Anti-Bonus-Regeln fördern Mittelmaß
Wall Street: Anregend dämlich

Dem Anti-Bonus-Zusatz, mit dem das US-Konjunkturpaket in letzter Sekunde versehen worden ist, ist es zu verdanken, dass sich die Besten der Wall Street in Bewegung gesetzt haben. Nicht um das Finanzsystem zu retten, sondern vielmehr um diese fehlgeleitete Gesetzgebung zu umgehen und die Tarp-Mittel vorzeitig zurückzuzahlen.

Glückwünsche an den US-Kongress, der es geschafft hat, die innovativsten Finanzgenies Amerikas in einer Zeit zu animieren, in der sich die Wirtschaft in ihrer schlimmsten Notlage befindet. Dank eines in letzter Sekunde verabschiedeten Zusatzes zum US-Konjunkturpakets, haben die Alchemisten der Wall Street zur Generalmobilmachung aufgerufen.

Unglücklicherweise liegt ihr unmittelbares Ziel nicht darin, das Finanzsystem zu retten und die Weltwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Vielmehr werden sie alles daran setzen, um Wege zu finden, diesen fehlgeleiteten Part populistischer Gesetzgebung zu umgehen und die von der Regierung gewährten Mittel vorzeitig zurückzuzahlen - eine Entscheidung, die die Gefahr heraufbeschwört, dass das Bankensystem wieder in den Panikmodus zurückfällt.

Die Einschränkungen bei der Vergütung der obersten fünf Spitzenkräfte der Firmen, die Regierungshilfe empfangen werden oder bereits erhalten haben, sind nicht das Problem. Schließlich sind alt gediente Finanzveteranen wie John Mack von Morgan Stanley bereits gut versorgt und zu diesem Zeitpunkt eher darum bemüht, in der Geschichtsschreibung einigermaßen gut wegzukommen, als sich noch einen Ferrari in die Garage zu stellen.

Das größere Problem an dem Coup, den Senator Christopher Dodd in letzter Minute gelandet hat, ist die Deckelung einer jeglichen leistungsbezogenen Vergütung für die 20 am besten bezahlten Manager einer Firma, die Mittel aus dem Troubled Asset Relief Programme (Tarp) erhält. Das Gesetz, wenn es denn von Präsident Barack Obama in Kraft gesetzt wird, würde die leistungsabhängige Komponente auf nicht mehr als ein Drittel der Gesamtvergütung beschränken.

In der Praxis bedeutet dies, das Managing Directors etwa bei Goldman Sachs, die ein Gehalt von etwa 250 000 Dollar beziehen, nur einen Bonus von 175 000 Dollar verdienen könnten, und zwar anscheinend ungeachtet dessen, ob er in Form von Cash, oder von Aktien, die Jahre lang nicht in Bares umgewandelt werden können oder in Form von Tickets für Baseballspiele angeboten wird.

Na und? Goldman und Dutzende anderer Banken haben billige Kredite von den Steuerzahlern angenommen. Es ist nur recht und billig, dass da Grenzen gezogen werden. Das Problem ist, dass die Einschränkungen sich gegen die logische, kapitalistische Idee wenden, dass Mitarbeiter dazu motiviert werden sollten, gute Arbeit abzuliefern.

Das Ziel einer Vergütungsreform sollte es sein, sicher zu stellen, dass sich das Gehalt stärker an der Leistung orientiert. Gemäß der neuen Regeln werden die Banken allen Grund haben, die Gehälter auf allen Ebenen anzuheben, um sich im Wettbewerb mit den Banken im In- und Ausland bewähren zu können, die keinen Restriktionen unterliegen wie zum Beispiel Credit Suisse, Barclays, Deutsche Bank oder UBS.

Das würde einem der positiven Element der Wall Street ein Ende setzen - ihrer flexiblen Kostenstruktur. Indem sie relativ niedrige Gehälter zahlten, haben die Investmentbanken schon immer den Lohn den Unternehmensergebnissen und wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst. Sicher, im Verlauf der vergangenen Jahre wurde diese Flexibilität geopfert, da die Mitarbeiter zu der Ansicht tendierten, einen Anspruch auf umfangreiche Boni zu haben.

Aber darauf zielen die Einschränkungen ja gar nicht ab. Stattdessen läuft das Vorhaben Gefahr, auf breiter Front die Mittelmäßigkeit zu fördern. Diejenigen mit dem Potenzial, richtig viel Geld zu verdienen - und jeder, der an der Wall Street etwas taugt, erwartet, eines Tages in diese Liga aufzusteigen - werden natürlich die Unternehmen, die Tarp-Gelder entgegennehmen, fluchtartig verlassen oder meiden.

Eine intelligente Reform würde sicher stellen, dass die Gewinne, die die Banker und Händler geschaffen haben, sich nicht wieder schnell verflüchtigten. Ebenso wären Gesetzesvorgaben, die die beste Vorgehensweise beförderten, wie Rückforderungsvorkehrungen oder das Konzept eines "Malus", begrüßenswert gewesen.

Natürlich kann man das Anhängsel von Senator Dood auch umgehen: Man zahlt der Regierung die Mittel zurück und macht weiter. Wenn die Vergütungseinschränkungen darauf abzielten, dann wäre dies ja schön und gut. Aber das konterkariert die Pläne der Bankenrettungen. Das Tarp war ursprünglich so konzipiert, dass es das Vertrauen in die angemessene Kapitalausstattung der Banken untermauern sollte, so dass sie wieder Kredite vergeben würden.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Kosten, das Geld auf den derzeit zerschlagenen Kapitalmärkten zu refinanzieren, unerschwinglich hoch wären. Während die Banken zwar vielleicht einige der Tarp-Mittel auf den Kapitalmärkten ablösen würden, ist es wahrscheinlicher, dass sie einfach ihre Kernkapitalquoten - ihr wichtigstes Polster gegen mögliche Verluste - abschmelzen lassen würden. Und das wäre wohl kaum eine vertrauensbildende Maßnahme.

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