Gastkommentar
Die regionalisierte Welt

Den von vielen gewünschten Machtblock China-USA lehnt Peking laut Li Zhaoxing aus guten Gründen ab. Vielmehr liege auch starker Austausch mit Europa im Interesse Chinas - und sei entscheidend für Frieden auf der Welt.
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Mit dem Anstieg von Chinas Wirtschaftskraft und Einfluss auf die Weltwirtschaft nach der Finanzkrise von 2008 kam die Idee auf, dass China und die Vereinigten Staaten gemeinsam im Rahmen einer Art G2-Abkommen die Welt anführen sollten. Aber solch ein Abkommen steht weder in Einklang mit Chinas unabhängiger Außenpolitik noch mit dem allgemeinen Trend in Richtung stärkerer Verteilung geopolitischer Macht auf die internationale Gemeinschaft.

So hat Chinas Premierminister Wen Jiabao bei seinem Besuch in Prag im Mai 2009 erklärt, dass China dem G2-Konzept nicht zustimmt. Chinas feste Absicht ist es, niemals Hegemonie anzustreben oder eine globale Dominanz einer kleinen Minderheit von Staaten zu unterstützen.

Woran China glaubt, ist vielmehr die verstärkte Zusammenarbeit mit allen großen Regionen der Welt. Nehmen wir Europa – eine prächtige und altehrwürdige Zivilisation und heute ein Hauptakteur auf der Weltbühne. Die zunehmende Integration der EU hat dem europäischen Kontinent zu großer Dynamik verholfen. Trotz seiner aktuellen Schwierigkeiten verfügt Europa über außergewöhnliche Kraft und internationalen Einfluss.

China hat die europäische Integration immer unterstützt und hofft, dass die EU sich zu einer Stütze der internationalen Ordnung entwickelt. Im Zuge der globalen Finanzkrise und der europäischen Schuldenkrise hat China Staatsanleihen aufgekauft, direkte Investitionen getätigt und Unternehmensdelegationen nach Europa gesandt. Während des Besuchs des spanischen Premierministers José Luis Zapatero in Peking im April 2011 hat Ministerpräsident Wen die Bereitschaft Chinas bestätigt, zur Unterstützung der europäischen Versuche, die Krise zu lösen, weiterhin spanische Staatsanleihen zu kaufen.

In dieser neuen, multipolaren Ära müssen China und Europa zusammenarbeiten, und wenn sie ihre Kooperation vertiefen möchten, befinden sie sich nun an einem kritischen Punkt. Die Zusammenarbeit von China und der EU wird entscheidend dafür sein, weltweit Frieden und Stabilität zu bewahren. Wir haben die gemeinsame Verpflichtung, internationale Probleme durch politische Mittel zu lösen, und beide Seiten haben bei globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Terrorismus und der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen bereits eine konstruktive Rolle gespielt.

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