Gastbeitrag
Von Krise zu Krise

Der Kurs der Euro-Retter ist fragwürdig. Sie bekämpfen die Krise mit Mitteln, die das Chaos erst verursacht haben und hebeln damit die Marktwirtschaft aus. Dabei gibt es eine bessere Möglichkeit, die Probleme zu lösen.
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Sechs Jahre hält die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise nun schon an. Wenn von „Besserung der Lage“ gesprochen wird, kann allenfalls eine „Scheinbesserung“ gemeint sein. Denn nur durch staatliche Winkelzüge, die als „Rettungspolitiken“ deklariert werden – hierzu zählen vor allem Zinssenkungen und Basisgeldmengenausweitungen der staatlichen Zentralbanken –, werden Staaten und Banken vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt und der Finanzsystemkollaps abgewendet. Das schon als Erfolg zu bezeichnen, ist zumindest fragwürdig. Die Rettungspolitiken hebeln nämlich das, was von der Marktwirtschaft noch übrig geblieben ist, immer stärker aus. Individuelle und unternehmerische Freiheiten, die Quelle der Prosperität, bleiben auf der Strecke.

Der eingeschlagene Politikkurs der „Euro-Retter“ – ob nun das Errichten des „EFSF“, „ESM“ oder der Bankenunion – führt zu einer weiter voranschreitenden Zentralisierung und Bürokratisierung des Wirtschafts- und Gesellschaftslebens. Die Staaten und nicht die Märkte werden zusehends die Geschicke der Volkswirtschaften bestimmen. Eigentlich müsste das in der breiten Öffentlichkeit heftigen Protest auslösen. Schließlich sollte die Erfahrung mit den osteuropäischen Regimen gelehrt haben, wohin das Verstaatlichen von Wirtschaft und Gesellschaft führt: zu wirtschaftlichem und kulturellem Niedergang. Wie also ist zu erklären, dass die „Alternativlosigkeit“ der „Euro-Rettungspolitiken“ von der Bevölkerung ganz offensichtlich mehrheitlich akzeptiert wird? Die Antwort ist in den politökonomischen Folgen zu finden, die aus dem „Fiat“-Geldsystem erwachsen.

Ob US-Dollar, Euro, japanischer Yen, chinesischer Renminbi, britisches Pfund oder Schweizer Franken: Allesamt sind sie Fiat-Geld (fiat vom lateinischen „so sei es“), und zwar seit Beginn der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, nachdem ihnen die Regierungen die Golddeckung entzogen haben. Fiatgeld zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus. Erstens: Fiat-Geld ist staatliches Monopolgeld. Es wird von staatlichen Zentralbanken produziert, die das Geldangebotsmonopol innehaben. Zweitens: Fiat-Geld wird durch Bankkreditvergabe produziert, durch Kredite, die nicht durch „echte Ersparnis“ gedeckt sind; Fiat-Geld wird „ex nihilo“ geschaffen. Und drittens: Fiat-Geld ist per se wertlos, es hat die Form von mit Tinte bedruckten Papierzetteln und Einträgen auf Computerfestplatten („Bits and Bytes“).

Die Ausgabe von Fiat-Geld durch Bankkreditvergabe schafft zunächst einen künstlichen Aufschwung („Boom“). Die Ausweitung der Bankkredite drückt den Marktzins künstlich nach unten – und zwar unter das Niveau, das bestehen würde, wenn die Bankkreditvergabe nicht künstlich ausgeweitet worden wäre. Das setzt Investitionen in Gang, die nur dann rentabel sind, wenn der Zins immer weiter abgesenkt wird. Die im Zuge eines Fiat-Geld-Booms errichtete Produktions- und Beschäftigungsstruktur muss jedoch notwendigerweise früher oder später in sich zusammenbrechen, in einer Rezession-Depression enden, die umso schwerer ausfällt, je länger der Fiat-Geld-Boom angedauert hat.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Von Krise zu Krise"

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  • Alexander Mirtchev hat in seinem Artikel “We are all Europeans now” (http://www.forbes.com/sites/investor/2012/01/04/we-are-all-europeans-now/2/) zu Recht einen neuen Rahmen für Produktivität, Innovation und Erfindergeist gefordert. Damit werden klare Ziele benannt, die tatsächlich der Wirtschaft helfen. Krisen bleiben Krisen, wenn man nicht die richtigen Antworten auf die Probleme der Zeit findet.

  • Man hoert immer wieder, dass der Freie Markt versagt haette. Dabei wird vollstaendig ausgeblendet, dass wir aufgrund der manipulativen Geldpolitik den wichtigsten Preis der Wirtschaft nicht dem Freien Markt aussetzen, sondern zur "Steuerung" kurzfristiger wirtschaftlicher Ziele diesen Preis durch ein Gremium festlegen lassen. Eine typische zentralplanerische Taetigkeit, welche nicht spurlos an den wirtschaftlichen Akteuren vorbeigeht, sondern eine entsprechende schrittweise Verhaltensveraenderung verursachte. Der dauernde Wertverlust der Waehrungen fuehrte dazu, dass immer weniger in der Form von Geld gespart wurde, sondern man sich in Anteilscheine, Bonds, Immobilien fluechtete und wer zusaetzlich mit hohem Hebel arbeitete, erhaschte den groessten Gewinn. Aber genau dieser Umstand fuehrte zu den heutigen problematischen Ungleichgewichten, der massiven Ausweitung des Kreditvolumens und zur unbaendigen Macht der Grossbanken.

    Es ist langsam an der Zeit, dass die Oekonomen in den Zentralbanken erkennen, welche nicht nachhaltige Entwicklung sie in Gang setzten und endlich aus der kuerzlichen Geschichte der letzten 20 Jahre lernen. Es stellt sich langsam die Frage, ob da einzig Ignoranz oder willentliche Fehlanalysen im Spiel sind.

  • Du liebe Güte! Gutes Geld wären auch historisch belegte Tauschmittel angefangen on Kaurimuscheln, Salz bis zu bestimmte Baumfrüchte, und Sprachgebrauch (Geld wie) Heu, Kohle, Schotter.
    Solches "Geld" könnte von jedem generiert werden. Auch nicht gut?

    Werte wie "gutes" Geld beinhaltet bereits Probleme der Definition und Dynamik, sowie Akzeptanz und "Sicherheit" die lediglich darin besteht erneut in einem Dilemma zu enden. Bekanntlich verflucht der christliche Gott die Menschen, symbolisch die Dynamik mit dem Versuch Probleme lösen zu wolle neue noch größere Probleme zu schaffen, nach der Reform ist vor der Reform. Daraus gibt es langfristig kein Entrinnen!

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