Piraten
„Gegen wilde Ideen helfen nur Argumente.“

Erst kamen die Grünen, dann die Linken und jetzt die Piraten. Die Programmatik der jüngsten Protestpartei ist ein blubberndes Gebräu aus schwarz, rot, grün und gelb. Die Etablierten sollten mit Argumenten antworten.
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Überall in Europa gibt es rechte Protestparteien, nicht aber in Deutschland, ignoriert man die randständige NPD, die mal wieder mit einem Verbotsantrag geehrt werden soll. Hier sorgt die Erinnerung an das Zwölfjährige Reich für dauerhafte Tabuisierung. Aber in der breiten Mitte hört der neue deutsche „Sonderweg“ auf, nicht erst seit den Piraten, die gerade im Saarland den zweiten Landtag geentert haben. Denn seit dem Aufstieg der Grünen vor dreißig Jahren kennen auch wir populistische Protestparteien, die das Unbehagen am „System“, Frust oder Angst artikulieren.

Auf die Grünen folgten die Linke und die Piraten. Der gemeinsame Nenner ist nicht die Färbung, sondern der Populismus: wir gegen das Establishment. Populisten lassen sich nicht in das klassische Rechts-links-Schema pressen. Die Piraten sind „lechts“ und „rinks“. Wie die Grünen, die allererste Protestpartei, die nicht vom rechten Rand kam. Beides? Naturschutz und Technikskepsis sind konservativ, Bürgerrechte progressiv. Nur: Die Grünen sind jetzt Establishment – von Joschkas Tretern zu Trittins Dreiteiler in einer Generation.

Die Linke entstand als zweite Protestpartei. Sie will mehr Staat und Umverteilung, was nach links klingt. Doch heute wirkt Klassenkampf altmodisch, nicht progressiv. Mit den Rechtspopulisten ringsum teilt die Partei die Aversion gegen Globalisierung; sie will die alten Mauern des Nationalstaats wiederhaben. Das ist nicht links, sondern rückwärtsgewandt. Und die Piraten? Ihre Programmatik ist ein blubberndes Gebräu: schwarz, rot, grün und gelb. Begonnen haben sie als Sammlung von Nerds und Hackern, die anders als die Fußsoldaten des klassischen Populismus kaum abstiegsgefährdet sind. Die Technikbegeisterung der Piraten war zumindest von Bebel bis Brandt ein Markenzeichen der Linken. Dagegen ist eine Schuldenbremse, wie sie Piraten fordern, geradezu neoliberal. Der Bachelor für alle ist wiederum klar links, weil egalitär. Die Entkriminalisierung von Drogen ist liberal bis libertär, dito der Kampf für die absolute Netzfreiheit. Das „bedingungslose Grundeinkommen“ ist hart links.

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Ideen, die mal kindisch, mal hanebüchen sind.

Kommentare zu " Piraten: „Gegen wilde Ideen helfen nur Argumente.“"

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  • Puh,da muss ich schon schlucken. Der Herausgeber der "Zeit", die ich immer für ein kreatives Blatt auch für die Intellektuellen hielt, disqualifiziert sich selbst.
    Oberflächlich recherchiert und reißerisch.










  • Man sollte auch bedenken, das die "Zeit" immer schön an den Bilderberger Treffen teil nimmt. Denke das reicht schon um diesen Kommentar dort einzuordnen, wo er hingehört. In den wabbernden Mülleimer der rechten Ecke.

  • @ berkmann
    Wir fahren das Land an die Wand und tun derweil so, als wäre alles in Ordnung.

    Diese Sichtweise ist nicht ganz richtig. Wir fahren unser Land nicht vor die Wand, sondern unsere Volksvertreter fahren unser Land auf unverantwortliche Weise an die Wand.

    Vor langer Zeit habe ich aus dem Politikunterricht das Wichtigste noch behalten: Es gibt keine 100% richtige Partei zum Wählen.

    Man kann nur das geringste Übel wählen.

    Wenn ich mir so die SPD, Grünen, CDU, CSU und FDP ansehen.
    Sehe, daß ich nur belogen, betrogen und verarscht werde. Daß meine und die Zukunft unserer Kinder für einen utopischen Wahnsinn verheizt wird, bleibt für mich derzeit nur,
    die Piraten zu wählen.

    Schönen Tag noch.

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