DM waren, erst mit falschen Versprechungen den Euro aufzunötigen, um dann zu seiner angeblich unverzichtbaren "Rettung" eine vollständige Aufgabe der Souveränitätsrechte unseres Parlamentes zugunsten der Brüsseler Bürkratie von höchst fragwürdiger Kompetenz und Legitimation durchzudrücken. Dafür gibt es nirgendwo in Europa auch nur im Ansatz eine demokratische Mehrheit - und ein Europa gegen seine eigenen Bürger wird genauso kläglich scheitern wie die UdSSR oder Jugoslawien, da gehe ich jeder Wette ein! Nein, der Euro ist nicht nur nicht unverzichtbar, sondern er ist in seiner jetzigen Form eine vergiftete Totgeburt - nicht mehr und nicht weniger! Schäffler und Henkel, der ja einst ein glühender Verfechter des Euro war, haben recht und verdienen Unterstützung, der "Rettungs"-Irrsinn muss aufhören, denn er ist unser Untergang.

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