Historiker Jörg Später über die Flüchtlingskrise
Euphorie und Katzenjammer

PremiumVon der Willkommenskultur des Jahres 2015 zu Beginn der Flüchtlingskrise ist heute nicht mehr allzu viel zu sehen und zu hören. Dabei kennen auch viele Deutsche die Bodenlosigkeit des Exils. Ein Gastbeitrag.

Als Hunderttausende von Flüchtlingen während des Jahres 2015 über die Balkanroute nach Deutschland kamen, schien es uns, als habe sich dieses Land neu erfunden. „Welcome Refugees“ hieß es allenthalben, und wer konnte, spendete Kleider, Zeit – oder zumindest Beifall.

Eine freudige Aufregung erfasste große Teile der Bevölkerung, die in die provisorischen Zeltlager kamen, mit anpackten, Anteilnahme zeigten. Viele, die sich gegenüber den Menschen vor allem aus Syrien solidarisch zeigten, waren Patrioten. Ihr Willkommen hatte auch mit der Liebe zum eigenen Land zu tun. „Wir“ helfen „denen“, die in Not sind.

Schon bald aber kamen im reichsten Land Europas erste Ängste auf,...

 
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