Arcelor-Mittal
Mittal dämpft Erwartungen der Aktionäre

Arcelor-Mittal hat sein Ziel bei der Schuldenreduzierung erreicht, sich wieder in die Gewinnzone vorgearbeitet und die Produktion erhöht. Die Investoren mögen enttäuscht sein, dass der Ausblick, den der weltgrößte Stahlproduzent bietet, nicht ganz so rosig klingt. Doch Arcelor-Mittal tut gut daran, nicht in Triumphgeschrei auszubrechen. Der Trend bei der Nachfrage ist nach wie vor diffus, und die Anleger sollten vorsichtig bleiben.
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Arcelor-Mittal hat sich nachdrücklich aus seiner Krisensituation befreit. Der weltgrößte Stahlhersteller unter der Leitung des milliardenschweren Industriellen Lakshmi Mittal hat im dritten Quartal überraschender Weise wieder rentabel gearbeitet - nach neun aufeinander folgenden Monaten mit Verlusten. Arcelor tut dennoch gut daran, die Erwartungen der Aktionäre zu dämpfen.

Die Prioritäten des Stahlproduzenten verlagern sich. Die Reduzierung der Schulden steht nicht mehr ganz oben auf der Tagesordnung. Tatsächlich erreichte Arcelor sein Ziel zum Abbau der Verbindlichkeiten früher als vorgesehen. Durch Refinanzierungen und neu ausgehandelte Kreditvertragsklauseln wurde das Profil der Fälligkeiten für die Schuldtitel des Unternehmens gestreckt. In den vergangenen zwölf Monaten wurden rund 10,2 Mrd. Dollar an Krediten zurückgezahlt. Die Verbindlichkeiten betragen nun das 1,3fache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen und befinden sich damit gefahrlos innerhalb des Spektrums des Verschuldungsgrads der Gruppe von 25 bis 40 Prozent.

Nun richtet sich das Augenmerk der Firma auf einen vernünftigen Ausgabenkurs. Arcelor erwartet für das kommende Jahr eine Erhöhung der Investitionen auf vier Mrd. bis fünf Mrd. Dollar nach drei Mrd. Dollar im Jahr 2009, da die Gruppe Projekte in Brasilien, Indien und Südamerika wieder anfährt. Auch Akquisitionen werden vorsichtig wieder ins Visier genommen. Der jüngste Kauf einer kleinen Verarbeitungsanlage in Indien war die erste Neuinvestition des Stahlherstellers seit über einem Jahr.

Die Erholung von Arcelor im operativen Geschäft wird begleitet von einer umfassenderen Verbesserung der Lage im Stahlsektor. Der Weltstahlverband hatte Anfang des Monats seinen Ausblick revidiert und geht jetzt von einem Rückgang des globalen Umsatzvolumens von nur noch 8,6 Prozent in diesem Jahr aus, nachdem er zuvor ein Minus um 15 Prozent prognostiziert hatte. Für das kommende Jahr erwartet der Verband eine Verbesserung um zehn Prozent. Arcelor rechnet für das vierte Quartal mit einer Kapazitätsauslastung von 70 Prozent.

Das mag jetzt ganz danach klingen, als könne das Unternehmen wieder zur Tagesordnung übergehen. Doch die Investoren reagierten enttäuscht auf den verhaltenen Ausblick, den Arcelor zusammen mit den Ergebnissen präsentierte.

Mittal ist gut beraten, sich nicht allzu siegessicher zu geben. Die Nachfragetrends sind nach wie vor uneinheitlich. Die Stahlnachfrage aus den aufstrebenden Märkten hat sich schnell erholt und dürfte in China für 2009 ein Plus um 15 Prozent aufweisen. ArcelorMittal rechnet mit einer Fortsetzung dieses Trends, doch der Weltstahlverband sieht in diesem Bereich eine Verlangsamung auf fünf Prozent im Jahr 2010 voraus. Und in den USA und in Europa wird die Nachfrage nach wie vor eher von der Wiederauffüllung der Lagerbestände angetrieben als von einer Erhöhung des tatsächlichen Absatzes.

Mittal selbst sagt, er gehe nicht von einer vollständigen Erholung vor 2011 aus. Das hört sich vielleicht ein wenig übervorsichtig an. Aber die Investoren können sich kaum gegen die allgemeine Stimmung stemmen.

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