Gastbeitrag zur Rollenverteilung
„Ich habe es nie bereut, Hausmann zu werden“

„Klar ist man noch ein Exot“: Ein Hausmann und Vater berichtet darüber, wie es ist, die traditionelle Rollenverteilung umzukehren, und warum er es trotz gemischter Reaktionen immer wieder tun würde.
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Hausmänner sind immer noch die Ausnahme in Deutschland. Vor allem auf dem Land sind jene Familien, in denen die Frau das Geld nach Hause bringt und der Mann sich um Haus und Kinder kümmert, eine Seltenheit. Wir haben mit einem Hausmann über seine Erfahrungen gesprochen.

„Vor zehn Jahren habe ich mich dazu entschlossen, meinen Lehrer-Beruf an den Nagel zu hängen, um ganz Hausmann und Vater zu sein. Ich habe es nie bereut. Ich bin ordentlich, ich putze und koche gern, und meine Frau macht das weniger gern. Sie hat einen Job, der ihr Spaß macht und zudem noch genug Geld bringt, so dass wir gut davon leben können. Sie ist Ärztin mit eigener Praxis. Wenn ich nicht zu Hause bleiben und mich um unsere drei Kinder kümmern würde, könnte sie ihren Beruf nicht so ausüben, wie sie es tut. Wo findet man schon eine solche umfassende Betreuung? Unsere Kinder sind jetzt sechs, acht und elf Jahre alt – auch die Jüngste geht zwar bald zur Schule, aber wer würde einspringen, wenn eines der Kinder mal krank ist?

Die Entscheidung, dass ich zu Hause bleibe und meine Frau das Geld verdient, war eine sehr persönliche. Der Lehrerjob hat mich sehr belastet, ich wusste, dass ich das nicht so weitermachen möchte. Als Hausmann und Vollzeitvater kann ich nun meine Fähigkeiten viel besser einsetzen.

Klar ist man als Hausmann noch ein Exot. Wir haben bis vor sechs Jahren noch in Kassel gewohnt, da gibt es wenigstens ein paar Männer, die auch den Haushalt schmeißen und die Kinder erziehen. Aber inzwischen wohnen wir in einer Kleinstadt mit rund 13.000 Einwohnern – da wird man als Hausmann schon beäugt.

Meine Mutter fand es von Anfang an gut, dass ich zu Hause bleibe und mich um die Kinder kümmere – zumindest hat sie das immer gesagt. Mein Vater musste sich an den Gedanken erst gewöhnen, schließlich haben meine Eltern noch das klassische Rollenverständnis gelebt. Doch inzwischen bewundert er, was ich mache, und ruft auch mal an, wenn er zum Beispiel nicht weiß, wie man Rosenkohl zubereitet.

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„Ich habe es nie bereut, Hausmann zu werden“

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Mein Sohn fragte mich letztens, warum ich denn nicht arbeiten gehe

Kommentare zu " Gastbeitrag zur Rollenverteilung: „Ich habe es nie bereut, Hausmann zu werden“"

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  • "ich putze und koche gern, und meine Frau macht das weniger gern" - Natürlich, JEDE FRAU macht das weniger gern, 98% aller Cosmo-Abonneten bringen diese Leier.

    Aber die wenigsten aus authentischer Bewertung, als denn vielmehr als Ergebnis einer jahrzehntelangen Hirnwäsche a'la "Ich bin doch kein doofes Heimchen am Herd". Und doof ja will nun wirklich keine sein.

    Unser Frauen wurden aufgehetzt, in die Arbeit gehetzt. Und die Männer, die von Haus aus pragmatisch und lösungsorintiert agieren, kompensieren hier fleißig.

    Aber geht es denen allen gut? SEELISCH gut??

    Im obigen Haushalt stimmt sicherlich die Kohle und der Haushalt funktioniert. Aber was NICHT funktioniert, liegt für mich auf der Hand: Die Essenz einer liebenden Partnerschaft ist ausgelöscht, denn das 'chemische' Anziehungspotential dieser beiden dürfte auf tendenziell 'null' sein - da sie eben ausschließlich funktionieren, zu Lasten der gegenseitigen Attraktivität.

    Der Mann dürfte sich dauerhaft als Wurm fühlen, denn er wird dauerhaft von jedem männlichen Nicht-Versager nur Mitleid und "Boh, das wäre nichts für mich" ernten.

    Und die Holde? Tja, die Holde. Die dürfte dank aufgeblasener Chefinnen-Manneskraft und Machtgebären kaum mehr laufen können, zutiefst im Inneren ihren Mann zwar schätzen als bequemer Arbeiter, aber leider als Partner nur noch verachten. Zwangsläufig. Und tief in ihr drinnen treibt sie wahrscheinlich weiterhin die Suche um, nach ihrem wahren Helden, dem sie sich irgendwann mal unterwerfen kann...

  • Ob er wirklich damit glücklich ist, kann und will ich nicht beurteilen. Wirtschaftlich ist das Ganze aber in jedem Fall vernünftig. Wenn die gute Frau sich nicht ganz dumm anstellt, wird sie mit ihrer Praxis mind. 150 TEUR verdienen, wohin gegen man als Lehrer mit vielleicht 50 TEUR nach Hause geht.

  • Alles super. Bis die Lady es zwar doll findet, wie ER das alles zuhause richtet, aber der Typ, den sie neu kennenlernt und der halt "ein richtiger Mann" ist, viel doller ist. Die Frauen finden es zwar "bewundernswert", wenn ein Mann mal anders ist, als die anderen, aber er ist, wie im Artikel geschrieben, ein Exot. Durch den täglichen Umgang mit sehr vielen Frauen verweiblicht er und die anderen Männer mögen es auch akzeptieren, aber sein sozialer Status bei Gleichgeschlechtlichen, wird eher mau sein. Das alles heißt nicht, daß ich einen verurteile, der das macht, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Nur: Es gehören immer zwei dazu, und ich bin sicher: Solche Männer werden, zumindest so lange ich noch auf dieser Welt bin, die absolute Minderheit sein.

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