Gastkommentar
Der Westen und die syrische Sackgasse

Der Westen muss Verantwortung übernehmen und das Morden in Syrien stoppen. Doch dafür ist eine Einigung zwischen dem Westen, Russland und China im UN-Sicherheitsrat notwendig.
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Verglichen mit den bisher gestürzten arabischen Diktatoren gilt Baschar Al Assad als Glückspilz in Sachen des erfolgreichen Machterhaltes und als Rekordhalter bei der Anwendung bestialischer Gewalt gegen das eigene Volk. Über 8000 Tote, Tausende Verletzte und Vermisste sowie zahlreiche verwüstete Städte, so sieht die traurige Bilanz des ersten Jahrestages des syrischen Aufstandes gegen die seit 1963 herrschende Diktatur aus.

Und was taten bisher die arabische Liga und die internationale Gemeinschaft gegen die syrische Tragödie? Sie alle haben anfangs viel zu viel an die Vernunft Assads appelliert und später zutreffende Diagnosen für seinen politischen Autismus und die Pathologie seines Herrschaftssystems gestellt. Dies war schön und gut. Aber es führte nicht zum Ende des Blutvergießens.

Die von der EU und der USA verhängten Sanktionen gegen Vertreter des syrischen Regimes haben auch nichts daran geändert. Scheinbar schlug die innere syrische Krise in eine Krise der UNO um, die durch die russische und chinesische Pro-Assad-Haltung innerhalb des UN-Sicherheitsrats gelähmt wird.

Natürlich kann das Ende der Diktatur und die Demokratisierung Syriens selbst beim besten Willen nicht von Außen herbeigeführt werden. Den Preis für ihre Freiheit müssen die Syrer, wie überall auf der Welt, selbst bezahlen. Zudem stellt eine westliche militärische Intervention zugunsten der syrischen Opposition zumindest in der jetzigen Phase nicht unbedingt das beste Rezept für den Sturz des syrischen Regimes dar. Syrien unterscheidet sich wesentlich in seiner inneren politischen und konfessionellen Struktur und in seiner strategischen Bedeutung von Libyen.

Die syrische Diktatur nutzte bisher erfolgreich die nationale und konfessionelle Vielfalt Syriens aus. Sie verbarrikadierte sich hinter der alevitischen konfessionellen Minorität, zu der Assads Dynastie und ihre treuesten Sicherheitsapparate gehören. Gleichzeitig konnte das Regime die Angst der Christen und Drusen vor der Machtübernahme der Islamisten im Falle seines Sturzes ausnutzen, um ihre Beteiligung an dem Aufstand zu verhindern.

Die gleiche Politik des „teile und herrsche“ wird auch mit weniger Erfolg mit den oppositionellen Kurden, die bis jetzt nicht die volle Härte der Repression des Regimes erfahren haben, praktiziert. Mit seinem Bündnis mit Iran und der Hisbollah profiliert sich das syrische Regime als selbsternannter Beschützer der religiösen Minoritäten gegenüber der sunnitischen Mehrheit in Syrien und in der arabischen Welt.

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  • Die tradierte Rolle der Medien (sowohl private als auch staatliche) im Dienste Ihrer Regierungen als Beitrag zur Steigerung und Erhalt der Wohlfahrt Ihrere Völker (zumeist partikular Interessen)auf Kosten des Rests der Menscheit ist hierbei nicht zu vergessen. Eine diabolische Allianz das vom Leid lebt. Die Kassen klingeln sehr gut!

  • Da hat wohl die Presseabteilung des State Department das Zeilenhonorar spendiert.

  • Es sind die Pipelines, was sonst?


    Wie ich bereits in meinem Artikel "Der Westen will keine Demokratie in Syrien" aufgezeigt habe, befindet sich ausserhalb der umkämpften Stadt Homes in Syrien die grösste Ölraffinerie des Landes und der Homes-Distrikt ist das Hauptzentrum der syrischen Ölindustrie. Wie bei jedem vom Westen angezettelten Konflikt, muss man die vordergründige Propaganda ignorieren und sich die strategische Seite anschauen, um die Geschehnisse zu verstehen. Es geht nie um die Zivilbevölkerung, Demokratie oder Menschenrechte, wie wenn das jemals den Westen interessiert hätte, sondern um handfeste wirtschaftliche Interessen. Der Schutz der Zivilbevölkerung wird nur als Vorwand benutzt, um militärisch eingreifen zu können.

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