Anlagestrategie
Was uns Warren Buffett lehrt

Der Investor aus Omaha hat in großem Stil Derivate auf Aktien und Schuldtitel gezeichnet. Die turbulenten Märkte bescheren ihm jetzt Buchverluste. Aber sein Investmentkonzern verfügt über ein dickes Finanzpolster. Damit und mit dem geschickten Management der Anlegererwartungen zeigt Buffett anderen Leidtragenden des Marktpreis-Bewertungsansatzes wie man es richtig macht.

Buffett-Lektion: Obwohl er vor diesen Instrumenten warnt, verzichtet auch Buffett nicht auf den Einsatz von Derivaten. Über seine Investmentgruppe Berkshire Hathaway hat er solche Papiere in Milliardenhöhe auf den Markt gebracht. Und jetzt, wo die Märkte ins Wanken geraten sind, schreibt auch er Buchverluste. Allerdings verfügt Berkshire über ein sattes Finanzpolster. Damit und mit seiner Art, die Anlegererwartungen zu steuern, erteilt er anderen Leidtragenden des Marktpreis-Bewertungsansatzes eine Lektion.

Erstens sorgt er dafür, dass das Polster gut gefüllt bleibt. Berkshire besitzt Derivate auf Aktien und Schuldtitel mit einem Basiswert von fast 50 Milliarden Dollar. Dieser Wert ist wesentlich höher als der Marktwert der Derivate, die Schätzungen zufolge im dritten Quartal um eine Milliarde Dollar fielen. 77 Prozent des Berkshire-Gewinnrückgangs seit dem Vorjahr sind allein auf diesen Wertverlust zurückzuführen.

Aber Buffetts Unternehmen schreibt dennoch Gewinne, selbst in schwierigen Zeiten. Es ist zwar nicht klar, wie hoch die Gewinne oder Verluste aus den Derivaten letztendlich ausfallen werden. Buffett scheint sein Engagement jedoch bewusst so bemessen zu haben, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass dadurch ein so großes Loch in die Berkshire-Bilanz gerissen wird, dass andere Aktivitäten des Unternehmens gefährdet sein könnten.

Zweitens ist es von Vorteil, dass Berkshire kaum Kredite aufnimmt. Berkshire muss auch keine Sicherheiten für sein Derivate-Engagement leisten - vorausgesetzt, dass das Unternehmen unter anderem sein hervorragendes Kreditrating behält. Durch die geringe Verschuldung verfügt Berkshire über so hohe Reserven, dass das Unternehmen auch noch größere Verluste verkraften könnte, ohne mit einer Herabstufung rechnen zu müssen. American International Group musste dagegen die schmerzhafte Erfahrung machen, dass ein anfälliges Rating zusammen mit umfangreichen Bewertungsverlusten schnell zu Herabstufungen und einem lebensbedrohlichen Abfluss von dringend notwendigem Bargeld führt.

Drittens hat Buffett die Aktionäre immer wieder aufgefordert, über den Tellerrand der Quartalsergebnisse hinaus zu blicken und daran zu denken, dass sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsbewegungen zu künstlichen Bewertungsverzerrungen führen können. Er scheute auch nicht davor zurück, die Aktionäre von Zeit zu Zeit vor der seiner Meinung nach zu hohen Bewertung von Berkshire zu warnen.

Im Gegensatz dazu begegnen die Anleger anderen Wall-Street-Bossen, die sich selbst großzügig für ihre Papiergewinne im Aufschwung belohnten, heute mit großem Misstrauen, wenn sie jetzt versuchen, die Verluste mit Bewertungsverzerrungen zu entschuldigen. Auch Buffett wird im Endeffekt mit seinen Derivaten wahrscheinlich real viel Geld verlieren. Aber Andere sollten von ihm lernen, wie man den Boden dafür bereitet, dass Investoren nicht gleich von jedem Buchverlust abgeschreckt werden.

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