Gastbeitrag
„Grauen Kapitalmarkt vollständig austrocknen“

Das Gebaren des „Öko-Mafioso“ Prokon ist typisch für den grauen Kapitalmarkt. Damit muss jetzt Schluss sein. Die Bundesregierung muss die Anleger schützen. Deutschland braucht einen Finanz-TÜV mit klaren Regeln.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, dass in Zukunft kein Ort, kein Finanzprodukt und kein Akteur auf den Finanzmärkten unreguliert bliebe. Die drohende Insolvenz des Windanlagenfinanzierers Prokon straft die Kanzlerin Lügen: Die Bundesregierung war offensichtlich trotz der großen Worte auf internationalem Parkett nicht einmal gewillt, vor der eigenen Haustür zu kehren und Kleinsparer zu schützen beziehungsweise unseriöse Geschäftspraktiken zu unterbinden.

Prokon droht nun die Insolvenz. Das Unternehmen aus Itzehoe (Schleswig-Holstein) produziert auch Biokraftstoffe, ist einer der größten Holzpaletten-Hersteller Europas und der größte Anbieter ökologischer Kapitalanlagen in Deutschland. Der Vorstand Carsten Rodbertus markiert gerne den Robin Hood der Finanzbranche. Mit grünem Image und Renditeversprechen von acht Prozent lockte Prokon über 75.000 Anleger mit einem Investitionsvolumen von fast 1,4 Milliarden Euro. Damit spielte Prokon in der Liga eines SDax-Konzerns.

Zweifel über die Seriosität des Geschäftsmodells von Prokon beziehungsweise an der Finanzierung des Unternehmens haben Anleger verunsichert und zum Kündigen ihrer Engagements bewogen. Der letzte Jahresabschluss des Unternehmens wurde für 2011 veröffentlicht und entsprach den Anforderungen der Bilanzierung nur sehr beschränkt.

Der operative Gewinn (vor Abschreibungen und Zinsen) soll von etwa 88 Millionen Euro in 2010 auf nunmehr etwa 33 Millionen Euro gesunken sein. Bis Oktober 2013 fielen jedoch rund 67 Millionen Euro an Schuldendienst für Genussrechte an, die dominante Finanzierungsform von Prokon. Der Bau von Windkraftanlagen erfordert aufgrund des langfristigen Investitionshorizonts jedoch langfristige Finanzierungsmodelle, etwa klassische Bankdarlehen. Prokon versuchte stattdessen wie ein Staubsauger den Kapitalmarkt beziehungsweise Kleinsparer anzuzapfen.

Bei Genussrechten handelt es sich häufig um hoch riskante Anlageprodukte, die bei hohen Renditeversprechen alle Nachteile des Eigen- und Fremdkapitals beziehungsweise der Mezzanine-Finanzierung verbinden. Genussrechte verbriefen wie Anleihen Zins und Rückzahlung der Anlagesumme, jedoch ohne Eigentumsrechte am Unternehmen und bei hoher Verlustbeteiligung. Es handelt sich zumeist um nachrangige Verbindlichkeiten mit Kündigungsfristen von vier Wochen zu  Monatsende.

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  • Frau Wagenknecht, warum ist die Regierung hier zynisch, beim Schuldenschnitt mit €-Staatsanleihen dagegen nicht? Der Sparerschutz oder besser die Rechtsstaatlichkeit ist im Euroland so verloren.

    Der Deutsche Staat war bei der €-Aufnahme Griechenlands dabei. Die Anleger wurden getäuscht. Banken mussten für die quasi mündelsicheren Anleihen keinen Cent hinterlegen. Was stand auf den €-Reklameplakate? Kein Risiko! Es wurde geworben, die Anlage war politisch gewollt. Versicherungen haben das Geld ihrer Kunden so angelegt. Das war auch Geld für die Altersversorgung oder die Ausbildung der Kinder.

    Der Preis Mitte 2005 z.B. einer 2014 fälligen 4,5 % Anleihe war mit rund 108 über pari. Es gab keine übermässigen Renditen wie bei Prokon, wie von "schlauen Experten" unterstellt wird! Sie verwechseln die Spekulation am Ende, die verantwortungslos zugelassen wurde. Der Schuldenschnitt wurde u.a. von der Kanzlerin als freiwillig für institutionelle Anleger angekündigt. Die Sparer haben den Zusagen der Kanzlerin und der €-Politiker vertraut. Enteignet wurden dann ungefragt die Kleinanleger. Die Bedingungen hat man dazu rechtswidrig geändert. Die Griechen haben vollzogen, was verlangt wurde, damit die Milliarden weiter fließen. Dazu kommt, dass der Staat Steuern kassiert hat und nach den heutigen Bedingungen vom Verlust nichts wissen will. Die grundgesetzlichen Prinzipien werden in die Tonne getreten. Heute werden Sparer dazu schleichend enteignet und so für den angerichteten €-Schlamassel zur Kasse gebeten.

    Vorsorgen macht keinen Sinn lautet die Botschaft. Die EZB hat 2012 angekündigt, sie werde unbegrenzt €-Staatsanleihen aufkaufen. Das geht zu Lasten der deutschen Sparer und Steuerzahler. Zynismus hat einen griechischen Ursprung. Das Problem ist nicht das "Gebaren des Öko-Mafioso Prokon" oder der "Graue Markt"! Was nachrangige Geldanlagen sind war immer bekannt. Dass €-Staatsanleihen wenige Jahre nach der Euroeinführung zu Schrottpapiere verkommen kaum. Ist das Europa?!

  • Deutschland benötigt in erster Linie mündige Bürger, die ihre Entscheidungen sorgfältig abwägen und dann bin evtl. negativen Konsequenzen leben. Jeder volljährige Bürger hat nicht nur Rechte sondern auch Pflichten, u.a. für eine falsch getroffene Anlageentscheidung einstehen und nicht die Schuld bei anderen suchen. Wer in diesen Zeiten eine Kapitalanlage mit derart hohem Renditeversprechen tätigt, sollte wissen welches Risiko er eingeht. Das sollte bei der ganzen Debatte m.M. nach berücksichtigt werden.

  • "Es ist Fakt, dass die deutsche Justiz den deutschen Kapitalgebern keinen nennenswerten Schutz bietet, sondern im Gegenteil, diese Kapitalgeber als töricht abstempelt, so wie es die Presse und die Bevölkerung gerne auch macht."

    Hm, vielleicht läßt sich das tatsächlich aus dem allgemeinen Verständnis von "Vater Staat" ableiten.
    Richter sind auch nur das Produkt des ganzen normalen Wahnsinns.
    Man hat es sich in Bürokratie bequem gemacht, und wer sich nicht darin fügt, ist halt selbst schuld.

    Ich kann Anleger genauso verstehen, die auf ein Pferd gesetzt haben, welches dann nicht wirklich rennen will.
    Allerdings ist Anlegerschutz natürlich auch Unternehmensschutz, beide gehen unter oder können zumindest überleben.

    Andererseits, bringe ich irgendwie nicht zusammen, wenn Kapitalgeber so wenig geschützt sind, ihr Geld aber trotzdem reingeben, warum gehen dann die Invests zurück?
    Vielleicht gibt es da doch einige andere Faktoren?
    Ok, das ist wieder eine andere Geschichte.

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