Gastkommentar
Warum ich mehr verdienen sollte!

Ein Manager hat auf Handelsblatt Online sein hohes Gehalt gerechtfertigt. Nun antwortet ihm einer, der weitaus weniger verdient: Ein Rettungsassistent. Warum er glaubt, dass er mehr verdienen sollte.
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Am Montag hat ein Manager an dieser Stelle sein hohes Gehalt verteidigt. Er sitze bis zu zehn Stunden am Tag in Meetings, am Schreibtisch oder im Auto, sein Job erfordere Mut, neue Wege zu gehen und Verantwortung zu übernehmen. Er verdiene, was er verdiene. Der Beitrag sorgte für reges Interesse und interessante Diskussionen bei den Lesern von Handelsblatt Online. Heute antwortet dem Manager einer, der nicht so viel verdient, aber seiner Meinung nach mehr verdient hätte. Der Leser möchte anonym bleiben, weil er auch interne Dinge aus seinem Arbeitsalltag preisgibt. Handelsblatt-Mitarbeiterin Katharina Matheis hat Protokoll geführt.

Hallo unbekannter Manager,

unsere tägliche Arbeit und unser Beruf haben viel gemeinsam – nur eine Sache nicht: Niemand hält mein Gehalt für zu hoch.

Ich arbeite Vollzeit im Rettungsdienst als Rettungsassistent beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Ich will Ihnen zeigen, dass Sie nicht der einzige sind, der hohen Anforderungen gerecht werden muss - und dabei nicht mit einem sechsstelligen Betrag im Jahr belohnt wird. Dabei sind unsere Jobprofile sehr ähnlich.


1.       Arbeitszeiten

Sie arbeiten täglich bis zu elf Stunden, da kann ich mithalten: Unsere Schichten sind je nach Tag oder Nacht entweder elf oder 13 Stunden lang. Für den Nachtdienst ist eine Ruhepause vorgeschrieben, offiziell heißt diese „drei Stunden unbezahlte Bereitschaft“. Doch das interessiert im Notfall sowieso nicht. Gerade am Wochenende arbeiten wir durch, Pause hin oder her. Eigentlich ist es auch egal, schlafen kann ich auf der Wache meistens nicht. Schließlich kann jeden Moment der Piepser losgehen. Sie beantworten eine Mail nach der anderen (bis zu 200 sagen Sie) oder sind in Gesprächen –  wir fahren zu einem Einsatz nach dem anderen. Und jeder Schichtdienstler weiß, wie das Privatleben aussieht. Wir sind meist unterbesetzt, mein Kollege hat vor kurzem zwei Wochen ohne freien Tag gehabt. Und an Weihnachten, Silvester und zu Feiertagen sind wir selbstverständlich auch auf der Wache.

 

2.       Komplexität

Viele Faktoren berücksichtigen, alle Eventualitäten einplanen. Darum verdienen Sie also so viel Gehalt? Top-Manager müssten mit Komplexität zurechtkommen. Im Rettungsdienst ist das gleich: Wir dürfen nichts übersehen und das obwohl wir meist in komplett unbekannte Situationen kommen. Jeder Rettungsfall ist anders, die Faktoren unzählig, von der Vorgeschichte bis zur Medikation. Wir kommen zu Menschen, über die wir nichts wissen und haben meist nur wenige Minuten, die über Leben und Tod entscheiden könnten. Sie sagen, Manager werden für Ihren Entscheidungsmut bezahlt. Auch wir müssen uns entscheiden und haben oft nur wenige Augenblicke, um das richtige zu tun.

Kommentare zu " Gastkommentar: Warum ich mehr verdienen sollte!"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • ...liegt der Gehaltsunterschied!

    Viele die ihr Leben lang die Welt retten wollen, haben nicht mal das Zeug dazu, Abitur zu machen, ein "echtes" Studium zu absolvieren (nicht Bachelor irgendwo sondern Bachelor/ Master/ Diplom an einer Uni), und haben daher dann eben das Bedürfnis, ständig den Job des Rettungsassistenten zu loben, um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu steigern. Dies gibt niemand zu, ist aber so!

    Man kann nicht immer alles schön reden; gerade als Manager muss man auch mal genauer hinsehen.

    Ich biete jedem RA/ RS an, in unserem Hause eine Lehre zu machen, in der er mehr Geld verdient, in der aber ab und an mehr Gehirnschmalz verlangt wird als immer der gleiche Trott:

    A-B-C-D-E, iV-Zugang, NA ja/nein, O2 ja/nein, Lagerung, Transport, mal Reanimieren, mal Analgesie mit ein 5 verschiedenen Medikamenten etc.
    Es ist leider nicht der unersetzbare Job!!!

    Es gibt viele Länder in denen das Krankenschwestern besser machen als die RDler hier.

    In diesem Sinne,

    JEDER ist seines Glückes Schmied! NIEMAND muss 48h Stunden auf einer Wache arbeiten! Jeder kann IMMER und zu JEDER Zeit einen anderen Job machen. Man muss sich eine Zeit strecken, ja, aber das ist absehbar!

    Macht das Beste draus,

    FM

  • Immer diese einseitigen RA-Selbstreflektionen! Als wäre der RA, der Paramedic, der Notfallsanitäter der Heilsbringer, welcher ständig unter den widrigsten Bedingungen arbeiten, Entscheidungen treffen, den Tod abwenden und sich gegen das Gesetz "wehren" muss!

    Ich möchte aber nicht zynisch klingen, daher hole ich etwas weiter aus: Ich bin selbst lange Jahre als RS und als RA tätig gewesen, habe dann aber studiert und bin nun als Manager mit Personalverantwortung bei einem Global Player tätig. Wir bauen Brücken über die Menschen fahren, Hochhäuser in denen Menschen arbeiten, bauen Kanäle um Menschen mit Wasser zu versorgen.

    Wenn ich an die Zeit im Rettungsdienst denke ein paar Dinge vorab:

    1) Das "Staatsexamen", das unglaublich wichtig heißt, aber nur vom Reg.Präs. erteilt wird, ist ein Witz!
    Mit diesem

    2) Wo kein Geld ist können keine Gehälter bezahlt werden. Die meisten Organisationen haben unfähige "Manager", Vetterleswirtschaft und uralte Strukturen; sie haben kein Verhandlungsgeschick und werden somit von den Kostenträgern regelmäßig über den Tisch gezogen.

    3) Die BAT-Einteilung für RA's ist 1-2 Stufen zu niedrig, ja! Aber auch hier fehlen die Pragmatiker an der Spitze, die Manager! Ein DRK-, MHD-, ASB-, oder JUH-Vorstand/Präsident ist ein Lobbyist, der gerne glänzt aber wenig kämpft.

    4) Ich kenne mehr als 50% RAs und RS, welche keine gute Allgemeinbildung haben, schlecht in Wort und Schrift sind, aber permanent ihr eigenes Standing hochhalten wollen; ohne selbst als kompetent und erfahren zu wirken.

    5) Das ständige Hecheln nach Anerkennung im Rettungsdienst macht die Mitarbeiter unglaubwürdig. Es macht den Eindruck, sie wollen nur Aufmerksamkeit und mehr Geld, weil sie so viel Gutes leisten. Im Einsatzfall kommt aber oft viel Falsches oder zu Wenig dabei raus.

    Den Überblick über Entscheidungen mit Tragweite für zig Arbeitsplätze traue ich denen nicht zu. Aber das Arbeiten in einem kleinen abgesteckten Radius wie einem Einsatz schon.

    Und genau hier...

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