Gastbeitrag
Wie Politiker Youtube nutzen

Zaghaft entdecken Politiker aller Parteien Youtube als Kanal für ihre Belange. Ein aktiver Dialog mit dem Wähler findet aber praktisch nicht statt. Dabei wäre Youtube gerade im Wahlkampf genau der richtige Kanal dafür.
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Um die virtuelle Wählergunst buhlen deutsche Politiker bislang nur halbherzig. Immer mehr sterile Wahlwerbespots, Reden und Interviews stehen auf der größten Videoplattform zum Abruf bereit. Die Bundesregierung zum Beispiel sticht hervor und erreichte mit ihrer mehrteiligen Aktion „Die Kanzlerin antwortet“ immerhin mehrere hunderttausend Abrufe. Abonnenten verzeichnet der Kanal bisher knapp zehntausend.

Auch andere Partei-Videos erreichten in Ausnahmefällen bereits Zuschauerzahlen jenseits des vierstelligen Bereichs, zum Beispiel SPDvision mit einer Rede von Helmut Schmidt vom Parteitag 2011 oder dem TV-Spot „Unser Land kann mehr“. Youtube aber kann auch noch viel mehr. Bislang ist das meistgenutzte Videoportal mit wenigen Ausnahmen eine politische Einbahnstraße. Vom aktiven Dialog mit dem Wähler keine Spur.

Dabei lieben Politiker Youtube-Videos. Hier gelangen Botschaften der Parteiwerbung widerstandslos in die Öffentlichkeit, filtert kein Journalist Aussagen von Spitzenkandidaten, gibt es nur wenige kritische Fragen. Eine Werbetrommel ist Youtube aber nun gar nicht. Die Folge: Politiker und Parteien, ja selbst die Bundesregierung senden fast heimlich ihre teils aufwändig produzierten Spots. Zuschauerzahlen jenseits des 4-stelligen Bereichs bleiben in den meisten Fällen ein Traum. Eine unterhaltsame Ausnahme bildete der Spot des Familienministeriums „Verstehen Sie Kinder? Werden Sie Tagesmutter!“. Und nur wenige begeben sich mit dem Wähler im Netz auf Augenhöhe und nutzen das persönliche aber kraftvolle Moment, den direkten Dialog mit Nutzern. Dabei wäre Youtube genau der richtige Kanal dafür.

Über elf Millionen Deutsche nutzen pro Tag die Videoplattform Youtube. Das Institut für Demoskopie Allensbach veröffentlichte diese Zahlen im Jahre 2012 und verglich damit auch die täglichen Einschaltquoten deutscher Youtube-Nutzer seit 2008. Das Ergebnis: In vier Jahren sind die Zugriffe auf Youtube fast 12fach gestiegen. Für ihre politische Bildung hingegen nutzten 13 Prozent der Befragten Videoportale wie Youtube; gleichauf mit den Internet-Seiten der Parteien.

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