AT&T
Ein Leben ohne Telefon

AT&T bereitet sich auf ein Leben ohne das Telefon vor. Der US-Mobilfunkanbieter stellt es seinen Kunden frei, über sein Mobilfunknetz Internettelefondienste in Anspruch zu nehmen. Festnetzbetreiber hatte lange befürchtet, zu geringwertigen Datennetzen zu verkommen. Dieselbe Gefahr trifft jetzt auf den Mobilfunkbereich zu. Die Kunden sollten profitieren, aber die Anbieter werden sich anpassen müssen.
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Den Telegrafen gibt es schon lange nicht mehr. Und auch das Telefon, der zweite historische Daseinszweck von AT&T, wird jetzt aufgrund des Drucks der Kunden und der Aufsichtsbehörden nach und nach abgeschafft. Der US-Mobilfunkanbieter stellt nun seinen Kunden frei, über sein Mobilfunknetz Internettelefondienste in Anspruch zu nehmen. Wie schon die Festnetzbetreiber sehen sich nun auch die Anbieter drahtloser Kommunikationsdienste der Gefahr ausgesetzt, zu geringwertigen Datennetzen zu verkommen. Die Kunden sollten davon profitieren, aber die Betreiber werden sich anpassen müssen.

AT&T hatte kaum eine andere Wahl bei der Entscheidung, iPhone-Kunden die Nutzung von Internettelefondiensten wie Skype und Vonage auf seinem Mobilnetz zu gestatten. Die zuständige US-Aufsichtsbehörde für Kommunikation prüft gerade den Wettbewerb in der Mobilfunkbranche. Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass die Branchenwächter im Verlauf des Monats eine Regelung zur Netzneutralität vorschlagen werden, die ebenfalls auf einen offeneren Zugang zu den Funknetzen hinauslaufen dürfte. AT&T hat sich daher eigentlich nur frühzeitig in Bewegung gesetzt.

Wie die Festnetzbetreiber nur zu gut wissen, werden viele Kunden, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt, bald zu den weit billigeren internationalen und Ferngesprächen überwechseln, die ihnen über internetbasierte Dienste zur Verfügung stehen, und so tiefe Einnahmeneinschnitte bei AT&T und seinen Konkurrenten herbeiführen. Das ist gut für die Kunden, aber hart für die Anbieter.

Wenn sie die jeweiligen Gespräche, E-Mails oder Textbotschaften nicht einzeln abrechnen können, dann besteht eine Option für die Mobilfunkanbieter darin, einfach einen Grundpreis für den Zugang zu ihren Netzen zu erheben. Anstatt per Anruf oder per Text würden die Nutzer einen Datenanschluss zahlen. Dadurch könnte sich ein Teil der verlorenen Einnahmen wieder hereinbringen lassen. Doch ganz wird dies nicht gelingen können - auch weil es die Kunden durch diese Art der Abrechnungsstruktur viel einfacher damit haben sollten, die Angebote unterschiedlicher Wettbewerber miteinander zu vergleichen.

Jetzt müssen die Nutzer für telefonische Nachrichtendienste, Daten- und zusätzliche Textumfänge zahlen. Und der Preis pro Anruf variiert abhängig vom Zeitpunkt des Telefonats. Es ist schwierig, die komplexen Pakete sauber untereinander zu vergleichen. Wenn die Anbieter einfach die Anschlüsse in Rechnung stellen, wird dies viel durchsichtiger.

Es könnte für die Betreiber schwierig werden, vom A la carte-Menü zu einem All-Inclusive-Angebot überzuwechseln. Aber es bleibt ihnen kaum eine Wahl. Wenigstens können sie sich mit einem Gedanken trösten: Mobilfunkgeräte vermehren sich immer noch stark und viele von ihnen benötigen Mobilfunkverbindungen, die nur die Betreiber bereitstellen können. Sie werden vielleicht zwar irgendwann einmal weniger pro Mahlzeit berechnen können. Aber das Restaurant wird prall gefüllt sein.

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