Gastbeitrag
Schulden sind nur für Bildung gerechtfertigt

Der Schuldenberg wird nicht abgetragen, sondern in die Zukunft geschoben. Die Leidtragende sind unsere Enkel. Gerecht wäre das nur, wenn wir Geld in die Bildung stecken würden. ein Investment tätigt, das sich auszahlt.
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Warum sollte die europäische Schuldenkrise uns zu einer grundlegenden Reform der Bildungssysteme in Deutschland und anderen europäischen Ländern bewegen? Ganz einfach. Staatsschulden und Bildung sollten miteinander verbunden sein. Dafür gibt es zwei Gründe: Generationengerechtigkeit und fiskalpolitische Verantwortung.

Zuerst zur Generationengerechtigkeit: Die immer neuen milliardenschweren Rettungspakete, die die Politik seit Beginn der Finanzkrise 2008 auf den Weg gebracht hat, werden über zusätzliche Staatsschulden finanziert. Diese Schulden müssen in der Zukunft bedient werden. Zahlen müssen also Menschen, die heute vielleicht noch nicht Wähler sind: unsere Kinder und Enkel.

Ist dies gerecht? Die Handlungsfähigkeit künftiger Generationen wird durch den Schuldenberg, den wir ihnen hinterlassen, massiv eingeschränkt. Sie werden gezwungen, Geld für Zins und Tilgung bereitzustellen – und können nicht entscheiden, stattdessen etwa eine Straße oder Schule zu bauen und das Geld so in ihrem Sinne auszugeben. Wie können wir für Gerechtigkeit zwischen unserer Generation und der nächsten sorgen? Indem wir die nächste Generation für den Schuldenberg entschädigen. Dies geschieht, wenn wir gewährleisten, dass das geborgte Geld zukünftig zu Renditen führt.

Für eine Wirtschaft ist eine der potenziell ertragreichsten Möglichkeiten die Bildung. In einer Schule, die heute gebaut wird, lernen die Kinder von morgen. In einer Universität, Ausbildungs- oder Forschungseinrichtung, die heute unterstützt wird, entstehen die Fähigkeiten unserer zukünftigen Arbeitskräfte. Durch diese Fähigkeiten generiert die nächste Generation das zusätzliche Einkommen, mit dem unsere Schulden zurückgezahlt werden können.

Bildung dient auch der fiskalpolitischen Verantwortung. Es gibt zwei Arten von Staatsschulden: temporäre und dauerhafte. Temporäre Schulden sind diejenigen, die Investitionen finanzieren. Wenn die Investitionen genügend profitabel sind, dann können die dadurch verursachten Schulden zurückgezahlt werden. Solche Schulden sind unbedenklich. Dauerhafte Schulden, im Gegensatz, finanzieren sich nie. Sie entstehen, wenn wir Geld borgen, um jetzigen Konsum zu finanzieren. Sobald wir konsumiert haben, ist das Geld weg. Dies sind hauptsächlich die Schulden, die Griechenland in den letzten zehn Jahren akkumuliert hat. Sie führen zu keinem zukünftigen Wachstum. Sie sind gefährlich.

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Schulden sind nur für Bildung gerechtfertigt

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Reform des Bildungssystems muss Teil der Strategie sein.

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  • „Schulden sind nur für Bildung gerechtfertigt“, das bezweifele ich. Kredite können durchaus sinnvoll sein. Kredit nehmen und Kredit geben sind immer reine Spekulationen mit Risiken.
    Überschuldung lähmt bis hin zur Versklavung. Das gilt auch für Gesellschaften.

    Das Gerede von Generationengerechtigkeit und von Belastung künftiger Generationen im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Schulden ist ziemlich unbedarft oder absichtliche Irreführung.
    Denn in zukünftigen Generationen wird es die Erben der gesellschaftlichen Schulden und auch die Erben der Gläubigerforderungen geben, also sowohl Belastete als auch Nutznießer.
    Allerdings wird durch inzwischen an die Gläubiger gezahlte Zinsen die Vermögensstruktur der Gesellschaft dann wahrscheinlich noch kritischer sein als für die heutige Generation.
    Sofern nicht inzwischen die Mehrheit der wählenden Wahlberechtigten die gesetz- und regierungsgebende Gewalt schon längst an Bürger übertragen haben wird, die mehr von Gesellschaft verstehen und mehr von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit halten.

    Die Einnahmen müssen den Ausgaben für wichtige gesellschaftliche Aufgaben (wie die Bildung ihrer Bürger) angepaßt werden.
    Anhänger der Superreichen-Ideologie in Parlamenten sehen das freilich anders: Ausgaben und Steuereinnahmen möglichst gänzlich streichen. Sie übersehen gern, daß effektive und progressive Einkommensteuern auch ein wirksames Parlamentsinstrument zur Marktpflege sind. Weshalb weltweit die Volumen ausufern, die auf den Finanzmärkten bewegt werden, und Arbeitskräftemärkte schlecht funktionieren.

    Verfassungen sollten Parlamente zwingen, eine Kreditaufnahme nur zu bewilligen, wenn zugleich höhere Steuern und Einnahmen festgesetzt werden oder spekulativ sicher mit Einnahmen zu rechnen ist. Die Erhöhungen müßten solange gelten, bis der Kredit getilgt ist, und so hoch sein, daß dies in absehbarer Zeit erfolgen kann.

  • @Johannes: Ich habe Volkswirtschaftslehre studiert, was in der Tat derzeit nicht allzu gefragt ist, beziehungsweise nicht direkt in einen Beruf führt. Aber wer kann schon nach der Schule die Arbeitsmarktsituation richtig abschätzen, wenn man noch nie gearbeitet hat ...
    Was unser Land nach vorne gebracht hat sind meines Erachtens nicht die Akademiker, sondern die vielen Mittelständler, die den internationalen Markt mit brauchbaren und handwerklich gut gearbeiteten Gütern beliefert haben. Dass uns heute China diese Rolle abzuringen versucht sehe ich nur als belebenden Konkurrenzkampf, bei dem wir nicht gleich die Segel streichen und in die Akademien flüchten müssen. Ich hatte in meinem neuen Berufsfeld auch Angst vor billiger Konkurrenz aus Osteuropa, was sich aber längst entschärft hat. Qualität ist auch in Niedriglohn-Ländern nicht umsonst zu bekommen.

  • Ich kann ihnen nun zustimmen, aber die Ursprungsbotschaft war in der Tat etwas "unsauber." Grund ist eher die Politik, die auch denen gute Einkomen versprochen haben, die sich nicht selbst um ihre Bildung kümmern. Z.B. Mindestlohn ohne die Frage was der denn mindestens können? Um es auf den Punkt zu bringen, es war die Politik, die Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit auf den Staat übertragen hat. Es war eben das Gegenteil von "Leistung muss sich wieder lohnen." Das ist bildungstechnisch gemeint und belegt, dass die intellektuelle Linke den Bildungsstandard gesenkt hat, oder wo waren die Abis am leichtesten? Deutlicher muss man glaube ich nicht werden. Das zog sich dann durch alle Bildungsschichten, bis hin zu Guttenberg.

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