Aktivisten
Lasst den Überbringer am Leben

TCI sieht bei seinem Kampf mit der US-Eisenbahngruppe CSX angeschlagen aus. Und auch Carl Icahn und Konsorten übertreiben es manchmal. Aber die Kritik der Aktivisten schlägt oft bemerkenswert nahe am Ziel ein. Die Investoren sollten sie angemessen zu Wort kommen lassen und sicherstellen, dass die Manager den Kritikern antworten, statt sie zum Schweigen zu bringen.

The Children?s Investment-Fund (TCI) hat sich bei seinem Kampf mit der US-Eisenbahngruppe CSX nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der aktivistische Hedge Funds unter der Leitung von Chris Hohn hat gegen die US-Offenlegungsrichtlinien verstoßen, wie der New Yorker Bezirksrichter Lewis Kaplan am 11. Juni befunden hat. Andere Unruhestifter, die schon länger im Geschäft sind, wie der Investor Carl Icahn können manchmal auch zu weit gehen, wenn auch auf andere Weise: Der gesamte Board von Yahoo, zum Beispiel, muss nicht unbedingt neu besetzt werden. Und doch trifft die Kritik der Aktivisten oft ins Schwarze. Und TCI jedenfalls steht in dem Ruf, den Aktionären seiner Übernahmeziele Geld einzubringen. Die Investoren sollten den Aktivisten auf faire Weise zuhören und sicherstellen, dass die Manager den Kritikern Antworten geben, statt sie zum Schweigen zu bringen.

CSX hat die Niederlage von TCI vor Gericht schon gebührend in der Öffentlichkeit gefeiert. Und niemand sollte Regelverletzungen dulden. Einer der Übergriffe des Fonds ist besonders Besorgnis erregend: TCI hat den Zeitpunkt der Bekanntgabe des gemeinsamen Vorgehens mit 3G Capital verschleppt. Hier fiel die Kritik von Richter Kaplan vernichtend aus. Anekdotische Anhaltspunkte lassen darauf schließen, dass auch viele andere Fonds vorgeben, dass Zunicken und Zuzwinkern nicht mit einer konzertierten Aktion gleichzusetzen sind, während sie in der Praxis aber genau dies bedeuten. Aktivisten und Leerverkäufer gleichermaßen müssen Klarheit in diese Angelegenheit bringen, wenn sie glaubwürdig bleiben wollen.

Aber davon abgesehen hat sich Michael Ward, der Chef von CSX, bei seinen Bemühungen, TCI zum Schweigen zu bringen, auch nicht gerade rühmlich verhalten - bis hin zu einer Scheinanhörung vor dem US-Kongress. Und während die Eisenbahngesellschaft TCI abgewehrt hat, hat CSX - angeblich auf eigene Initiative hin - Schritte eingeleitet, die einige der Empfehlungen des Fonds widerspiegeln, wie etwa die Ausweitung des Aktienrückkaufprogramms.

Wiederum in einem anderen aktuellen Fall von Aktivismus liegt offen zu Tage, dass die Yahoo-Aktionäre einen üppigen Bar-Aufschlag aus einem Verkauf an Microsoft hätten abschöpfen können. Wenn nur der Board des Suchmaschinenbetreibers sich nicht auf irrationale Weise an seine Unabhängigkeit geklammert und die Verhandlungen mit dem Software-Riesen vermasselt hätte. Icahns Vorschlag, alle neun Board-Mitglieder von Yahoo abzulösen, sieht übertrieben aus. Aber es wird frisches Blut in diesem Gremium gebraucht - und dies könnte auch den Aktionären durchaus zu Gute kommen.

Der allzu einfache Ansatz einiger Hedge-Fonds während des Kredit-Booms - einen höheren Einsatz von Fremdkapital und kurzfristige Ausschüttungen an die Aktionäre zu verlangen - ist einigen längerfristigen Investoren nicht genehm. Aber nachhaltiger gesinnte Aktivisten haben oft weitgehend die gleichen finanziellen Interessen wie andere Aktionäre. Natürlich stimmt es, dass TCI anfänglich vorgeschlagen hat, CSX sollte viel mehr Schulden machen, aber der Fonds hat auch Veränderungen in der Unternehmensführung, der Strategie und im Betrieb nahe gelegt.

Die Aktivisten laden sich die Schwierigkeiten und die Kosten auf, sich wie aktive, wenngleich manchmal antagonistisch wirkende, Eigentümer zu geben. Die meisten Aktionäre tun das nicht, weil die Eigentümerschaft aufgebrochen ist und von Wertpapierhäusern oder Fondmanagern vertreten wird, die tendenziell entweder im Sinne des Managements, oder gar nicht, oder - im besten Fall - gemäß den Empfehlungen von Beratungsfirmen wie ISS von RiskMetrics abstimmen.

Zu oft bleibt somit ein Management-Team mit einem Board zurück, das manchmal die Führungskräfte den Aktionären vorziehen. Ward kann bei CSX auf einen Aktienkurs verweisen, der sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hat. Aber selbst ein erfolgreicher Spitzenmann, der im vergangenen Jahr 17 Mill. Dollar und 2006 rund 14 Mill. Dollar verdient hat, sollte zusammen mit seinem Board bereit sein, den Ideen eines bedeutenden Aktionärs, und sei dieser noch so aggressiv, zur weiteren Verbesserung der Ergebnisse zuzuhören, anstatt beleidigt abzuwinken.

Die Steigerung des Aktienkurses, in deren Genuss die CSX-Aktionäre bereits gekommen sind, scheint teilweise vom Druck seitens TCI ausgelöst worden zu sein. Die Kandidaten des Fonds für die Wahl zum Board am 25. Juni sollten nicht notwendigerweise ausgeschlossen werden. Die Aktivisten haben zwar Fehler - manchmal sogar große -, aber von ihren Feldzügen können alle Aktionäre profitieren. Die Investoren sollten von den Führungskräften der Unternehmen erwarten, dass sie mit Antworten reagieren - und nicht mit Schmähungen.

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